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Buchmarkt : Erfolg mit Mangas

  • -Aktualisiert am

Von Japan gezeichnet: im Verlag Carlsen Manga in Hamburg Bild: Carlsen Verlag

Deutscher Marktführer für die japanischen Comics ist Carlsen. Print liegt dabei klar vorne – die Leser schmücken mit den Büchern ihre Regale.

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          „Ich spreche leider kein Japanisch“, sagt Kai-Steffen Schwarz, der Programmleiter von Carlsen Manga in Hamburg, und fügt hinzu: „Ich bin froh, dass der japanische Markt so groß ist.“ Schwarz versorgt die Manga-Fans, auch Otakus genannt, regelmäßig mit neuen Manga-Ausgaben.

          „Otaku“ kommt aus dem Japanischen und kann mit „Haus“ übersetzt werden; der Begriff bezeichnet eine Person, die in etwas so vernarrt ist, dass sie kaum noch das Haus verlässt. International wird er für eine Person verwendet, die eine große Leidenschaft für Manga und Anime besitzt. Schwarz erfreut sich selbst am Lesen von Mangas; er hat sein Hobby zum Beruf gemacht.

          Manga ist japanisch und steht für den Begriff Comic. Nur Comics, die aus Japan stammen, werden als Mangas bezeichnet. Man liest die schwarz-weiß gezeichneten Handlungen von rechts nach links. Mangas richten sich an eine große Leserschaft verschiedenen Alters: Von Schulromanzen über den Aufbruch in eine Abenteuerwelt bis hin zu grusligen Horrorgeschichten ist alles dabei. Sie ziehen weibliche und männliche Leser an.

          Boys Love

          Beliebt bei Mädchen und Frauen sind Themen wie Sport und Liebe, aber auch „Boys Love“, die Liebe zwischen jungen Männern. Mangas sind auf eine endlose Fortsetzung ausgelegt; dadurch unterscheiden sie sich von westlichen Comics. Außerdem wird in ihnen die „Kunst des Weglassens“ praktiziert: Der Fokus liegt stark auf der wesentlichen Handlung.

          Der erste Manga „Barfuß durch Hiroshima“ hatte 1982 seinen Auftritt in Deutschland, allerdings erfolglos. Mittlerweile sind Mangas hierzulande angesagt. Der Gesamtumsatz des Hamburger Carlsen Verlags GmbH hat 2021 rund 100 Millionen Euro betragen. Die Manga-Abteilung habe einen Nettoumsatz von 19,5 Millionen Euro erwirtschaftet, berichtet Schwarz. „Dies ist ein Rekordjahr für uns.“ Der Schwerpunkt der Mangas liege auf Shonen. Dies ist eine Manga-Kategorie, die sich an ein jüngeres, männliches Publikum richtet, und die meistverkaufte Gattung.

          Aus diesem Genre stammen bei Carlsen die Reihen „Dragon Ball“ mit 8 Millionen und „One Piece“ mit 6 Millionen verkauften Exemplaren. Zu einem Stückpreis zwischen 6 und 8 Euro werden die Bände als gedruckte oder elektronische Bücher verkauft. Print liegt dabei klar vorne. „Die Leser sammeln die Bände oder benutzen sie, um ihr Regal zu dekorieren“, sagt Schwarz. Der Anteil der digitalen Ausgaben am Manga-Umsatz beträgt nur 2,5 Prozent.

          Starker Wettbewerb

          Carlsen hat laut Schwarz einen Anteil am deutschen Manga-Markt von 35 Prozent und sei eindeutiger Marktführer. „Wir glauben nicht, dass uns jemand in den nächsten Jahren einholt, doch so genau kann man das nie sagen.“ Schließlich ist der Wettbewerb stark; die größten Konkurrenten sind Kazé, Egmont Manga und Tokyopop.

          Inzwischen gibt es viele Läden, die ausschließlich Mangas verkaufen, und in den Buchläden wird die Auswahl größer. Auch in der Corona-Pandemie wurden Mangas viel gekauft. Schwarz vermutet, dass die Leute mehr Zeit hatten, sich mit Mangas zu beschäftigen, und in den sozialen Netzwerken davon lasen. „Die Pandemie fördert den Verkauf von bestimmten Ausgaben“, berichtet Schwarz.

          Titel wie „Attack on Titan“ und „The Promised Neverland“ erzielten den höchsten Umsatz, da sie in dieser Zeit veröffentlicht wurden. Schwarz war selbst überrascht darüber, wie viele neue Manga-Kunden sie hinzugewannen. Es tauchten jedoch auch Schwierigkeiten auf, etwa in den Bereichen Logistik und Druck.

          Glücksgriffe und vermeintliche Hits

          Eine Lizenz zu erwerben sei ein bisschen wie die Katze im Sack zu kaufen, erzählt Schwarz. Manchmal kauften sie Titel, von denen sie dächten, sie würden ein Hit – und dann trete das Gegenteil ein. Oder sie lehnten einen Titel ab, weil er zu diesem Zeitpunkt nicht ins Programm passe, und genau dieser Titel entpuppe sich als absoluter Schlager.

          Als Glücksgriff sollte sich die MangaReihe „Tokyo Revengers“ erweisen. In Japan erscheint sie seit 2017. Für Carlsen war es nicht so einfach, die Lizenz dafür zu bekommen. „Wir erhoffen uns eine Hit-Serie“, sagt Schwarz. In anderen Ländern wie Spanien belegte sie nach Erscheinen für einige Tage den ersten Platz auf dem Buchmarkt. Im September vergangenen Jahres gab der japanische Manga-Verlag Kodansha bekannt, dass sich zu diesem Zeitpunkt die stattliche Zahl von 40 Millionen „Tokyo Revengers“-Exemplaren im Umlauf befänden.

          In der Handlung taucht ein Manji-Zeichen auf, ein Glückszeichen im Buddhismus. Es hat Ähnlichkeit mit dem rechtsextremistischen Hakenkreuz. Carlsen Manga ist es wichtig, dass Leser das Zeichen nicht falsch interpretieren und man keine rechtlichen Probleme bekommt.

          Großartige Geschichten auch hierzulande

          Nicht immer benötigt Carlsen eine Lizenz. Der Verlag arbeitet mit einigen selbständigen Manga-Zeichnern zusammen. „Wir wollen nicht nur eine Abspielstation für ausländische Verlage sein“, betont Schwarz. Es gebe auch hierzulande viele großartige Geschichten. Die geographische Nähe zu den Zeichnern erleichtere zudem die Zusammenarbeit.

          Natürlich darf man die Verkaufszahlen der deutschen Produkte nicht mit den bekannten internationalen Titeln vergleichen. Doch es gibt deutsche Ausgaben, die fünfstellige Verkaufszahlen erreicht haben. Christina Plaka, eine der bekanntesten Mangaka (Manga-Zeichner) in Deutschland, die ihren Titel „Go for it“ bei Carlsen veröffentlicht hat, hat sogar eine Manga-Schule in Offenbach eröffnet. Weitere Titel von deutschen Mangakas wie „Schattenarie“ und „Skull Party“ erregten ebenfalls Aufmerksamkeit.

          „Für die Künstler selbst bleibt nicht viel hängen“, räumt Schwarz ein. Die meisten deutschen Zeichner können nicht von den Mangas allein leben. Manche erhalten über die Crowdfunding-Plattform Patreon eine finanzielle Unterstützung ihrer Fans.

          Der Artikel stammt aus dem Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken veranstaltet.

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