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Marketing : Werber verzweifelt gesucht

„Es fehlt der Branche vor allem an Mitarbeitern mit drei bis vier Jahren Berufserfahrung”
          4 Min.

          Schon Ungeborene sind bei der Internet-Werbeagentur „Neue Digitale“ heiß begehrt. Erfährt ein Mitarbeiter von einer Schwangerschaft im Bekanntenkreis, bekommen die zukünftigen Eltern immer den gleichen Spruch zu hören: „Sobald euer Nachwuchs Internetseiten programmieren kann, ist er eingestellt!“

          Judith Lembke
          Redakteurin im Ressort „Wohnen“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bislang sind die unkonventionellen Rekrutierungsversuche zwar erfolglos geblieben - doch der interne Witz zeigt, wie fieberhaft in der Werbebranche Internetspezialisten gesucht werden. „Wenn wir bei Headhuntern anrufen, nehmen die den Auftrag schon gar nicht mehr an“, sagt Andreas Gahlert, Geschäftsführer von Neue Digitale. Auf 110 Mitarbeiter kommen in der expandierenden Frankfurter Kreativagentur, die vor einem Jahr vom amerikanischen Marktführer Avenue A/Razorfish übernommen wurde, 38 offene Stellen. „Es fehlt der Branche vor allem an Mitarbeitern mit drei bis vier Jahren Berufserfahrung“, sagt Gahlert. Er weiß jedoch auch, woran das liegt: „Nach dem Niedergang der New Economy waren viele von der Branche enttäuscht und haben sich umorientiert - die Leute fehlen uns jetzt.“ Und diejenigen, die es gibt, machen sich aufgrund der ausgezeichneten Tagessätze selbständig - oder haben schon bei der Konkurrenz angeheuert.

          Online ist der große Wachstumstreiber

          Bei der Werbeagentur Ogilvy & Matther sieht die Situation nicht besser aus: „Die Tore unserer Online-Tochter sind weit geöffnet, aber keiner geht hinein“, sagt Chairman Lothar Leonhard. Ogilvy Interactive suche händeringend Mitarbeiter, denn der Personalmangel hemme das Wachstum. Vor allem sei es schwierig, Leute zu finden, die sowohl etwas von Kreation oder Markenführung verstehen als auch technisch versiert sind. Die Lösung liegt darin, selbst aus- und weiterzubilden - etwas, das in den mageren Jahren vernachlässigt wurde, wie die Agenturchefs sich jetzt eingestehen müssen. Diese Nachlässigkeit rächt sich jetzt, denn das Online-Geschäft ist der große Wachstumstreiber der Branche, hier wird in Zukunft das Geld verdient. Zwar werden 2007 nur etwa 11 Prozent der Werbeausgaben ins Internet fließen und mehr als 30 Prozent in Fernsehwerbung, doch das Online-Budget hat sich in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt - und auch für das kommende Jahr werden kräftige Zuwachsraten erwartet.

          Doch auch in der klassischen Werbung macht sich der Nachwuchs rar. Eine am Mittwoch veröffentlichte Arbeitsmarktanalyse des Zentralverbandes der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) hat ergeben, dass im ersten Halbjahr dieses Jahres 27 Prozent mehr Stellen in der Werbung angeboten wurden als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Vor allem die Werbeagenturen sind auf der Suche - neben Internetspezialisten vor allem nach Grafikern und Textern.

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