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Martin Winterkorn : Der Auto-Star

  • -Aktualisiert am

VW-Chef Martin Winterkorn hat derzeit einen guten Lauf Bild: dpa

Der VW-Chef übernimmt Porsche, steigt bei Suzuki ein und will Toyota als weltgrößter Autohersteller ablösen. Wenn das mal gutgeht. Doch Anzeichen von Müdigkeit lässt Winterkorn freilich nicht erkennen.

          Wer mag, der kann behaupten, die Karriere des Martin Winterkorn habe im Schlaf begonnen. Anfang der achtziger Jahre war das, der junge Ingenieur war gerade von Bosch zu Audi gekommen, da durfte er als Vorstandsassistent für Qualitätssicherung mit seinem Vorgesetzten zu einem Seminar: „Spanisch im Schlaf“ hieß das Thema, und Ferdinand Piëch war der Chef.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          14 Tage verbrachten die beiden gemeinsam in Bad Mergentheim. Für die Sprachkenntnisse brachte das wenig, das Duo der autovernarrten Techniker aber hatte sich gefunden: Der Turbo war gezündet für Winterkorns Karriere, die ihn schließlich an die Spitze von Volkswagen führte, eines Konzerns mit fast 400 000 Mitarbeitern sowie einem Dutzend Marken, der jetzt nach der Krone greift. VW schickt sich an, Toyota zu übertrumpfen und die Nummer eins in der Autowelt zu werden.

          „Das erfolgreichste Automobilunternehmen weltweit“

          So will es Ferdinand Piëch, der Chefkontrolleur und Haupteigentümer. So sagt es Martin Winterkorn, der Vorstandschef und Vollstrecker. "Wir wollen die besten Autos der Welt bauen. Und sie besser verkaufen als die Konkurrenz", tönt der VW-Chef mit dem Selbstbewusstsein eines Mannes, der alles erreicht hat: Mehr Macht geht nicht, mehr Lob und Ehre auch nicht, als ihm momentan verabreicht wird. An einem Tag wird er selbst zum Manager des Jahres gekürt, am nächsten empfängt er goldene Pokale und Plaketten für das beste Auto des Jahres, das beliebteste Auto, und so weiter. Der Feierreigen nimmt kein Ende, Winterkorn kostet es aus. „Wir sind gegenwärtig das erfolgreichste Automobilunternehmen weltweit“, sagt er trocken. „Und das wird auch so bleiben.“

          Die Autos? Eine Wucht, „Golf und Polo räumen alle Preise ab“.

          Das Image? Einwandfrei, „so gut wie noch nie“.

          Die Stimmung in der Mannschaft? „Toll.“

          Noch Fragen? Nein.

          Martin Winterkorn ist der Star der Stunde in der Autoindustrie. Der Mann hat einen Lauf, würden Sportler sagen. „Es gibt keinen Besseren in Deutschland“, flötet ein VW-Aufsichtsrat. Die IG Metall huldigt ihrem „Wiko“, weil er im Zweifel auf das letzte Zehntel Rendite verzichtet, bevor er Jobs opfert. Die Investoren preisen ihn dafür, die Krise besser als alle anderen zu meistern. Eine „hervorragende operative Leistung“ bescheinigt ihm Henning Gebhardt von der Fondsgesellschaft DWS: „"Die Profitabilität von VW wie Audi ist prima.“

          Nüchtern, pragmatisch, sparsam

          Selbst im Lager von BMW und Daimler, dort, wo man lange zu nobel war, Audi auch nur zu ignorieren, erfährt Winterkorn Respekt. Ein Mercedes-Manager lobt den spröden VW-Chef gar als „cool“: „Mit jedem Satz von Winterkorn wird klar: Der weiß, was er will.“ Das ist einiges wert in einer verunsicherten Branche, in der selbst gestandene Manager fragen, wohin das alles führen soll, wenn die Autos immer kleiner, immer grüner und womöglich elektrisch werden.

          Ausgerechnet Winterkorn erscheint nun als der strahlende Held, ein Mann, dem so viel Glamour anhaftet wie einem müden Audi 80 in den 80er Jahren - wenig bis gar nichts. Feuriger Auftritt, zündende Reden? Nicht mit Martin Winterkorn. „Man braucht eine intakte Familie, ein Haus und einen Garten, um glücklich zu sein.“ Solches Zeug verbreitet der Mann. Und wenn er so redet, klingt er mit seinem Näseln immer leicht nach verschnupfter Nase - und nach Schwaben, das ganz bestimmt. Seine Herkunft passt zum Markenkern von VW: nüchtern, pragmatisch, sparsam. „Wenn die Mutter Hausfrau ist und der Vater Arbeiter, dann wirkt das nach“, erzählt Winterkorn. „Man schaut zu den Großen auf.“

          Seine Eltern waren nach dem Krieg als Donauschwaben aus Ungarn in einem Arme-Leute-Viertel vor den Toren Stuttgarts gelandet. Der Sohn hantiert nun mit Milliarden, selbst der Bundeskanzlerin ist es eine Ehre, ihm einen Gefallen zu tun: sei es mit ihrem Einsatz für das VW-Gesetz, für die Abwrackprämie, für die Verlängerung der Kurzarbeit: Was Volkswagen nützt, wird im Kanzleramt gehört.

          „Ich gehe jeden Tag gern zur Arbeit.“

          Keine Frage, Winterkorn ist auch gesellschaftlich oben angekommen. In Wolfsburg wohnt er in dem Haus, das Milliardär Ferdinand Piëch einst hergerichtet hat. In München hat er die Villa von dessen Vetter Wolfgang Porsche gekauft. Wer sagt da noch, die Gesellschaft sei nicht durchlässig? Die ökonomische Elite rekrutiere sich nur unter ihresgleichen?

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