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Massekredit : Quelle erhält 50 Millionen vom Staat

Hand drauf: weiter gehts mit Quelle Bild: ddp

Die 8000 Beschäftigten des Fürther Unternehmens können vorerst aufatmen. Der rettende Massekredit für Quelle wurde vereinbart. Bayern und Sachsen übernehmen zusammen 25 Millionen Euro. Die anderen 25 Millionen Euro kommen vom Bund.

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          Quelle kann vorerst weiterarbeiten. Das insolvente Versandhausunternehmen aus Fürth erhält den Massekredit über 50 Millionen Euro, um den es in den vergangenen Tagen heftigen Diskussionen gegeben hat. Das beschloss am späten Montagabend ein interministerieller Ausschuss von Bundesfinanz- und Bundeswirtschaftsministerium, von Vertretern der Länder Bayern und Sachsen nach langer Sitzung, an der auch Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg sowie die Wirtschafsprüfergesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PWC) teilnahmen. Die Entscheidung für den Massekredit wurde von der Quelle-Geschäftsführung, vom Betriebsrat und in der bayerischen Politik mit großer Erleichterung aufgenommen (siehe dazu auch: Erleichterung bei Quelle: „Das gibt wahnsinnige Motivation“).

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Die Forderungen des Bundesfinanzministeriums wurden erfüllt. Der vom Bund bereitgestellte Anteil von 25 Millionen Euro über die staatseigene Förderbank KfW wird vorrangig bedient. Erst danach folgen die Bayerische LfA, die 21 Millionen Euro zur Verfügung stellt und die Sächsische Aufbaubank mit 4 Millionen Euro. Außerdem wurden die geforderten Mindestsicherheiten vom Wirtschaftsprüfer attestiert. Es soll sich dabei um eine freie Insolvenzmasse von 72 Millionen Euro handeln.

          Von einer Rettung kann längst nicht gesprochen werden

          Damit ist für die nächsten Wochen die Liquidität von Quelle gesichert; der Versandhändler besitzt kaum noch Barmittel. Der Massekredit ermöglicht den kurzfristigen Geldzufluss für ein insolventes Unternehmen, um den Geschäftsbetrieb in dieser schwierigen Phase aufrecht zu erhalten (siehe: Wie das Instrument Massekredit funktioniert). Trotz der für Quelle und den insgesamt 8000 Beschäftigten positiven Nachricht kann von einer Rettung längst nicht gesprochen werden. Es geht zunächst darum, dem Versandunternehmen in den nächsten Wochen den Geschäftsbetrieb zu ermöglichen und Insolvenzverwalter Görg zumindest Luft zu verschaffen, für Quelle ein Lösung zu finden.

          Der Bürgschaftsausschuss hat entschieden: die Quelle versiegt nicht
          Der Bürgschaftsausschuss hat entschieden: die Quelle versiegt nicht : Bild: AP

          Eine weitere Unsicherheit scheint ausgeräumt: Seitens der EU-Kommission erwarten Beobachter keine nennenswerten Probleme. Sie soll angeblich an diesem Dienstag ihr Plazet geben. Bei dem Massekredit werden weniger strenge Auflagen zugrunde gelegt. Denn es handelt sich formal zunächst um eine Rettungsbeihilfe, für die die Zulassungshürden niedrig gesteckt sind. Daher gilt eine Zustimmung der Kommission als wahrscheinlich. Anders ist hingegen der Fall, wenn nach sechs Monaten der Kredit weiterhin bestehen sollte. Dann wird er als Umstrukturierungsbeihilfe betrachtet und damit genauer, vor allem aber strenger geprüft. Eine Zustimmung aus Brüssel wird noch in dieser Woche erwartet. Am vergangenen Donnerstag wurde bereits der Massekredit angemeldet.

          Bereits am Mittwoch kann das erste Geld fließen

          Der Massekredit ermöglicht nun auch die Freigabe des neuen Finanzplanes für Quelle, der bereits vor eineinhalb Wochen von der Bayern LB, der Commerzbank und der Valovis Bank im Volumen von 300 Millionen Euro aufgestellt worden ist, um die Finanzierung der Geschäfte in den nächsten Monaten und für das wichtige Weihnachtsgeschäftes zu ermöglichen. Dieser Finanzplan wurde noch unter der Annahme ausgearbeitet, dass das Versandhausunternehmen eine Bürgschaft über 50 Millionen Euro von Bund und den Ländern Bayern sowie Sachsen erhält. Diese Bürgschaft wurde jedoch am vergangenen Mittwoch abgelehnt. Von da an ging es um die Vergabe eines Massekredits. Wie aus Finanzkreisen zu hören ist, stellt es für den Finanzrahmen allerdings keinen Unterschied dar.

          Damit ist es nun wahrscheinlich, dass bereits am Mittwoch wieder das erste Geld fließen kann. Das geht wohl zuerst an die Druckereien Prinovis und Schlott Gruppe, die mit dem Druck des wichtigen Herbst/Winterkatalogs in Vorleistung getreten sind. Sie haben ohne rechtsverbindliche Auftragsvergabe schon vor eineinhalb Wochen mit der Produktion des 1500 Seiten starken Werkes begonnen.

          Mehr als die Hälfte der Kunden finanzieren ihre Käufe über Ratenkredite

          Quelle ist in den vergangenen Wochen mit der Barmittel-Ausstattung nahezu ausgetrocknet gewesen. Nicht nur die Valovis Bank, die im wesentlichen die Geschäfte von Quelle finanziert, drehte den Geldhahn zu, die ihrerseits von den Banken keine Finanzierung mehr bekommen hatte. Am Wochenende stellte sich heraus, dass der ebenfalls insolvente Mutterkonzern Arcandor unmittelbar vor dem Insolvenzantrag Bargeld von Quelle abgezogen hatte. Dabei handelte es sich jedoch um einen routinemäßigen Vorgang im Rahmen der Liquiditätssteuerung im Konzern (Cash Pooling). Überschüssige Geldeinnahmen werden an den Konzern überwiesen, der im Zuge der Liquiditätsoptimierung Mittel wieder an die Tochtergesellschaften in einem bestimmten Schlüssel zurück überweist.

          Mit dem Massekredit kann wieder ein Prozess in Bewegung gesetzt werden, der in den Wochen nach dem Insolvenzantrag am 9. Juni ins Stocken geraten ist. Zusammen mit dem Notkredit und dem Finanzplan kann die Valovis Bank als Hauptfinanzierer von Quelle somit wieder Geld überweisen. Mehr als die Hälfte der Kunden finanzieren ihre Käufe über Ratenkredite, die über Valovis abgewickelt werden. Die übernimmt die Forderungen an die Besteller und gibt dem Versandhaus dafür Geld (Factoring).

          Auf der Suche nach einer Zukunft für die Arcandor-Tochtergesellschaft wird Insolvenzverwalter Görg vor allem Schwierigkeiten haben, für das inländische Kataloggeschäft eine Lösung zu finden, das Verluste schreibt. Dafür gibt es keine Interessenten. Für den Onlinehandel und die in den vergangenen Jahren systematisch aufgebauten erfolgreichen Osteuropa-Aktivitäten dürfte es hingegen Zukunftslösungen geben, weil es dafür offenbar potentielle Käufer gibt.

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