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Maschinenbau : Im Rennen um MTU läuft alles auf Carlyle hinaus

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MTU Areo Engines ist ein Wert im IPO-Select Basket Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Im Bieterverfahren um MTU Friedrichshafen hat sich die Beteiligungsgesellschaft Carlyle einen entscheidenden Vorteil gesichert. Durch die Einigung mit den Eigentümerfamilien stellt sie den Großaktionär Daimler-Chrysler vor vollendete Tatsachen.

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          Im Bieterverfahren um den Dieselmotorenhersteller MTU Friedrichshafen hat der amerikanische Finanzinvestor Carlyle nun alle Trümpfe in der Hand. Die beiden Familien Brandenstein-Zeppelin und Maybach haben sich mit der Beteiligungsgesellschaft Carlyle auf einen Verkauf ihrer Anteile von zusammen 12 Prozent geeinigt, erfuhr diese Zeitung aus Finanzkreisen. Der ausgehandelte Preis bewerte das Unternehmen in der Größenordnung von 1,3 Milliarden Euro, was in etwa dem Jahresumsatz des Herstellers großer Dieselmotoren für Schiffe, Eisenbahnen und Schwerfahrzeuge entspricht.

          Weil die Familiengesellschafter bei wichtigen Entscheidungen ein Veto einlegen dürfen, kann Daimler-Chrysler das laufende Bieterverfahren für seinen Anteil von rund 88 Prozent nun schwerlich fortsetzen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa-AFX hat der Automobilkonzern in einem Schreiben an die Gesellschafter bereits den Abbruch der Auktion in Aussicht gestellt.

          Noch keine Signale von Daimler-Chrysler

          Allerdings haben die verbleibenden Bieter bislang noch keine entsprechenden Signale von Daimler-Chrysler erhalten, wie in Finanzkreisen zu hören ist. Auch sei Carlyle noch nicht in Verhandlungen mit dem Konzern eingetreten. Denn angesichts der Führungskrise bei dem schwäbischen Unternehmen, dessen Vorstandschef Jürgen Schrempp am Donnerstag seinen Weggang zum Jahresende angekündigt hat, sei die weitere Vorgehensweise noch in der Schwebe. Ein Daimler-Chrysler-Sprecher wollte den Verkaufsprozeß nicht kommentieren.

          Der Stuttgarter Konzern hatte ursprünglich den bayerischen MAN-Konzern als Käufer für MTU Friedrichshafen favorisiert. Gegen diesen hatten sich allerdings die Familiengesellschafter gesperrt, weil der Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern, der zwischen 1969 und 1985 schon einmal an MTU beteiligt war, offenbar wesentlich weniger bezahlen wollte als die Beteiligungsgesellschaften. Interesse an dem Unternehmen hatten unter anderem Permira, CVC, Apax, Blackstone, EQT und Carlyle gezeigt (F.A.Z. vom 12. April). Nach dem Abbruch der Gespräche mit MAN hatte Daimler-Chrysler ein Auktionsverfahren gestartet. Zuletzt galten Carlyle und die schwedische EQT als aussichtsreiche Kandidaten, hieß es in Finanzkreisen.

          Carlyle am beharrlichsten

          Die zu den weltgrößten außerbörslichen Beteiligungsgesellschaften (Private Equity) zählende Carlyle hatte sich aber bei den Minderheitsaktionären am beharrlichsten gezeigt. Die Familie Brandenstein-Zeppelin sei dem Investor schon von Anfang an aufgeschlossen gewesen, während die Maybachs zunächst eher der Daimler-Chrysler-Linie gefolgt seien, ist in Finanzkreisen zu hören. Offenbar war die Höhe des Carlyle-Angebots nun auch für die Familie Maybach unwiderstehlich.

          Mit der Einigung ist Daimler-Chrysler nun der Chance beraubt, den Kaufpreis durch das von der Deutschen Bank geleitete Bieterverfahren noch weiter in die Höhe zu treiben. Allerdings schien dies ohnehin nicht das entscheidende Kriterium für den Konzern, wie die Präferenz für MAN zeigt. Eine grundsätzliche Scheu davor, an einen ausländischen Finanzinvestor zu verkaufen, hat das Automobilunternehmen nicht. Vor anderthalb Jahren hatte Daimler-Chrysler den Triebwerkshersteller MTU Aero Engines, der einst mit dem jetzt zum Verkauf stehenden Unternehmen verschmolzen war, für 1,45 Milliarden Euro an die amerikanische Kohlberg Kravis Roberts (KKR) veräußert.

          MTU Friedrichshafen beschäftigt 6700 Mitarbeiter. Die Wurzeln liegen in der Luftschiffahrt: Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts baute Maybach Otto-Motoren für die Zeppeline. Die Beteiligungsgesellschaft Carlyle hat dieses Jahr mit 7,85 Milliarden Dollar einen der weltgrößten Private-Equity-Fonds eingeworben. Im Gegensatz zu amerikanischen Konkurrenten hat sich Carlyle hierzulande bislang auf vergleichsweise kleine Unternehmen konzentriert. So erwarb die Gruppe 2004 den Troisdorfer Kunststoffhersteller HT Troplast.

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