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Brandschutzmängel : Langwierige Sanierung nicht nur in Dortmund

Hannibal II: Dortmunds größtes Hochhaus mit 412 Wohnungen und bis zu 16 Stockwerken musste wegen Brandschutzmängeln komplett geräumt werden Bild: dpa

Wegen Brandschutzmängeln musste das Hochhaus Hannibal II in Dortmund geräumt werden, 800 Menschen stehen vorerst ohne Wohnung da. Es ist nicht der einzige Problemfall des Berliner Eigentümers Intown.

          Das größte Dortmunder Hochhaus steht leer: Die 800 Bewohner des Gebäudes Hannibal II im Ortsteil Dorstfeld mussten wegen Brandschutzmängeln ausziehen. Sie kamen nach Angaben der Dortmunder Stadtverwaltung in Notunterkünften, bei Verwandten oder Freunden unter. Offenbar müssen sie sich auf einen längerfristigen Auszug einstellen. Der eigens gebildete Dortmunder Krisenstab ließ verlauten, dass er mit Monaten bis zum möglichen Wiederbezug rechnet. Die Stadt will den Betroffenen bei der Suche nach Übergangswohnungen helfen.

          Michael Psotta

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.

          Zu der Evakuierung war es gekommen, nachdem Feuerwehr und Bauaufsicht bei einer durch besorgte Mieter veranlassten Begehung akute Brandschutzmängel festgestellt hatten. Nach Umbaumaßnahmen seien „die Genehmigungen auf das Brandschutzkonzept verlorengegangen“, berichtete die Stadt. So seien die Leerschächte nicht von den Wohnungen entkoppelt, so dass im Brandfall die Wohnungen äußerst schnell verraucht wären. Zudem fehlten Rettungswege, und der Tiefgarage mangele es an Brandschutz.

          Wenige Informationen über Immobilienkonzern

          Der Eigentümer des Gebäudes, der Berliner Immobilienkonzern Intown, erklärte unterdessen, er halte „die Maßnahme der Räumung des Wohnkomplexes für nicht rechtens, für unangemessen und ermessensfehlerhaft“. Intown habe am Donnerstag erstmals von den detaillierten Brandschutzbedenken und baurechtlichen Themen Kenntnis erhalten und „keinerlei Zeit für eine Reaktion in der Sache gehabt“. Über Intown ist bisher nur wenig bekannt. Es handelt sich nach Presseberichten um einen Teil eines Konzerngeflechts, das der israelische Immobilienunternehmer Amir Dayan aufgebaut hat.

          Vor einigen Monaten berichtete ein Intown-Sprecher, dass das Unternehmen etwa 150 Einzelobjekte mit rund 2,2 Millionen Quadratmetern Mietfläche, rund 7000 Wohnungen und etlichen Hotels betreibe. Wahlspruch des Konzerns ist laut eigenem Internetauftritt: „Wir erwecken Immobilien zu neuem Leben.“ Dazu gehöre die „Neustrukturierung überholter Nutzungskonzepte“. Dahinter steckt die keinesfalls unübliche Geschäftsidee, Immobilien mit Schwachpunkten zu erwerben, fortzuführen, zu verbessern und möglichst profitabel zu verkaufen.

          Der Fall Hannibal II in Dortmund ist nicht der erste, der Intown zu Schlagzeilen verhalf: Im Juni musste ein Hochhaus des Konzerns in Wuppertal geräumt werden – ebenfalls wegen Brandschutzmängeln. Damals hatte die Stadtverwaltung das Gebäude mit elf Stockwerken und 86 Wohnungen räumen lassen, weil die Fassade mit Holzwolle als Dämmstoff für gefährlich erklärt wurde: Wenn es zum Brand käme, könnten die Menschen nicht über die Balkone gerettet werden und säßen in der Falle. Damals kam es zum einmonatigen Leerstand. Intown übernahm die nötigen Brandschutzmaßnahmen zu eigenen Kosten. Gestritten wird mit der Stadt noch, wer die Kosten für die Hausbewachung während des Leerstandes übernimmt. Die Evakuierung in Wuppertal war das – offenbar einzige – Ergebnis einer Überprüfung deutscher Hochhausfassaden nach dem Hochhausbrand in London Mitte Juni mit 81 Toten.

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