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Mauer Ausblick : Bosch tritt hart auf die Bremse

Bosch-Chef Volkmar Denner Bild: REUTERS

Die Solarsparte hat Bosch schon aufgegeben. Aber auch im Kerngeschäft gibt es einige Probleme. Für den Hauptmarkt Europa erwartet Bosch eine jahrelange Stagnation.

          3 Min.

          Das Jahr 2013 hat für Bosch „verhalten“ begonnen - so umschreibt Bosch-Chef Volkmar Denner den Umsatzrückgang von 4 Prozent, den der Stuttgarter Konzern im ersten Quartal eingefahren hat. Bereinigt um Wechselkurseffekte und auf eine vergleichbare Zahl von Arbeitstagen umgerechnet, ergebe sich lediglich ein Minus von einem Prozent, sagte er während der Bilanzpressekonferenz am Firmensitz auf der Schillerhöhe. Für das gesamte Jahr gehe er von einem Umsatzzuwachs von zwei bis vier Prozent aus, und von einem steigenden Ergebnis.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Damit bleibt die Robert Bosch GmbH weit von den eigenen Zielgrößen entfernt, nämlich einem jährlichen Umsatzplus von 8 Prozent und einer Umsatzrendite von 8 Prozent, die für die Erhaltung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit für erforderlich gehalten werden. Wann die Ziele wieder erreicht werden können, wollte Denner nicht prognostizieren. Im vergangenen Jahr ist die Ebit-Marge von 5,3 Prozent auf 2,5 Prozent abgesackt. Auch ohne den Milliardenverlust der Solar-Sparte bliebe die Marge mit rund 4,5 Prozent erheblich unter der Zielrendite.

          Schwierige Autokonjunktur

          Dagegen, dass sich der Konzern schnell erholt, spricht vor allem die schwierige Konjunktur in der Autobranche. Diese spielt für Bosch als weltweit größtem Autozulieferer immer noch die maßgebliche Rolle. Die Fahrzeugproduktion werde in diesem Jahr nur um drei Prozent wachsen und damit halb so kräftig wie im vergangenen Jahr, erwartet Bosch. In Europa werde sie voraussichtlich abermals zurückgehen - und auf Europa entfallen immer noch 57 Prozent des Umsatzes.

          „Wir müssen uns vorbereiten auf eine längere Stagnation in Europa“, erklärte Denner, der das Unternehmen im Stiftungsbesitz seit dem vergangenen Sommer führt. Den „Bosch-Weg“ zu gehen, bedeute, nicht nur mit Personalabbau zu reagieren, sondern genau so viel Kraft darauf zu verwenden, den Marktanteil zu steigern (also etwa den Umsatzanteil an jedem produzierten Auto) und mit ganz neuen Angeboten neue Märkte zu erschließen.

          „Wollen Kündigungen vermeiden“

          „Sollte es dennoch Anpassungsbedarf geben, wollen wir rechtzeitig reagieren, um Kündigungen zu vermeiden“, sagte Denner mit Blick auf einen möglicherweise notwendigen großflächigen Arbeitsplatzabbau. Wie viele Stellen möglicherweise auf dem Spiel stehen, wollte Denner nicht sagen. Es gehe um ein „kreatives Puzzle“: jeder Standort könne seine individuellen Stärken ausspielen. Da Bosch mit einem Produktivitätsfortschritt von jährlich 5 Prozent kalkuliert, muss entsprechend viel zusätzlicher Umsatz generiert werden, wenn es nicht zu Überkapazitäten kommen soll. In ganz Europa beschäftigt Bosch 195.000 Mitarbeiter, davon etwa die Hälfte in der Produktion.

          „Es geht uns nicht um plakative Programme“, sagte Denner. Um die Ertragskraft zu stärken seien eine strenge Kostendisziplin und eine konsequente Umsetzung notwendig. Die Fixkostenquote soll reduziert werden, wozu eine Betriebsvereinbarung für schnelle Kapazitätsreduzierung ohne Kurzarbeit geschlossen wurde. Das Investitionsbudget wird um 5 Prozent gekürzt. Akquisitionen sollen in der Regel nur noch getätigt werden, wenn sie aus den laufenden Zahlungsflüssen (Cash Flow) finanziert werden können.

          Wird Elektromobilität eine Nische?

          Auch bei Vorleistungen in künftige Wachstumsfelder will Bosch genauer hinschauen: Geld gebe es nur noch für die jeweils nächste Phase, erklärte Denner, und nannte als Beispiel die Batterietechnik, bei der es in den nächsten Jahren um erheblichen technischen Fortschritt gehe: „Wenn es nicht gelingt, die Leistungsdichte der Batterien mindestens zu verdoppeln, wird die Elektromobilität ein Nischen-Dasein fristen“, bestätigte Bernd Bohr, der die dominierende Zulieferer-Sparte führt. Bosch investiere in die Elektromobilität jährlich 400 Millionen Euro: „Das ist ein Riesen-Betrag, vor allem, wenn er jährlich anfällt.“

          In der Solarbranche hatte Bosch vergeblich gehofft, durch Innovation den Preisverfall ausgleichen zu können und hat daher vor kurzem den Ausstieg aus dem Solargeschäft verkündet. Damit stehen 3000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Dieses Jahr wird die Produktion aber noch aufrecht erhalten. „Wir brauchen eine intakte Struktur, sonst würden sich die Verkaufschancen drastisch verschlechtern“, erklärte Denner und bestätigte, dass man daher mit einer Ergebnisbelastung wie im Vorjahr rechnen müsste: „Wir sehen keinen Stopp des Preisverfalls.“ Es gebe mehrere Interessenten, es sei aber noch zu früh, die Verkaufschancen einzuschätzen, sagte Denner.

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