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Maximilian Riedel im Portrait : Der Weinversteher

Nach zwei Jahren wurde Maximilian Riedel Geschäftsführer von Riedel Crystal of America; unter seiner Führung entwickelte sich Nordamerika zum größten Exportmarkt, der bis heute der stärkste für Riedel bleibt. 2019 wurden 39 Prozent des Umsatzes mit Exporten in die Vereinigten Staaten und Kanada gemacht. In New York nutzte er auch seine handwerklichen Fähigkeiten, die er als Jugendlicher in Kufstein gelernt hatte, um eine eigene Kollektion zu entwerfen. Die Gläser der Serie O haben keinen Stiel und sind laut Riedel eine der erfolgreichsten Kollektionen. Seine Lieblingsobjekte wurden allerdings die Dekanter, von denen er einige wie etwa den Mamba entworfen hat. Während seiner Zeit in Amerika reiste er viel durch das Land, um Winzer von der Ost- bis zur Westküste zu besuchen. Maximilian Riedel schwärmt noch heute von den Weinen, die dort ausgebaut werden. „Amerikanische Weine gehören für mich zu den besten und vielfältigsten der Welt“, sagt er, während er eine Flasche von dort öffnet. Also auch hinsichtlich des Weins hat ihn diese Zeit geprägt.

Alles dreht sich in seinem Leben um Wein

Vor sieben Jahren kehrte Riedel nach Österreich zu seiner Familie zurück und ließ knapp fünfzehn Jahre New York hinter sich. Ihm fehle „etwas der Stress und der Druck“, sagte er damals nach seiner Rückkehr, und im gleichen Interview schob er hinterher: „Wenn Sie mich in den Sozialen Netzwerken verfolgen würden, würden Sie sehen, dass ich ein wunderbares Leben leben darf.“ Wer sich die täglichen Einträge von @maxiriedel auf Instagram anschaut und selbst gerne genießt, versteht das Zitat umso besser. Alles dreht sich in seinem Leben um Wein. Er ist – wie sein Vater auch – ein absoluter Weinkenner. Was nach Hobby klingt, hat auch berufliche Gründe. Jedes Glas wird von der Familie gemeinsam mit Produzenten entworfen und entwickelt. Aus den Prototypen verkosten Georg und Maximilian Riedel Weine einer bestimmten Rebsorte, um das Glas so lange modifizieren zu lassen, bis der Familie der Wein daraus am besten schmeckt. Das Unternehmen hält nach wie vor an dem Prinzip fest, dass die Rebsorte die Form des Glases bestimmt.

Mit diesem Konzept sind nicht alle Weinliebhaber einverstanden. Die Konkurrenz ist in den letzten Jahren größer geworden, weil alle anderen Hersteller mundgeblasener Gläser auf meist vier Typen setzen, einige davon verkaufen eines davon dann noch marketingtechnisch geschickt als Universalglas. Den Markt mundgeblasener, funktionaler Weingläser dominiert Riedel weiterhin mit deutlichem Vorsprung. Und der soll weiter wachsen. „Der chinesische Markt ist für uns sehr wichtig. In China ist Riedel ein europäisches Luxusprodukt. Es gibt eine enorme Nachfrage nach unseren handgefertigten Produkten“, sagt er. Momentan setzt Riedel allerdings nur zwei Prozent seiner Gläser in China ab.

Ob Maximilian Riedel die Expansion im Alter von 43 Jahren mit dem unbändigen, häufig auch verbissenen Ehrgeiz vorantreibt wie vor ein paar Jahren, ist fraglich, wenn man ihn im Gespräch bei einem Glas Wein erlebt. Dann spricht er vom „Glück“, mit seinem Vater zusammen „alt geworden“ zu sein. Maximilian Riedel ist noch nicht alt, aber älter geworden – und mittlerweile Vater zweier Kinder, die bekanntlich Eltern zeigen, was wirklich wichtig ist. Der sportliche Kampfgeist steckt noch in ihm. Aber Maximilian Riedel hält jetzt eben auch mal seine Füße in ein Planschbecken und trinkt mit seinen Followern dabei einen guten Wein.

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