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Managervergütung : Erst der Bonus, dann die Insolvenz

Jill Soltau Bild: Reuters

Mehrere amerikanische Unternehmen haben Managern zu einem heiklen Zeitpunkt hohe Summen zugesagt.

          2 Min.

          tine. Frankfurt. In den Vereinigten Staaten sind mehrere Fälle zweifelhafter Zahlungen für Spitzenmanager in die Schlagzeilen geraten. Mehrere Unternehmen haben noch wenige Tage vor ihrer Insolvenzanmeldung im Zuge der Corona-Pandemie obersten Führungskräften üppige Boni oder sogenannte „Halteprämien“ gewährt. In der Kritik stehen dabei Unternehmen wie die Supermarktkette JC Penney, die Autovermietung Hertz oder die Nobelkaufhauskette Neiman Marcus.

          Tillmann Neuscheler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          So wurden der Chefin von JC Penney, Jill Soltau, nur drei Tage vor der Insolvenz am 15. Mai noch 4,5 Millionen Dollar zugesagt, wie aus Unterlagen für die amerikanische Aufsichtsbehörde SEC hervorgeht. Drei weitere Führungskräfte bekamen jeweils eine Million Dollar. JC Penney ist eine der größten Einzelhandelsketten in den Vereinigten Staaten, das Unternehmen ist schon länger in Schwierigkeiten und erwirtschaftet seit Jahren Verluste. Im Zuge der Corona-Pandemie hat das Unternehmen angekündigt, mehr als 150 Filialen dauerhaft zu schließen. Tausende Mitarbeiter dürften ihre Stelle verlieren.

          Der ebenfalls schwer von der Pandemie getroffene Autovermieter Hertz schüttete im Mai drei Tage vor seiner Insolvenzanmeldung 1,5 Millionen Dollar an drei Spitzenmanager aus. Insgesamt zahlte das Unternehmen nach eigener Aussage an diverse Spitzenkräfte mehr als 16 Millionen Dollar „Halteprämien“ aus. Das angeschlagene Unternehmen muss im Zuge der Pandemie im großen Stil Arbeitsplätze abbauen.

          Deutliche Kritik wurde auch im Fall der Managervergütung des amerikanischen Ölunternehmens Whiting Petroleum geäußert. Dessen Chef Brad Holly bekam Ende März 6,4 Millionen Dollar zugesagt, kaum eine Woche später meldete das Unternehmen Insolvenz an. Die schwerste Phase scheint das Unternehmen inzwischen zwar überstanden zu haben, doch jetzt wurde bekannt, dass Brad Holly das Unternehmen bald verlassen wird und zum Abschied nochmals 2,5 Millionen Dollar erhält.

          Der Verwaltungsrat von Briggs & Stratton, einem Hersteller von Motoren für Rasenmäher, hat im Juni – einen Monat vor der Insolvenz – Halteprämien in Höhe von mehr als 5 Millionen Dollar für seine Spitzenmanger zugesagt, berichtet die „Financial Times“. Der Vorstandsvorsitzende des Traditionsunternehmens aus Wisconsin, Todd Teske, bekam davon rund 1 Million Dollar. Für Gläubiger von insolventen Unternehmen sind solche Sonderzahlungen oft ein Ärgernis. Allerdings haben sie nur wenig Handhabe dagegen, solange die Zusagen vor dem Insolvenzantrag gemacht wurden.

          In Deutschland sind vergleichbare Fälle im Zuge der Pandemie bislang nicht bekanntgeworden. Zwar zahlen auch hierzulande manche Unternehmen Halteprämien an Manager, die sich in schwierigen Situationen bewähren müssen, doch insgesamt wird Spitzenmanagern in Deutschland deutlich weniger bezahlt als in Amerika.

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