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Besondere Geschäftsidee : Matabooks stellt vegane Bücher her

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Notizbücher von Matabooks Bild: Matabooks

Was viele nicht wissen: Bücher enthalten versteckte tierische Bestandteile. Ein Start-up aus Dresden hat sie ersetzt.

          2 Min.

          Das Wort „Mata“ kommt aus der indischen Ursprache und bedeutet Mutter. Daraus leitet sich der Name des Unternehmens Matabooks ab. Man möchte den Respekt gegenüber „Mutter Erde“ zum Ausdruck bringen. Matabooks ist nach eigenen Angaben der erste deutsche Verlag, der vollkommen vegane Bücher herstellt.

          Kay Hedrich hat ihn Anfang 2018 in Dresden gegründet. „Mit unseren Büchern aus Graspapier und Samenpapier nehmen wir der Natur etwas, nutzen es und geben es der Natur wieder zurück“, sagt Hedrich. Beim Blättern durch die Graspapier-Bücher werden die Sinne angesprochen, sie duften nach getrocknetem Heu.

          Matabooks ermöglicht jungen Autoren, ihre Texte zu verlegen. Das erste Buch, der Roman „Das Flüstern der Rebellion“, wurde von der damals 15 Jahre alten Schülerin Sophie Marlene Frohnauer geschrieben. Für dieses Jahr kündigt Hedrich ein neues Kinderbuch an, das von einer älteren Dame, die einen sehr engen Bezug zur veganen Lebensweise pflegt, geschrieben wird.

          Gras hat gute Ökobilanz

          Graspapier hat nach Angaben von Matabooks eine gute Ökobilanz. Gras sei in ausreichenden Mengen vorhanden und wachse nach der Ernte schnell nach. Durch die kurzen Transportwege könnten rund 75 Prozent CO2 gespart werden. Zur Produktion einer Tonne Graszellstoff benötige man nur zwei Liter Wasser, viel weniger als für Holzzellstoff.

          Gras besitze zudem im Vergleich zu Holz nur wenig Lignin. Dieser Stoff gewährleistet die Festigkeit pflanzlichen Gewebes und führt zur Verholzung der Zelle. Um das Lignin aus dem Holz zu waschen, werden Chemikalien eingesetzt. Das ist bei Gras nicht nötig.

          In herkömmlichen Büchern sind versteckte tierische Bestandteile enthalten. So wird zum Binden Glutinleim verwendet, der durch Auskochen von Knochen, Häuten und Leder entsteht. Matabooks verwendet Kleber auf Wasserbasis.

          Blumensamen in den Covern

          Das Unternehmen verwendet außerdem Bio-Pflanzenfarben auf Leinölbasis statt zum Beispiel Farben, in denen Karmin enthalten ist; für diesen Farbstoff werden Läuse ausgekocht. Alle Produkte sind kompostierbar, und in manchen Buchcovern sind Wildblumensamen eingearbeitet. Hedrich versichert, die Bücher seien genauso haltbar wie konventionelle Bücher.

          Das Sortiment besteht aus zwei Romanen, in der Auflagenhöhe von 2000 Stück, für 16 und 25 Euro, zwei Kinderbüchern für 13 und 17 Euro, Notizbüchern, Kalendern, Postkarten, Bürobedarf und Geschenkgutscheinen. Das Unternehmen beschäftigt 19 Personen. Der Umsatz lag 2018 im fünfstelligen Bereich und ist 2019 um das Fünffache in den mittleren sechsstelligen Bereich gestiegen.

          Für die Erfindung eines ökologischen Gemüsebeutels aus Graspapier für den Einzelhandel, der vollständig kompostierbar ist, erhielt Matabooks von der Stadt Dresden eine Innovationsförderung von 86 500 Euro. Das Projekt soll dieses Jahr abgeschlossen sein. Hedrich forscht auch an einem Bio-Klebstoff, der aus nachwachsenden Rohstoffen aus der ökologischen Landwirtschaft besteht, und an Offset-Druckfarben, die aus Algen gewonnen werden.

          Der Artikel stammt aus dem Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken veranstaltet.

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