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Umfrage der Wertekommission : Viele Manager lehnen Kürzungen der Boni ab

Nur knapp 6 Prozent der Macher in den Unternehmen geben an, dass für sie Nachhaltigkeit der wichtigste persönliche Wert ist. Bild: dpa

Die meisten Manager in Deutschland haben kein Problem damit, auch in der Corona-Krise Boni und Dividenden auszuschütten. Staatliche Hilfe wird von vielen trotzdem gerne angenommen.

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          Die meisten Manager in Deutschland haben kein Problem damit, auch in der Corona-Krise Boni und Dividenden auszuschütten. Das ist ein zentrales Ergebnis der „Führungskräftebefragung 2020“, die von der Wertekommission und der Technischen Universität München durchgeführt wird. Sie liegt der F.A.Z. exklusiv vor. In der Umfrage sprechen sich 32 Prozent der Führungskräfte uneingeschränkt dafür aus, Boni und Dividenden zu zahlen, 22 Prozent sind eher dafür. Weniger als jeder fünfte Manager (18 Prozent) spricht sich strikt dagegen aus.

          Christoph Schäfer
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und Finanzen Online.

          Stark ausgeprägt ist der Umfrage zufolge auch die Bereitschaft der Unternehmen, fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Hälfte der Manager (49 Prozent) sieht es als angemessen an, bei der Bundesagentur für Arbeit Kurzarbeit zu beantragen, nur knapp jeder vierte (23 Prozent) ist eher oder voll dagegen. Auch vor direkten staatlichen Hilfen schreckt nur jeder fünfte zurück. Dagegen bewerten 47 Prozent sie als angemessen. Der Rest der interviewten Personen antwortet mit „teils, teils“.

          Bereits 83 Prozent der Unternehmen haben der Umfrage zufolge im Zuge der Corona-Pandemie Hygienevorschriften erlassen und 74 Prozent Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt, falls dies möglich war. Von einer Geldspende zur Bekämpfung der Pandemie wissen nur 13 Prozent der Befragten zu berichten.

          Sehr gutes Zeugnis für sich selbst

          Hinter der Wertekommission steht der Verein „Initiative Werte Bewusste Führung“, der seit 2006 in regelmäßigen Abständen Studien zum Wertebewusstsein von Führungskräften macht. An der diesjährigen Umfrage haben sich 520 Manager aus Deutschland beteiligt, die allermeisten davon gehören zur oberen oder mittleren Führungsebene.

          Der zunehmenden Digitalisierung, die sich durch die Corona-Krise beschleunigt hat, stehen die meisten Manager positiv gegenüber. 88 Prozent der Befragten sehen den digitalen Wandel prinzipiell als Chance für Deutschland – das sind 10 Prozentpunkte mehr als 2019. Allerdings gibt es große Zweifel, ob die Deutschen diese Chance auch richtig nutzen. Konkret bezweifelt jeder zweite Manager, dass der hiesige Wirtschaftsstandort mit seinen Arbeitnehmern und Unternehmen bereits jetzt ausreichend vorbereitet ist.

          In der Wahrnehmung der Manager gibt es zudem eine interessante Zweiteilung. Während das Urteil über die digitalen Kompetenzen Deutschlands allgemein recht skeptisch ausfällt, stellen die Führungskräfte sich selbst und ihrem Betrieb ein sehr gutes Zeugnis aus: Sich selbst stufen 89 Prozent der Befragten als digital fit ein, das eigene Unternehmen halten 82 Prozent für vorbereitet. Dieses Muster ist aus anderen Befragungen bekannt: Mit Blick auf die allgemeine Wirtschaftslage äußern sich viele Deutsche skeptisch. Im Gegensatz dazu wird die eigene Lage von den meisten als gut beurteilt.

          Nachhaltigkeit rangiert weit unten

          Die größte Bedeutung messen die Manager den Werten „Vertrauen“ und „Verantwortung“ bei. Daran hat sich in den vergangenen Jahren nichts geändert. An die dritte Stelle rückte erstmals seit Durchführung der Studie der „Respekt“ auf, den inzwischen immerhin jede fünfte Führungskraft in Deutschland als wichtigsten Wert betrachtet. Das sind fast doppelt so viele wie im Jahr zuvor. „Die Ergebnisse zeigen, dass Zusammenhalt und Teamgeist durch die Corona-Krise auch in den Managementebenen signifikant zugenommen haben“, erklärt Sven Korndörffer, der Vorstandsvorsitzende der Wertekommission.

          Trotz aller Klimadiskussionen und der Fridays-for-Future-Demonstrationen ist die Bedeutung der „Nachhaltigkeit“ interessanterweise nicht gestiegen. Nur knapp 6 Prozent der Macher in den Unternehmen geben an, dass für sie Nachhaltigkeit der wichtigste persönliche Wert ist.

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