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Medien : Amazon wird zur digitalen Vertriebsplattform

Amazon-Chef Chef Bezos kauft die Washington Post
Amazon-Chef Chef Bezos kauft die Washington Post : Bild: REUTERS

Schon das iPad von Apple ist in erster Linie ein Gerät zum Medienkonsum, nicht aber für Menschen gedacht, die kreativ Medieninhalte erstellen wollen - auch wenn sich das mit einer Vielzahl von Zusatzprogrammen inzwischen ein wenig relativiert hat. Der Ansatz von Amazon aber radikalisiert den Gedanken von Apple. Der Nutzen des Kindle Fire beziehungsweise des mit einem noch etwas besseren Display ausgestatten Kindle Fire HD ist klar: Es geht allein um den Konsum von Inhalten, die man sich bei Amazon entweder gekauft oder ausgeliehen hat.

Und da offeriert Amazon eine echte Wundertüte: Nach eigenen Angaben hat der Konzern zum Jahreswechsel 2012/13 rund 22 Millionen Filme, Fernsehserien, Lieder, Apps, Computerspiele und natürlich auch Bücher im Angebot. Gut kommt unter Kritikern das Angebot an Büchern an; mit Blick auf die Vielfalt an Apps oder auf die Zahl der angebotenen Filme wünscht sich jedoch manch einer mehr. Und vielleicht entwickelt Bezos ja auch gemeinsam mit den Redakteuren und dem Verlag der „Washington Post“ ein paar neue Ideen. Es scheint, als wolle Bezos sich selbst in dieser Hinsicht auch einmal überraschen lassen.

Um den Verkauf seiner elektronischen Bücher anzukurbeln, schreckte Bezos von Beginn der Kindle-Zeit an jedenfalls nicht davor zurück, erhebliche Anlaufverluste in Kauf zu nehmen. Und seit 2012 kann man E-Books bei Amazon als Teilnehmer des „Amazon-Prime“-Stammkundenprogramms (das für 29 Euro im Jahr die versandkostenfreie Zustellung aller Produkte verspricht, also nicht nur von Büchern) auch ausleihen - und zwar jeweils einen Titel im Monat, ohne Rückgabefrist.

Kurz nach dieser Ankündigung kam zudem die Nachricht, dass der Konzern zunächst in den Vereinigten Staaten Kindern und Eltern eine Flatrate für Medieninhalte anbietet. Auch E-Books stehen dabei natürlich im Regal. Im Rahmen von „Kindle Free-Time Unlimited“ können Kinder über das Fire-Tablet unbegrenzt auf E-Books, Apps, Games, Filme und Fernsehserien zugreifen. Sie können eigenständig entscheiden, was sie gucken, spielen oder lesen wollen - ohne die Eltern um Hilfe bitten zu müssen. Das Angebot richtet sich an Kinder zwischen drei und acht Jahren und ihre Eltern. Die Kinder haben nur Zugriff auf Inhalte, die für ihr Alter geeignet sind oder auf Angebote, die ihre Eltern vorab freigegeben haben. Die Eltern können für jedes Kind ein eigenes Profil anlegen - so dass es „seinen“ Kindle Fire individuell bestücken und personalisieren kann. Überträgt man solche Ideen auf den Zeitungsmarkt, könnte es dort noch richtig spannend werden.

Immer spannender wird vor diesem Hintergrund auch die Beziehung von Amazon zu Apple. Denn die Strategie zum Vertrieb digitaler Medien ist ja von Beginn an ein Frontalangriff auf den lange so erfolgreichen Elektronikkonzern aus Kalifornien, der über seinen eigenen „iTunes“ oder „iBook“-Angebote seinen Kunden die gleichen digitalen Waren verkaufen will.

Nicht zuletzt hat Apple erst Anfang 2013 im Namensstreit um seine Softwareplattform „App Store“ eine Niederlage gegen Amazon erlitten. Eine Richterin im kalifornischen Oakland hatte einen Punkt in einer Klage zurückgewiesen, die Apple 2011 gegen Amazon eingereicht hat. Die Klage dreht sich um den Vorwurf, Amazon verletze mit der Verwendung des Begriffs „Appstore“ für seine Plattform zum Vertrieb von Programmen oder Applikationen („Apps“) Rechte von Apple. Bezos hat selbst gern Spaß, aber zu spaßen ist mit ihm nicht.

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