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Maschinenbau : Westdeutsche Ingenieure sind nicht mobil

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Kein interessantes Arbeitsfeld für deutsche Ingenieure Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Es klingt wie die Klage aus einer anderen Welt. Die Rücker AG findet kaum Ingenieure für Entwicklungen am neuen Airbus A 380 - und wenn, dann eher im Ausland, nicht auf dem westdeutschen Arbeitsmarkt.

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          Es klingt wie eine Klage aus einer anderen Welt oder doch zumindest aus anderen Tagen. "Es gelingt uns nicht, 150 Ingenieure für die Standorte Hamburg und Rostock zu finden", sagt Wolfgang Rücker, Gründer und Leiter der Entwicklungsgesellschaft Rücker AG. Dabei sei er inzwischen nicht einmal mehr wählerisch.

          Ideal wäre natürlich ein Ingenieur mit den Ausbildungsrichtungen Fahrzeugbau oder Luftfahrt. Aber auch reine Maschinenbauer schule er in sechs bis zwölf Monaten um. Und was er bietet, ist ja attraktiv. Rücker bezeichnet sich als einen der international führenden Entwicklungsdienstleister. Das hat nichts mit Entwicklungspolitik zu tun, sondern ist anspruchsvollste Technik am Computer. 2.000 Ingenieure planen und entwickeln bei Rücker die Autos und Flugzeuge der Zukunft.

          Entwickelt wird nur, wofür es einen Auftrag gibt

          „Alles, was wir machen, tun wir aufgrund eines Auftrags", wirft Rücker ein, um jeden Anflug von unrealistischer Planung ins Blaue hinein zu unterbinden. Den Traum, mal ein eigenes Auto zu entwickeln, habe er ausgeträumt. Es werde nur entwickelt, wofür es Aufträge gebe. Und die habe er inzwischen von fast allen europäischen Automobilherstellern.

          Nach einigen schwierigen Jahren wegen der schlechten Automobilkonjunktur ist Rücker jetzt mit der Auftragslage auch wieder sehr zufrieden: „Zur Zeit müssen wir nicht um Aufträge kämpfen, sondern wir bekommen sie." Rücker stellt selbst nichts her, auch keine Modelle oder Werkzeuge, sondern übernimmt Planungsaufträge. Rücker entwickelt Basismodelle, vor allem aber Aufbauten, Innenausstattungen und Sondermodelle von Autos.

          Auftrag für das Projekt Airbus A 380 als Krönung

          Die zur Zeit intensive Entwicklungsarbeit in der Automobilindustrie bestärke ihn in der Ansicht, daß nach der Internationalen Automobilausstellung im Sommer dieses Jahres in Frankfurt die derzeit flaue Branchenkonjunktur wieder anzieht. Neue Modelle beleben das Geschäft. Aber in Zukunft ist Rücker von der Auomobilkonjunktur noch unabhängiger als bisher.

          Seit wenigen Tagen hat Rücker einen Großauftrag aus einer ganz anderen Branche. Die Airbus Deutschland GmbH hat der Rückergesellschaft Rücker Aerospace GmbH einen umfangreichen Entwicklungsauftrag für das neue Großraumflugzeug Airbus A 380 erteilt. Das ist die Krönung seiner inzwischen zehnjährigen Bemühungen, neben der Arbeit für die internationale Automobilindustrie die Entwicklungen für die Luftfahrtindustrie als zweites Standbein zu etablieren.

          500 Ingenieure um weitere 200 verstärken

          „Als wir wußten, daß der neue Airbus A 380 gebaut werden soll, haben wir sofort Ingenieure eingestellt und Kontakte zu Lieferanten und zu Airbus geknüpft." Und das mit großem Erfolg.

          Bei Rücker in Rostock beispielsweise wird die Verkabelung des Großraumflugzeugs geplant. Und die Niederlassung Barcelona kümmert sich um die Innenausstattung des neuen Flugzeugs. Dazu gehört auch die Konstruktion des Sitzes für die erste Klasse. „Wir planen, bis Ende 2005 die 500 derzeit für die Flugzeugindustrie beschäftigten Ingenieure um 200 weitere zu verstärken", dokumentiert Rücker seinen festen Glauben an eine langfristige Kooperation und fügt hinzu: „Wir haben mit den Airbusaufträgen für die Flugzeuge A 380, A 350 und A 400 eine Langfristperspektive von mindestens zehn Jahren." Denn der Normalversion folgten die Langversion, die Frachtversion und zahlreiche individuelle, an entsprechende Kundenwünsche angepaßte Sonderversionen eines Flugzeugs.

          Lieber in die West-Arbeitslosigkeit als nach Rostock

          „Und eben dafür würden wir sofort 150 Ingenieure in Rostock einstellen", sagt Rücker. Im Arbeitsamtsbezirk Rostock gebe es schon keine arbeitslosen Ingenieure mehr. Jetzt kooperiere Rücker mit dem Arbeitsamt (heute Agentur für Arbeit) Magdeburg. In den neuen Bundesländern seien die Ingenieure nämlich auch bereit, umzuziehen.

          „Aber im Westen geht ein 45 Jahre alter Ingenieur aus Rüsselsheim lieber in die Arbeitslosigkeit als nach Rostock oder auch nur nach Hamburg", beklagt Rücker. In Rüsselsheim habe man wegen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten bei Opel den Personalbestand reduzieren müssen.

          „Wir kriegen die Ingenieure“ - aus Österreich oder Polen oder...

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