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Massiver Stellenabbau : Jetzt fliegen die Banker raus

„Da wartet gar kein Schatz“

Die exakten Zahlen gibt es im neuen Jahr, wenn die Banken ihre Gewinne veröffentlichen. Es genügt jedoch das kleine Einmaleins, um zu erkennen: Mit den Profiten schrumpft auch der Bonus, die Ausschüttung an den einzelnen Banker, was diesen schwer aufs Gemüt schlägt. Der Anreiz für den Investmentbanker ist nun mal das Geld. „Da quält man sich 12 Monate den Berg hoch“, klagt einer, „um dann am Gipfel festzustellen: Da wartet gar kein Schatz.“

Nach Lehman haben die Banken die Vergütung reihenweise umgestellt, nicht zuletzt auf Druck der Politik: Boni galten als Teufelszeug, da sie Banker zu übermäßigen Risiken verleiten. Die erfolgsabhängige Komponente wurde deshalb gekürzt, im Gegenzug das Festgehalt erhöht - mit ungewollten Folgen: In Zeiten rückläufiger Erlöse werden schneller Leute vor die Tür gesetzt, hat Kian Abouhossein, Bankenspezialist von JP Morgan, in einer Studie festgestellt: „Wenn die Rentabilität sinkt, wird nicht mehr an den Boni geschraubt - es wird entlassen.“

Vermögen der Eigentümer wird vernichtet

Auf mittlere Sicht werden die Marktkräfte - sinkende Nachfrage nach Bankern bei hohem Angebot - auch die Grundgehälter nach unten drücken: Damit kämen die Löhne zwischen Industriemanagern und den deutlich höher dotierten Bankern etwas ins Lot. Böser ausgedrückt: Die Banker vollziehen nach, was die Bank-Aktionäre schon hinter sich haben. Bis vor kurzem galt: Das Vermögen der Eigentümer wird vernichtet (Bank-Aktien machten in den vergangenen Jahren niemanden glücklich), während die Angestellten ihr Einkommen maximieren. Diese Entwicklung scheint gestoppt. Bank-Chefs rechtfertigen ihren Kahlschlag nun auch damit, das Verhältnis von Erlös zu Gehältern neu zu justieren.

Die freigestellte Frankfurter Investmentbankerin ahnt, dass sie mit dem nächsten Job Abstriche hinnehmen muss: „Auf gleichem Niveau etwas Neues zu finden ist illusorisch.“ Wenn sie denn überhaupt eine Stelle im angestammten Bereich ergattert. „Viele, die jetzt rausfallen, kehren nicht mehr in den Finanzbereich zurück“, sagt Headhunter von Pfeil. Nach der Krise sind die Banken gehalten, ihre Eigenkapitalquote aufzupumpen, folglich verkürzen sie die Bilanz: „Abbau von Risikoaktiva“ lautet die Devise, was bedeutet: Sie verzichten auf Geschäft (und damit mittelfristig auf Personal).

Jetzt schrumpft der gesamte Sektor

Beispiel: Commerzbank. Wenn deren Chef Martin Blessing ankündigt, die Akquise von Neugeschäft auf Deutschland und Polen zu beschränken, schwant manchem Untergebenen Böses: „Wie will der Vorstand die Leute an Bord halten, wenn das Geschäft so stark beschnitten wird und die Bank gleichzeitig Gewinne erwirtschaften muss?“ Dabei hat die Commerzbank noch nicht einmal alle Stellen gestrichen, die durch die Fusion mit der Dresdner Bank überflüssig wurden. „5800 Arbeitsplätze haben wir abgebaut, bei weiteren 1600 wissen die Mitarbeiter schon Bescheid“, teilt eine Sprecherin mit: „Weitere 1600 sollen noch folgen.“ Ob das reicht, ist fraglich.

Diese Situation verlangt von den Bankern neue Karrierestrategien. „Das Kaskade-System funktioniert nicht mehr“, erläutert Friedrich-Wilhelm Graf von Pfeil. Früher hatten Banker munter hin und her gewechselt. Wenn der Aufstieg ins Stocken geriet, oder jemand als gescheitert abserviert wurde, dann fand er immer noch ein trockenes Plätzchen bei der Konkurrenz: Notfalls ging man von den Topadressen wie Goldman Sachs oder Deutscher Bank zu weniger bekannten ausländischen Häusern, oder, wenn es ganz dumm lief, zu Landesbanken oder Sparkassen. Jetzt schrumpft der gesamte Sektor, mal mit mehr, mal mit weniger Geräusch verbunden.

Als sich die Hypo-Vereinsbank in München vor einigen Wochen von 30 Investmentbankern der Abteilungen „Cash Equity“ und „Equity Research“ trennte, da wandte sich der Betriebsratschef aufgebracht in einem Brief an die Öffentlichkeit und beklagte einen „Tiefpunkt der Unternehmenskultur“. Die Bank habe die Investmentbanker nicht nur sofort freigestellt - sondern habe sie auch gleich vom Sicherheitspersonal überwacht ihre Schreibtische räumen und vor die Tür setzen lassen. Von Solidaritätsdemos ist nichts bekannt.

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