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Mastercard stellt Service ein : Venezuelas Soldaten ohne Kreditkarten

Das Unternehmen Mastercard hat seine Dienste für die Bank der venezolanischen Armee (Banfanb) eingestellt. Bild: Reuters

Der Kreditkartenanbieter Mastercard hat seine Dienste für zwei venezolanische Staatsbanken eingestellt, darunter die Bank der venezolanischen Armee. Ein harter Schlag, denn Bargeld ist in Venezuela kaum noch im Umlauf.

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          Den venezolanischen Soldaten und Offizieren dürfte das Einkaufen künftig noch schwerer fallen. Viele von ihnen sind wie andere Staatsangestellte Kunden der staatlichen „Bank der Nationalen Bolivarischen Streitkräfte“ (Banfanb). Und als solche besitzen sie in der Regel eine Kreditkarte des Anbieters Mastercard, der die Bank bedient. Doch nun hat Mastercard seine Dienste für die Banfanb suspendiert. Betroffen ist neben der Armee-Bank auch die ebenfalls staatliche Agrarbank BAV. Weitere Institute könnten in den kommenden Tagen hinzukommen.

          Tjerk Brühwiller

          Freier Berichterstatter für Lateinamerika mit Sitz in São Paulo.

          In einer Mitteilung an das „Consorcio Credicard“, die den Karten-Service mehrerer privater und staatlicher Banken in Venezuela abwickelt, erklärte Mastercard die Maßnahme mit den amerikanischen Sanktionen gegen Venezuela. Washington hat vor einem Monat das gesamte Vermögen der venezolanischen Regierung in den Vereinigten Staaten blockiert sowie ein Handelsverbot ausgesprochen. Mastercard sei es untersagt, „Geschäfte mit gewissen Regierungen, in gewissen Ländern oder mit gewissen Personen oder Unternehmen zu treiben“, hieß es in der Mitteilung. Deshalb seien jegliche Aktivitäten mit den besagten Banken einzustellen. Die Lizenzen sind suspendiert, jedoch nicht aufgehoben. Sollten sich die „Umstände“ verändern, könne der Beschluss überdacht werden, teilte Mastercard weiter mit.

          Der Präsident von Banfanb, General Darío Baute, bezeichnete die Maßnahme von Mastercard auf Twitter als einen „willkürlichen Eingriff“ und eine „krasse Verletzung der Menschenrechte“. Das Technologieteam seiner Bank sei stärker als gedacht. Und die Rechtsabteilung werde mit der gleichen Entschlossenheit reagieren, mit der die Banfanb angegriffen worden sei, drohte Baute. Später triumphierte er, dass die Karten teilweise wieder mit dem Bankensystem verbunden seien.

          Kreditkarten sind in Venezuela wichtigstes Zahlungsmittel

          Andere amerikanische Kreditkartenanbieter dürften dem Beispiel von Mastercard bald folgen. Das amerikanische Finanzministerium hatte Visa, Mastercard und American Express bereits im März dieses Jahres mitgeteilt, dass sie ab März 2020 keine Aktivitäten mit den staatlichen Finanzinstituten Venezuelas mehr unterhalten könnten.

          Die Wirkung einer Suspendierung von Kreditkartendiensten scheint auf den ersten Blick begrenzt. Doch nicht in Venezuela: Die Kreditkarte ist in Venezuela zum wichtigsten Zahlungsmittel geworden, da Bargeld nur in sehr begrenzten Mengen erhältlich und kaum noch genutzt wird. Die venezolanische Währung entwertet sich derart rasch, dass der Bargeldverkehr kaum noch möglich ist. Für einen Einkauf braucht es bis vor wenigen Monaten bündelweise Bolívar.

          Mindestlohn weniger als zwei Dollar wert

          Die Streichung von fünf Nullen im vergangenen Jahr und die Einführung neuer und größerer Geldscheine vor einigen Monaten haben die Situation nur geringfügig verbessert. Der größte Geldschein, die 50.000-Bolívar-Note ist derzeit gerade mal etwas mehr als zwei Dollar wert. Das ist allerdings noch mehr als der aktuelle Mindestlohn von 40.000 Bolívar. Derweil hält die Inflation weiter an. 65 Prozent waren es laut den Berechnungen der Finanzkommission der von der Opposition kontrollierten Nationalversammlung im August. Über die letzten zwölf Monate soll sie sich auf mehr als 135.000 Prozent belaufen haben. Der Internationale Währungsfonds geht von einem noch höheren Wert aus.

          Die Einkommen vieler Venezolaner reichen kaum noch aus, um das Nötigste zu besorgen. Sie sind komplett auf die von der Regierung verteilten Lebensmittelkisten abhängig. Rund ein Viertel der Bevölkerung ist laut den Vereinten Nationen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Dramatisch ist auch die Versorgung mit Medikamenten. In den vergangenen vier Jahren sind mehr als vier Millionen Venezolaner ins Ausland geflohen.

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