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Manager-Vergütung : Aktionäre halten deutsche Vorstandsgehälter für angemessen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Viele Unternehmen haben ihre Vergütungssysteme den neuen Anforderungen des Gesetzgebers angepasst. Boni gibt es nun häufig erst mit einer Verzögerung von bis zu drei Jahren. Das kommt vielerorts gut an. Auf den meisten Hauptversammlungen in diesem Jahr ist die Zustimmung dazu überwältigend. Doch es gibt auch andere Beispiele.

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          99,93 Prozent Zustimmung bei Henkel, 99,55 Prozent Zustimmung bei Thyssen-Krupp, 99,51 Prozent Zustimmung bei Fresenius: So gerne sich Menschen in Straßenumfragen über Managergehälter empören – auf den diesjährigen Aktionärstreffen sind sie meist ruhig geblieben. Das zeigt eine Übersicht der Abstimmungsergebnisse auf den Hauptversammlungen der Dax-Konzerne. Wie die Zahlen belegen, haben die Aktionäre die Vergütungssysteme der Unternehmen in den meisten Fällen durchgewunken. Zustimmungsquoten von mehr als 90 Prozent waren die Regel.

          Julia Löhr
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Aber es gab auch Gegenbeispiele: Bei der Deutschen Börse, der Deutschen Bank und Heidelberg Cement votierte rund die Hälfte der Anteilseigner gegen die Gehaltspakete. Die Abstimmungen über die Vergütungspolitik der Unternehmen fanden in diesem Jahr erstmals statt. Grundlage ist ein Gesetz, das im August vergangenen Jahres in Kraft trat: das Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung, kurz VorstAG. Die Aktionäre sollten dadurch mehr Einfluss auf die Gehälter der Manager bekommen – zwar nicht durch eine rechtsverbindliche Entscheidung auf der Hauptversammlung, aber doch immerhin durch die Möglichkeit, ihre Missbilligung kundzutun. Das britische und niederländische Vorbild nennt sich: „say on pay“. Zugleich sollte mit dem Gesetz die Struktur der Vorstandsbezahlung umgeschichtet werden, um Anreize für eine längerfristige Geschäftspolitik zu setzen.

          Neben Anlegerschützern forderten auch ein institutioneller Anleger wie der britische Pensionsfonds Hermes die Aufsichtsratsvorsitzenden dazu auf, die nunmehr mögliche Befragung auf die Tagesordnungen zu setzen. Ein „regelmäßiger, konstruktiver Dialog zwischen Verwaltung und Investoren zur Ausgestaltung der Vergütungspolitik“ sei von großer Bedeutung, schrieb Deutschland-Chef Hans-Christoph Hirt auch an die Kommission, die jährlich den Deutschen Corporate Governance Kodex überarbeitet. Diskutiert und geschimpft werden konnte über die Vorstandsgehälter auf den Aktionärsversammlungen allerdings schon immer, nämlich unter dem Tagesordnungspunkt „Entlastung“. Und auch künftig gilt: „Da nur das Vergütungssystem insgesamt zur Abstimmung stehen kann, wird nicht über die konkrete Vergütung einzelner Vorstandsmitglieder Beschluss gefasst“, sagt Rechtsanwalt Alexander Kiefner aus der Kanzlei White & Case.

          Zufriedende Aktionäre: Kasper Rorstedt, Chef von Henkel
          Zufriedende Aktionäre: Kasper Rorstedt, Chef von Henkel : Bild: Kai Nedden

          „80 Prozent der Dax-Unternehmen haben ihre Systeme schon umgestellt“

          Der Vergütungsfachmann der Managementberatung Kienbaum, Alexander von Preen, erklärt die hohen Zustimmungsraten auf den Hauptversammlungen damit, dass die Unternehmen ihre Vergütungssysteme inzwischen großteils den neuen gesetzlichen Anforderungen angepasst hätten. „80 Prozent der Dax-Unternehmen haben ihre Systeme schon umgestellt“, schätzt von Preen. Als vorbildlich bezeichnet von Preen etwa das Vorgehen von Allianz und Münchener Rück. „Diese Unternehmen haben nicht nur – wie gesetzlich gefordert – die Vorstandsvergütung auf mehr Langfristigkeit umgestellt, sondern auch die Bezahlung der Ebenen darunter.“ Nur so sei eine Umstellung sinnvoll, schließlich werde auf den Ebenen unter dem Top-Management ebenfalls ein hoher Anteil der Vergütung variabel ausgezahlt.

          Auch der Chemiekonzern BASF ist über die Grenzen des Gesetzes hinaus aktiv geworden und hat mit allen Vorständen zum Beginn dieses Jahres neue Verträge ausgehandelt – obwohl das Gesetz nur für neue Verträge und für Vertragsverlängerungen gilt. Zu den Unternehmen, die ihre Vergütungssysteme noch nicht umgestellt haben, gehört etwa der Industriekonzern MAN. Deshalb gab es für die Aktionäre auf der Hauptversammlung auch noch nichts zum Abstimmen.

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