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Einstellungsstopp : Meta verordnet sich Schrumpfkurs

In der Hackerstraße werden die Zügel angezogen: Meta-Zentrale im kalifornischen Menlo Park. Bild: AFP

Mark Zuckerberg verhängt einen Einstellungsstopp und will Mitarbeiter, „die nicht erfolgreich sind“, aussortieren. Auch andere Internetkonzerne sparen.

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          Der Facebook-Mutterkonzern Meta sieht sich gezwungen, noch stärker auf die Kostenbremse zu drücken. Der Vorstandsvorsitzende Mark Zuckerberg kündigte am Donnerstag auf einer Mitarbeiterversammlung einen härteren Sparkurs an. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, gehören dazu ein Einstellungsstopp und eine Reduzierung der Budgets für die meisten Teams im Unternehmen, auch diejenigen, die noch wachsen. Zuckerberg habe gesagt: „Ich hatte gehofft, die Wirtschaft hätte sich bis jetzt deutlicher stabilisiert. Aber soweit wir das sehen können, scheint das nicht so zu sein, deshalb wollen wir etwas konservativ planen.“ Meta werde bis Ende 2023 „etwas kleiner“ sein. Das Unternehmen, das seit seiner Gründung im Jahr 2004 fast immer rasant gewachsen ist, sieht sich nun also offenbar auf Schrumpfkurs.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Zuckerbergs Ankündigung kommt in einer Zeit, in der Meta mit einer erheblichen Abschwächung seines Geschäfts kämpft. Im Juli meldete der Konzern zum ersten Mal überhaupt in seiner Geschichte einen Umsatzrückgang, und er warnte damals auch für das laufende Quartal vor einem Minus. Meta macht den größten Teil seines Umsatzes mit Onlinewerbung, und dieses Geschäft ist inmitten eines eingetrübten konjunkturellen Umfelds ins Stocken geraten. Auch jenseits makroökonomischer Faktoren gibt es Herausforderungen. Meta macht die zunehmende Konkurrenz durch die Smartphone-App Tiktok zu schaffen. Eine weitere Belastung sind veränderte Datenregeln des Elektronikkonzerns Apple, der Apps wie Facebook das Sammeln von Nutzerdaten auf seinen Geräten erschwert hat. Meta erwartet, allein dies werde im laufenden Jahr zehn Milliarden Dollar Umsatz kosten.

          Zuckerberg will aussortieren

          Auf der Mitarbeiterversammlung hat Zuckerberg das bisher deutlichste Signal gegeben, dass weniger komfortable Zeiten für die Belegschaft angebrochen sind. Er hat aber in den vergangenen Monaten schon wiederholt klargemacht, verstärkt sparen zu wollen. Schon im April reduzierte das Unternehmen seine Prognose für die Kosten in diesem Jahr, im Juli senkte es sie nochmals. Jetzt werden Kosten von 85 bis 88 Milliarden Dollar erwartet, die ursprüngliche Vorhersage lag zwischen 90 und 95 Milliarden Dollar. Im Juli sagte Zuckerberg auf einer Mitarbeiterversammlung, Meta wolle in diesem Jahr deutlich weniger Softwareentwickler einstellen als zunächst geplant.

          Er gab sich schon damals mit Blick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung sehr pessimistisch und sagte: „Wenn ich wetten müsste, würde ich sagen, dieser Abschwung könnte einer der schlimmsten in der jüngeren Geschichte sein.“ Er kündigte damals auch an, aggressivere Leistungsziele in der Belegschaft setzen und damit Mitarbeiter aussortieren zu wollen: „Realistischerweise gibt es wahrscheinlich einige Leute im Unternehmen, die nicht hier sein sollten.“ In dieser Woche schlug er dem Bloomberg-Bericht zufolge wieder ähnliche Töne an und sprach davon, sich von Beschäftigten zu trennen, „die nicht erfolgreich sind“.

          Meta ist nicht das einzige Unternehmen, das sich nach Jahren rasanten Wachstums einen Sparkurs verordnet. Auch die Onlineplattform Twitter, die in diesem Jahr ihren Verkauf an Tesla-Vorstandschef Elon Musk vereinbart hat, hat einen Einstellungsstopp verhängt, sie hat außerdem Mitarbeiter in ihrer Personalabteilung entlassen. Snap, der Mutterkonzern des Facebook-Wettbewerbers Snapchat, kündigte vor wenigen Wochen an, sich von rund 20 Prozent seiner Mitarbeiter zu trennen.

          Der Internetgigant Google hat im Juli gesagt, er werde das Tempo bei den Einstellungen in diesem Jahr reduzieren. Vorstandschef Sundar Pichai verschickte damals auch einen bemerkenswerten Brandbrief, in dem er seine Belegschaft zu mehr Einsatz aufforderte: „In der Zukunft müssen wir unternehmerischer sein, mit größerer Dringlichkeit arbeiten, schärferem Fokus und mehr Hunger, als wir ihn an sonnigeren Tagen gezeigt haben.“

          Erst in der vergangenen Woche sah sich Pichai wegen seines jüngsten Sparkurses in einer Mitarbeiterversammlung kritischen Fragen seiner Kollegen gegenüber. Nach einem Bericht des Fernsehsenders CNBC beklagten sich Mitarbeiter, dass Google Budgets für Reisen und andere Dinge gekürzt hat. Pichai soll in seinen Antworten zeitweise genervt geklungen haben, hieß es in dem Bericht weiter. „Ich hoffe, ihr lest alle die Nachrichten“, soll er gesagt haben. Google versuche, unter schwierigen makroökonomischen Bedingungen „etwas verantwortungsbewusster“ zu sein. Und Spaß an der Arbeit solle nicht nur davon abhängen, große Budgets zur Verfügung zu haben. Anders als Meta hat der Google-Mutterkonzern Alphabet in seinem jüngsten Geschäftsquartal noch ein zweistelliges Umsatzwachstum ausgewiesen.

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