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Manpower-Chef Jonas Prising : „Junge Amerikaner haben keine Ahnung von der Praxis“

„In Amerika entwickeln wir keine Talente, wir konsumieren Arbeit“, kritisiert Jonas Prising. Bild: Manpower

Der Chef des Personaldienstleisters Manpower findet Trumps wirtschaftliche Ansätze „generell gut“. Doch dessen Politik berge auch Beschäftigungsrisiken, glaubt Jonas Prising.

          Donald Trump hat seit seinem Wahlsieg noch nicht angerufen. Dabei weiß Jonas Prising, wie man Menschen in Arbeit bringt – und das war eines der großen Wahlversprechen des neuen amerikanischen Präsidenten. „Seine Ansätze sind generell gut“, lobt Prising im Gespräch mit dieser Zeitung und zählt auf: Investitionen in Infrastruktur, Steuerreformen, Bürokratieabbau.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für Unternehmen.

          Prising ist Vorstandsvorsitzender der Manpower Gruppe, einem der größten Personaldienstleister der Welt. Das in Wisconsin beheimatete Unternehmen beschäftigt im Jahr rund 3,5 Millionen Menschen in 80 Ländern und erwirtschaftete 2015 umgerechnet fast 18 Milliarden Euro Umsatz, davon fast 900 Millionen Euro in Deutschland.

          Allerdings sieht der gebürtige Schwede Prising auch Beschäftigungsrisiken durch Trumps Politik, vor allem in der Handelspolitik. Am Dienstag hatte Trump als erste Amtshandlung angekündigt, das Freihandelsabkommen mit dem Asien-Pazifik-Raum auf Eis zu legen. „Freihandel ist hervorragend, um Menschen auf der ganzen Welt Wohlstand zu bringen“, sagt Prising und erinnert an die eine Milliarde Menschen, die in den vergangenen 25 Jahren die Armut verlassen konnten. „Jede Einschränkung ist ein Rückschritt.“

          Der amerikanische Traum ist da - doch die Chancen stehen schlecht

          Aus Sicht des Topmanagers hängt Trumps Wahlerfolg aber damit zusammen, dass die Ängste der Menschen vor der Globalisierung zu lange nicht ernst genommen wurden. Trotz einer Arbeitslosenquote von rund 5 Prozent existiere in Teilen der amerikanischen Bevölkerung das Gefühl, keine echte Chance mehr zu besitzen. „Entweder haben sie ihre Arbeit schon verloren und finden nichts mehr, oder sie haben Arbeit, können aber nicht mehr aufsteigen.“ Andere seien angesichts des hohen Veränderungstempos schlicht besorgt um die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes in der Zukunft.

          Der Traum vom amerikanischen Weg zum Erfolg sei immer noch vorhanden – zur Wahrheit gehöre jedoch auch, dass die Erfolgschancen für einige ziemlich schlecht stünden. Diesen Menschen müsse die Politik helfen, eine neue Perspektive zu finden.

          „Amerikas Zukunft sind besser qualifizierte Arbeitskräfte“

          Prising spricht von einer schleichenden Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten. In Amerika wie in anderen Industrienationen seien dabei viele gut bezahlte Arbeitsplätze für Geringqualifizierte weggefallen. „Die Automatisierung hat den Beschäftigungsanteil im verarbeitenden Gewerbe von 17 auf 10 Prozent gesenkt – und das wird weitergehen“, sagt Prising voraus. Die von Trump geweckte nostalgische Erinnerung an die fünfziger Jahre werde aber keine nennenswerte Zahl von Arbeitsplätzen in den alten Industriezweigen zurückbringen. „Amerikas Zukunft sind besser qualifizierte Arbeitskräfte“, mahnt der Manager. Das Land brauche mehr Beschäftigte mit mittleren Qualifikationen, die mittlere Einkommen beziehen.

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