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Werbeagentur WPP : Dieser Mann wird Nachfolger des legendären Martin Sorrell

Mark Read wird neuer Chef von WPP. Bild: Reuters

Der größte Werbekonzern der Welt hat das schlechteste Jahr seit der Finanzkrise hinter sich. Jetzt soll ein Eigengewächs das Unternehmen wieder in die Spur bringen.

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          Die größte Werbeagentur der Welt WPP hat einen neuen Chef im eigenen Unternehmen gefunden, um die Nachfolge des legendären Werbers Martin Sorrell anzutreten. Mit Mark Read übernimmt ein erfahrener Manager den Vorstandsvorsitz, der das Unternehmen mit seinen 200.000 Mitarbeitern zuletzt schon in Ko-Funktion geführt hatte. Zudem ist die Ernennung ein Signal: War Sorrell mehr als 30 Jahre lang praktisch der Pate von WPP, der aus dem kleinen Einkaufswagen-Unternehmen einen Werbekonzern von Weltrang schuf, galt er zuletzt manchem als Mann von gestern. Read ist einer für die Zukunft. Der 51 Jahre alte Manager hatte zuvor das Digitalgeschäft geleitet und die Digitalagentur Wunderman mit aufgebaut, die sich als besondere Wachstumssparte entpuppte.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          WPP steht in seinem klassischen Geschäft arg unter Druck. 2017 war das schlechteste Jahr seit der Finanzkrise vor mehr als 10 Jahren, Internetkonzerne wie Facebook oder Google greifen große Werbe-Etats ab, und auch Unternehmensberatungen wie Accenture drängen zunehmend in den Wettbewerb um Marketing-Budgets. Der Spesenskandal um Sorrell und dessen darauf folgender Abtritt als Vorstandsvorsitzender trug zur Unruhe bei, der Aktienkurs von WPP taumelt seit einiger Zeit. Der neue Mann an der Spitze muss also einige Entscheidungen treffen, um das Unternehmen wieder in die richtige Spur zu bringen, Gerüchte über mögliche Abspaltungen von einigen der mehr als 400 Tochteragenturen machen schon länger die Runde.

          Günstige Lösung für den Konzern

          Read verströmt Optimismus: „Unsere Branche befindet sich in einer Phase des Strukturwandels und nicht des strukturellen Niedergangs“, sagt er. „Wenn wir diesen Wandel annehmen, können wir auf eine aufregende und erfolgreiche Zukunft blicken.“ Read kennt WPP gut, vor fast 30 Jahren fing er dort an zu arbeiten. Nach einer Zwischenstation bei Booz Allen & Hamilton in den Jahren 1995 bis 2002 kehrte er zu WPP zurück und brachte sich vor allem durch das Wachstum im Digitalgeschäft als möglicher Nachfolger von Sorrell in Position. Nun wolle er „die Transformation beschleunigen“ und „WPP für ein stärkeres Wachstum positionieren“, teilte Read mit.

          Headhunter hatten seit dem Abtritt Sorrells Ende April auch außerhalb des Unternehmens nach geeigneten Nachfolgern gesucht, doch das Eigengewächs Read ist dem Vernehmen nach wohl auch eine günstige Lösung für den Konzern. „Marks weise und effektive Verwaltung des Geschäfts und unser langer Auswahlprozess haben keinen Zweifel daran gelassen, dass Mark der richtige Anführer für dieses Unternehmen ist“, ließ sich der WPP-Chairman Roberto Quarta in einer Mitteilung am Montag zitieren.

          Sorrell gehörte lange zu den bestbezahlten Managern Europas, zwischenzeitlich verdiente er inklusive Boni ein Jahresgehalt von 90 Millionen Euro. Read bekommt zunächst ein Grundgehalt von 975.000 Pfund, was rund 1,1 Millionen Euro entspricht. Dann gibt es aber noch zwei Boni-Programme, die teilweise in Aktien ausgezahlt und ihm zusätzliche Einkünfte in Höhe von 250 und 350 Prozent des Jahresgehalts verschaffen würden. Neu steht im Vertrag, dass es Read bei einem Ausscheiden verboten wäre, Kunden oder Mitarbeiter von WPP abzuwerben. Genau das hatte Sorrell getan, der seinem früheren Unternehmen nun mit S4 Capital Konkurrenz macht.

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