https://www.faz.net/-gqe-8v7

Managergehälter : Dax-Vorstände verdienen wieder wie vor der Krise

Bild: F.A.Z.

Im Volkswagen zum Top-Verdiener: VW-Chef Martin Winterkorn hat im vergangenen Jahr 9,3 Millionen Euro verdient, nach den bisher vorliegenden Geschäftsberichten mehr als jeder andere Chef eines Dax-Konzerns. Doch sind die Managerbezüge nur noch schwer vergleichbar.

          3 Min.

          Es sprudelt wieder, das liebe Geld. Mussten viele Vorstandsvorsitzende von Dax-Konzernen in der Krise Einschnitte in ihren Gehaltsabrechnungen hinnehmen, fällt der Blick auf das vergangene Jahr für sie deutlich erfreulicher aus. Mehr als 9 Millionen Euro kann beispielsweise Volkswagen-Vorstandschef Martin Winterkorn verbuchen, Siemens-Oberhaupt Peter Löscher und Dieter Zetsche an der Spitze von Daimler nur unwesentlich weniger. In zahlreichen Unternehmen ist im vergangenen Jahr der Gewinn gestiegen, das macht sich in der Bezahlung der Top-Manager bemerkbar.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Um durchschnittlich 16 Prozent sind die Bezüge der Vorstandsvorsitzenden von 2009 auf 2010 gestiegen, hat die Unternehmensberatung Towers Watson in einer am Donnerstag vorgestellten Studie errechnet. Eingeflossen sind die Angaben jener 21 der 30 Dax-Unternehmen, die ihre Geschäftsberichte bis Mittwoch vorgelegt hatten. Daher sind die Angaben noch mit Vorsicht zu genießen, doch ein Trend zeichnet sich nach den Worten von Ralph Lange, Leiter des Bereichs Vorstandsvergütung von Towers Watson, ab: „Die Gehälter haben wieder Vorkrisenniveau erreicht. Die Boni sind deutlich nach oben gegangen.“

          Auf im Durchschnitt 4,7 Millionen Euro beziffert Towers Watson die Bezüge eines Dax-Chefs - ohne Altersvorsorge und Nebenleistungen. Das Fixgehalt macht dabei weniger als ein Drittel der Gesamtvergütung aus, der Rest sind Boni und langfristige Vergütungsteile. Da immer mehr Unternehmen zumindest einen Teil der Bezüge erst mit zeitlicher Verzögerung auszahlen, sind die in der Studie für das Jahr 2010 ausgewiesenen Zahlen tendenziell niedriger als die tatsächlich gewährten Beträge. „Würde man alle Komponenten einrechnen, dürfte sich die Vergütung im Durchschnitt auf mehr als 5 Millionen Euro summieren“, schätzt Lange.

          Martin Winterkorn: Der VW-Chef verdiente im vergangenen Jahr mehr als alle anderen Vorstandsvorsitzenden im Dax

          Im Sommer des Jahres 2009 hatte die Bundesregierung das Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung verabschiedet. Es verpflichtet die Unternehmen, die Bezüge ihrer Manager langfristiger zu gestalten, etwa durch die Ausdehnung der Bemessungsgrundlagen auf mehrere Jahre oder durch Gehaltsbestandteile, die erst nach drei oder vier Jahren ausgezahlt werden.

          Im Durchschnitt werden der Studie zufolge mittlerweile 35 Prozent der variablen Bezüge eines Vorstandsvorsitzenden verzögert ausgezahlt oder an langfristigen Kriterien bemessen. Für erstrebenswert halten die Vergütungsberater einen Anteil von 50 Prozent. Solche Elemente sind nach dem Gesetz eigentlich nur im Fall von neuen Verträgen Pflicht. Doch rund die Hälfte der Verträge der Vorstandsvorsitzenden wurden zum Jahr 2010 entsprechend umgestellt, beobachtet Towers Watson. Zum Teil zahlen die Unternehmen ihren Vorständen für den Eingriff in das ursprünglich vereinbarte Vergütungsmodell einen Ausgleich. Henkel-Vorstandschef Kasper Rorsted etwa erhielt dafür dem Geschäftsbericht zufolge 380 000 Euro.

          Berücksichtigung in der Verdienstliste von Towers Watson fanden nur jene langfristigen variablen Zahlungen, die aktienbasiert sind. Orientieren sich verzögert ausgezahlte Vergütungselemente dagegen an Kennzahlen wie Gewinn oder Rendite - was nach Angaben der Beratungsgesellschaft zunimmt -, werden sie noch nicht aufgeführt, sondern erst im Jahr der Auszahlung. „Die tatsächliche Vergütung für ein Jahr kann also höher sein als angegeben“, sagt Ralph Lange. Towers Watson beruft sich dabei auf den Deutschen Rechnungslegungsstandard DRS 17. Diese Vorgehensweise führt beispielsweise dazu, dass Deutsche-Bank-Vorstandschef Josef Ackermann in der Tabelle von Towers Watson mit 6,3 Millionen Euro verzeichnet ist, die Bank seine Vergütung jedoch auf 8,8 Millionen Euro beziffert (F.A.Z. vom 16. März).

          Alles in allem habe sich die Bezahlung der Vorstandsvorsitzenden in Deutschland dem Niveau anderer europäischer Länder angeglichen, schreibt Towers Watson. Die Chefs der im Stoxx Europe 50 gelisteten Unternehmen haben den Vergütungsberatern zufolge für 2010 im Durchschnitt 5,9 Millionen Euro erhalten. Früher sei der Abstand zwischen Deutschland und Europa größer gewesen. International sind die Lenker amerikanischer Konzerne die Spitzenverdiener: Ihre durchschnittlichen Bezüge gibt Towers Watson mit 15,6 Millionen Dollar an, umgerechnet mehr als 11 Millionen Euro.

          Innerhalb des Dax ist die Spreizung groß. Den - nach bisherigem Stand - Top-Verdiener Winterkorn und Schlusslicht Thomas-Bernd Quaas aus dem Beiersdorf-Konzern trennen mehr als 8 Millionen Euro. Mehr noch als Winterkorn dürfte Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner verdienen, seine Bezüge werden auf gut 10 Millionen Euro geschätzt. Das im M-Dax notierte Unternehmen weist nur die Gesamtsumme für den Vorstand von 17,9 Millionen Euro aus. Vergütungsberater Lange hält Beträge rund um die 10-Millionen-Euro-Marke für angemessen, vermutlich anders als ein Großteil der Bevölkerung. „Natürlich ist das sehr viel Geld“, sagt er. „Aber im internationalen Kontext ist das üblich.“ Und der sei entscheidend. Schließlich komme inzwischen knapp jedes dritte Vorstandsmitglied eines Dax-Unternehmens aus dem Ausland.

          Weitere Themen

          In Phuket stehen die Hotels leer Video-Seite öffnen

          Tote Hose im Paradies : In Phuket stehen die Hotels leer

          Weil immer weniger Chinesen auf Phuket Urlaub machen, stehen die Hotelzimmer auf der thailändischen Ferieninsel leer. Das wiederum macht die Region billiger für Reisende.

          Topmeldungen

          Bernie Sanders ist zurück – und fühlt sich bereit für das Präsidentenamt.

          Bernie Sanders in New York : „Ich bin wieder da!“

          Bei seiner ersten Wahlkampfveranstaltung nach seinem Herzinfarkt bricht Bernie Sanders Besucherrekorde. In New York ist auch seine bislang wichtigste Unterstützerin dabei.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.