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Maschinenbau : Manroland und Heideldruck blasen Fusion ab

  • Aktualisiert am

Bau einer Zeitungsdruckmaschine bei Manroland in Augsburg Bild: dpa/dpaweb

Die Verhandlungen über eine Fusion der Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druckmaschinen AG und Manroland sind fürs Erste gescheitert. Angeblich hat die Gewinnwarnung aus Heidelberg die Manroland-Großaktionärin Allianz verschreckt.

          Fürs Erste sind die Verhandlungen über eine Fusion der Heidelbergerdruckmaschinen AG und Manroland gescheitert. Aus dem Umfeld der Unternehmen hieß es, die Entscheidung sei mit Einwilligung der beiden Großeigner Allianz und MAN gefallen. Über die Gründe des Scheiterns wurden keine Angaben gemacht. Dem Vernehmen nach sah man sich bei Manroland durch die jüngsten Finanzzahlen von Heideldruck „unangenehm überrascht“. Der Heidelberger Konzern hatte am Freitag mitgeteilt, für das Geschäftsjahr 2009/10 (zum 31. März) einen Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) zwischen 110 und 150 Millionen Euro zu erwarten. Hinzu kommt der Schuldendienst, den Analysten auf deutlich mehr als 100 Millionen Euro schätzen.

          Das Traditionsunternehmen stand im Sommer vor dem Aus und überlebte nur dank 850 Millionen Euro Staatshilfe. Der Vorstand geht davon aus, dass der Umsatz nochmals deutlich unter dem Vorjahresniveau von 3 Milliarden Euro liegen wird, im ersten Halbjahr waren es gerade noch 1,01 Milliarden Euro. Einzelne Lichtblicke in Europa und das Geschäft in Asien hätten die Einbußen nicht aufwiegen können, hieß es. Im zweiten Quartal waren die Aufträge mit rund 530 Millionen Euro wieder unter das Niveau des Vorquartals gesunken, nachdem sie zwischenzeitlich etwas zugelegt hatten. Daraus hatte manche schon eine Bodenbildung abgleitet. Der Umsatz erreichte nun aber mit rund 500 Millionen Euro das zweite Mal in Folge einen neuen Tiefstand. Vor einem Jahr hatte der Konzern noch 804 Millionen Euro erlösen können. Ein Ergebnis nannte Heideldruck nicht. Für die nächsten Quartale erwarte der Vorstand, dass das Auftrags- und Umsatzniveau im Vergleich zu den Vorquartalen nicht wesentlich höher liegen wird; damit bliebe die Geschäftsentwicklung unter den eigenen Erwartungen. Die Reaktion an der Börse fiel drastisch aus: der Aktienkurs sackte um 20 Prozent auf 5,84 Euro ab. Um auf die schwerste Branchenkrise zu reagieren, hatte Heideldruck Mitte des Jahres den Sparkurs deutlich verschärft. Bis 2010/11 sollen die Kosten um 400 Millionen Euro gesenkt werden. Ursprünglich sollten deshalb 5000 der verbliebenen 20.000 Arbeitnehmer gehen. Am Mittwoch einigte sich Unternehmensführung und Arbeitnehmervertreter auf weitere Einsparungen innerhalb der Belegschaft, so dass 4000 Stellen gestrichen werden müssen, um das Sparziel zu erreichen.

          Fusion angeblich nicht endgültig begraben

          Bei Manroland scheint sich nach der Gewinnwarnung der Eindruck durchgesetzt zu haben, dass Heideldruck eine Restrukturierung im eigenen Hause erst noch durchführen müsse, bevor es zu einer sinnvollen Fusion kommen könne. Die industrielle Logik hinter der Fusion stimme nach wie vor; deshalb sei das Konzept nicht endgültig begraben, hieß es aus unternehmensnahen Kreisen weiter. Offen ist allerdings, ob es vor einem erneuten Versuch nicht erst zu personellen Veränderungen kommen müsste. Zuletzt hatte es geheißen, dass die beiden Vorstandschefs Gerd Finkbeiner (Manroland) und Bernhard Schreier (Heideldruck) zwar hinter dem Zusammenschluss stünden, der Widerstand aus dem Rest der Vorstände und darunter liegenden Führungsebenen jedoch deutlich zu spüren gewesen sei.

          Manroland nimmt für sich in Anspruch, früher als Heideldruck mit dem notwendigen Abbau von Personal und Kosten begonnen zu haben. In diesem Jahr sollen in Deutschland 515 Mitarbeiter in der Verwaltung, sowie – falls sich die Auftragslage nicht verbessert - 450 Beschäftigte in der Produktion gehen. Manroland hätte dann noch 1700 Mitarbeiter im Werk Offenbach, konzernweit sind es knapp 8400. Damit sei die Schmerzgrenze auch erreicht, sagte die Betriebsratsvorsitzende Alexandra Roßel dieser Zeitung. Nach ihren Angaben haben im Rahmen der Vorgaben schon knapp 520 Mitarbeiter den Konzern in diesem Jahr verlassen. Kündigungen seien bislang noch vermieden worden. Der Betriebsrat und die Belegschaft würden ein Scheitern der geplanten Fusion „gelassen sehen“, sagte Roßel, die auch im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzt. Manroland sei inzwischen schuldenfrei und gut genug aufgestellt, um die schwere Branchenlage alleine zu überstehen. Anders als bei der börsennotierten Heidelberger Druckmaschinen AG sind die Zahlen von Manroland jedoch nicht öffentlich zuständig. Nach einer anderen Lesart muss die Manroland-Großaktionärin Allianz Capital Partners monatlich Geld nachschießen, die Eigenkapitalquote liegt angeblich unter 15 Prozent. Eine Besserung der Geschäftslage sei derzeit noch nicht zu erkennen, die Aufträge lägen weiterhin um 30 bis 40 Prozent unter dem Vorjahreswert, sagte Roßel.

          Die Allianz hält über ihre Allianz Capital Partners aktuell 65 Prozent an Manroland, zudem besitzt der Versicherungskonzern 12 Prozent der Aktien von Heideldruck. MAN hält noch 35 Prozent an Manroland. Insbesondere die Allianz hatte auf den Zusammenschluss der zwei Druckmaschinenkonzerne gedrängt.

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