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Mastercard und Visa : Plastikkarten verdrängen Bargeld

  • Aktualisiert am

Mastercard und Visa erobern den deutschen Markt Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Bislang werden erst 20 Prozent der Zahlungen mit Plastikgeld beglichen. Die beiden Zahlkartenunternehmen Mastercard und Visa sehen jetzt die Chance, den Einsatz von Bargeld an der deutschen Ladenkasse zurückzudrängen.

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          Die beiden internationalen Zahlkartenunternehmen Mastercard Worldwide und Visa Europe sehen den Übergang zum Einheitlichen Euro-Zahlungsraum (Sepa) als eine Chance, den Einsatz von Bargeld an der Ladenkasse zugunsten sogenannter Debitkarten zurückzudrängen - und damit ihr eigenes Geschäft zu beleben. Im gleichen Zuge entsteht dadurch der in Deutschland bislang dominierenden Debitkarte, nämlich der EC-Karte, eine schlagkräftige Konkurrenz.

          In Europa seien bereits 300 Millionen „Maestro“-Debitkarten in Umlauf, im nächsten Jahr dürften 30 Millionen weitere Maestro-Karten hinzukommen, sagte Javier Perez, der Präsident von Mastercard Europé, der F.A.Z.. Auch die erst in diesem Jahr gestartete V-Pay-Debitkarte von Visa wartet mit großen Zahlen auf: Inzwischen hätten deutsche Banken bereits die Ausgabe von insgesamt 10 Millionen V-Pay-Karten zugesichert, sagte Peter Ayliffe, der Präsident und Geschäftsführer von Visa Europe, im Gespräch mit der F.A.Z.. In ganz Europa wollten nach derzeitigem Stand 22 Kreditinstitute insgesamt 17 Millionen V-Pay-Karten auf den Markt bringen.

          Zusätzlicher Schub durch kontaktlose Zahlkarten

          Zusätzlichen Schub für ihre Initiative erhoffen sich Mastercard und Visa von einer technischen Innovation für Kleinbetragszahlungen: der Einführung kontaktloser Zahlkarten. Um zu bezahlen, muss der Kunde diese Karten nur einmal nah am Terminal des Händlers vorbeischwenken, der Zahlbetrag wird dann von dem auf der Karte gespeicherten Guthaben beziehungsweise dem Konto des Karteninhabers abgebucht. Das macht den Zahlvorgang für Kunden und Händler schneller und bequemer. In einigen Ländern findet dieser Bargeldersatz - der mit einigen Vorkehrungen zum Schutz vor Missbrauch einhergeht - bereits viel Anklang.

          Wie Norbert Gebhard, der Mastercard-Manager für Zentraleuropa jetzt ankündigte, wird Mastercard solche Karten im ersten Quartal in Deutschland einführen. Man arbeite dazu mit zahlreichen Banken und Einzelhändlern zusammen, sagte Gebhard. Nach ausländischem Vorbild dürfte es sich dabei zum Beispiel um Schnellimbiss und Kinoketten handeln, möglicherweise auch den öffentlichen Nahverkehr. In der Schweiz nutzt die Restaurantkette McDonald's diese Karte bereits.

          Ab 2008 einheitliche EU-Standards für Debitkarten

          Im Rahmen von Sepa hat sich die europäische Kreditwirtschaft verpflichtet, von 2008 an einheitliche Standards für den Einsatz von Debitkarten in der gesamten EU sowie einigen weiteren Ländern zu schaffen. Das eröffnet internationalen Zahlkartenunternehmen ein riesiges Geschäftsfeld. Derzeit stehe dem Start von Sepa bei Zahlkarten allerdings noch im Wege, dass die EU kartellrechtliche Bedenken gegenüber den sogenannten Interchange-Gebühren hege, sagte Perez. Dabei handelt es sich um einen Schlüssel, nach dem die Banken bestimmte Gebühren, welche die Händler für die Nutzung von Debitkarten zahlen müssen, untereinander aufteilen. Die Säumigkeit der EU-Kommission schaffe Unsicherheit und führe dazu, dass Banken und Händler Investitionen auf die lange Bank schöben, sagte Jerez. Das Gebührenmodell habe sich seit vielen Jahren bewährt. Es stehe zu befürchten, dass neue diesbezügliche EU-Vorschriften auf ineffiziente Lösungen hinausliefen.

          Unterdessen hat die Visa-Organisation eine andere Sorge der EU-Kommission ausgeräumt - nämlich die, dass der europäische Markt für Debitkarten allein von zwei amerikanischen Unternehmen beherrscht werden könnte. Wie Ayliffe mitteilte, ist die Abspaltung der europäischen Visa-Gesellschaft vor dem amerikanischen Konzern nun beschlossene Sache. Die Mitgliedsbanken von Visa Europe hätten dieser Tage der Trennung mit großer Mehrheit zugestimmt. Visa Europe bleibt damit eine genossenschaftliche Organisation der europäischen Banken. Die amerikanische Visa Inc. peilt einen Börsengang an, was für die europäische Gesellschaft nicht geplant ist. Mastercard ist bereits seit einiger Zeit ein börsennotiertes Unternehmen. Laut Perez habe dies die Effizienz des Unternehmens gesteigert, weil es nicht länger durch Interessenkonflikte der teilhabenden Banken blockiert werde. Diesen Effizienzgewinn könne man in Form niedrigerer Kosten an die Kundschaft weitergeben.

          Nach wie vor größter Konkurrent: Bargeld

          Mastercard ist bei Debitkarten, die in mehreren europäischen Ländern eingesetzt werden können, bislang mit großem Abstand Marktführer. Auch praktisch alle 80 Millionen EC-Karten, die deutsche Banken ausgegeben haben, sind mit der Maestro-Funktion ausgestattet. Wenn EC-Karteninhaber ihre Karte außerhalb Deutschlands an der Ladenkasse oder am Geldautomaten einsetzen, nutzen sie - oft ohne dies zu wissen - die Maestro-Funktion und die dahinterliegenden Buchungssysteme. In Zukunft dürften auch deutsche Banken und Einzelhändler statt der EC- die Maestro-Funktion nutzen, sagte Gebhard. Die Entscheidung darüber liege aber nicht bei Mastercard, sondern den Banken und Einzelhändlern. Gebhard bestritt, dass Mastercard deutschen Händlern Subventionen zahle, damit diese von der EC- auf die Maestro-Funktion umsteigen.

          "Wir bringen etwas auf diesen Markt, das es bisher nicht gab: Wettbewerb", sagt Ayliffe. Bei der Zahl der Händler, die das Plastikgeld akzeptieren, ist Visa Europe dem Konkurrenten bereits dicht auf den Fersen: Vier Millionen Händler seien mittlerweile bereit, V-Pay anzunehmen, berichtet Ayliffe. Hinzu kommt eine Viertelmillion Geldautomaten. Mastercard kommt auf mehr als 6,5 Millionen Akzeptanzstellen im Handel. Nach Darstellung von Perez sieht Mastercard den größten Konkurrenten aber nicht in V-Pay oder der EC-Karte, sondern im Bargeld. "Bislang werden erst 20 Prozent der Zahlungen, die im Prinzip mit einer Zahlkarte abgewickelt werden könnten, tatsächlich mit Plastikgeld bezahlt", sagt Perez. Das eröffne den Debitkarten, die sicherer, bequemer und in volkswirtschaftlicher Rechnung kostengünstiger als Bargeld seien, noch viel Spielraum zu wachsen.

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