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Martin Winterkorn im Gespräch : „Es geht um die Neuerfindung von Volkswagen“

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Martin Winterkorn Bild: Burkert, Christian

Der Volkswagen-Chef Martin Winterkorn spricht im F.A.Z.- Interview über Google und Apple. Und sagt, warum China die Wachstumslokomotive der Autoindustrie bleibt.

          2 Min.

          Die Digitalisierung wird die deutsche Automobilindustrie nach Ansicht des Vorstandschefs von Volkswagen, Martin Winterkorn, schon in den nächsten Jahren stark verändern. „Unsere Branche und damit auch Volkswagen befinden sich mitten in einer digitalen Revolution. Darauf verwende ich meine Kraft“, sagte Winterkorn in einem Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

          Lesen Sie das komplette Interview mit Martin Winterkorn in der Samstagausgabe der F.A.Z. oder ab 20.00 Uhr im E-Paper.

          Technologisch, wirtschaftlich und durch den Umbau der Strukturen würden die Weichen für das nächste Jahrzehnt des größten europäischen Automobilkonzerns stellen. „Das ist nicht weniger als die Neuerfindung von Volkswagen“, sagte Winterkorn, dessen Vertrag als Vorstandschef des Konzerns erst in diesem Monat bis Ende des Jahres 2018 verlängert worden ist.

          Die kürzlich beschlossene Navigationspartnerschaft der deutschen Autounternehmen bezeichnete er als einen wichtigen Schritt. „Sicher müssen die drei Großen der Branche darüber nachdenken, auch gemeinsame Antworten auf die Digitalisierung zu finden – Übernahmen wie jetzt eingeschlossen.“

          „An den Datenschatz wollen Goolge und Apple ran“

          Neben der Digitalisierung werde auch der Trend zu reinen Elektrofahrzeugen den Markt verändern. „Für die globalen Internetkonzerne wie „Apple und Google ist es sicher leichter, ein reines Elektrofahrzeug zu bauen als ein Auto mit Verbrennungsmotor“, sagte er. „Die Gefahr durch neue Wettbewerber sehe ich durchaus.“

          Deswegen sei Volkswagen auch mit Hochdruck in die Batterie- und Elektromotorentechnik eingestiegen. Der Konzern arbeite zwar projektweise auch mit Apple und Google zusammen, „aber wir sind da sehr sensibel“, sagte Winterkorn. „Ich sage: Die Qualität eines Autos wird sich künftig auch an der Qualität des Datenschutzes bemessen.“

          Allein der VW-Golf habe 100 Sensoren, die Informationen über Fahrzeug und Fahrer erfassen. „An diesen Datenschatz wollen Google, Apple und andere natürlich ran“, sagte Winterkorn und bekräftigte, bei VW habe „der Kunde die Hoheit über seine Daten“. Er äußerte dabei „die große Sorge, dass die Politik in Brüssel, aber auch in Deutschland, völlig unterschätzt, wie fundamental sich die Automobilindustrie in den nächsten Jahren wandeln und verändern wird.“

          Winterkorn zeigte sich zuversichtlich, dass VW trotz der sich abschwächenden Konjunktur auch auf seinem größten Markt in China weiter wachsen wird. „Es gibt aus unserer Sicht keinen Grund für Schwarzmalerei. Die Mittelschicht wächst.“ Insbesondere im Westen des Landes gebe es riesige Potentiale. „China bleibt langfristig die Wachstumslokomotive der Automobilindustrie.“

          Zu den jüngsten Personalentscheidungen im Konzern sagte Winterkorn, seine Vertragsverlängerung bis Ende sei vorgezogen worden, weil auch die Position des Aufsichtsratsvorsitzenden zügig neu besetzt werden sollte. „Entscheidend für Volkswagen ist doch, dass die Spekulationen über Personen aufhören und wieder Ruhe ins Unternehmen einkehrt“, sagte er.

          Mit Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch, der im Herbst neuer Aufsichtsratschef werden soll, habe er seit langem eng und gut zusammengearbeitet. „Ich bin eher technikorientiert, Herr Pötsch ist ein absoluter Experte für Finanzen und wirtschaftliche Entwicklungen – und bringt dazu noch großen technischen Sachverstand mit“, sagte Winterkorn.

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