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Manager im Wandel der Zeit : Vom Leben im Luxus

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Besser als Business: Flüge im Privatjet sind nach wie vor üblich, auch wenn das Flugzeug nicht mehr so häufig dem Unternehmen der Vorstandschefs selbst gehört. Bild: Imago

Thomas Middelhoff muss ins Gefängnis, weil er sich einen hohen Lebensstil auf Kosten der Konzernkasse gönnte. Der Fall zeigt auch: Der Lebensstil von Managern hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Aber sehr viel bescheidener sind sie nicht geworden.

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          Vor zwanzig Jahren schien es so, als würde mit Managern wie Thomas Middelhoff eine neue Managerriege in Deutschland Einzug halten: Weltoffen, modern und am Ende sogar noch internetaffin. Wer in jener Zeit Betriebswirtschaftslehre studierte, erst recht noch in dem Gütersloh mit seiner Bertelsmann-Zentrale räumlich sehr nahen Münster, war von Middelhoff fasziniert – was er anfasste, schien zu gelingen. Wer an Middelhoff dachte, dem fiel das Wort „dynamisch“ ein, ganz gewiss auch „erfolgreich“. An Privilegien, Verschwendung und Größenwahn dachte man nicht.

          Solche Assoziationen waren anderen vorbehalten. Stahlbaronen zum Beispiel, aber auch Kaufhausmanagern, die vor lauter Geld kaum noch gehen, dafür aber viel Zigarre rauchen konnten. Gerade im Handel, wo Konsum und Luxus nahe beieinanderliegen, zelebrierten die Vorstandschefs der großen Warenhausketten in einer Zeit, in der man vom Internet, Amazon & Co. noch nichts ahnte, besondere Extravaganzen. Legendär wurden zum Beispiel die Besuche, die ein langjähriger Kaufhof-Lenker in seinen Häusern quer durch die Republik veranstaltete. Nicht nur Hubschrauber und große Limousinen kamen dabei zum Einsatz, das Personal musste auch Spalier stehen und die richtigen Lieblingsfrüchte bereithalten. Damals war es auch normal, dass Geschäftsführer gleich zwei Dienstwagen fuhren, wobei einer ganz selbstverständlich für die Gattin vorgesehen war.

          Dienstvilla, Gärtner, Haushaltshilfen – all solche Annehmlichkeiten waren früher selbstverständliche Bestandteile eines Vorstandsvertrags. Und die hochbezahlten Manager nutzten diese Freizügigkeiten oft bis zur Grenze aus. So bewohnte zum Beispiel der langjährige Chef der Mittelstandsbank IKB Deutsche Industriebank, Stefan Ortseifen, eine dem Institut gehörende Villa, deren Wert nach seinem Abgang auf rund 1,2 Millionen Euro taxiert wurde. Vor Gericht wurde dann bekannt, dass Ortseifen dort umfangreiche Renovierungsarbeiten für mehr als 100.000 Euro durchführen ließ: ein größerer Wintergarten, die Renovierung der Küche, hochwertige Lautsprecher. Zahlen dafür durfte die Bank.

          Urteil : Middelhoff zu drei Jahren Haft verurteilt

          Das ist noch gar nicht lange her; es war in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts aber auch schon nicht mehr gang und gäbe. Der Lebensstil von Vorstandsvorsitzenden war vor allem bis in die späten neunziger Jahre hinein von Luxus geprägt, den sich auch so mancher Patriarch alter Schule gönnte – nur dass die Familieneigentümer dies letztendlich aus eigener Kasse zahlten, während die angestellten Manager dafür die Konzernkasse benutzten. Wie selbstverständlich wurde im Vorstandscasino des Versicherungsunternehmens Gerling in Köln von livrierten Kellnern mit weißen Handschuhen bedient, andernorts wurde das Auto von Besuchern gleich diensteifrig gewaschen, bevor man wieder weiterfahren musste. Im System der Deutschland AG, in dem sich die großen Konzerne untereinander beteiligten und überwachten, fand das bis vor ganz wenigen Jahren keinen Anstoß. Das gilt übrigens auch für die normalen Angestellten, die zum Beispiel in Banken ganz offen von ihrem Chef zu Spekulationen mit Insiderwissen aufgerufen wurden. Auch aufwendige Einladungsreisen für die Vertriebsmannschaften bis hin zu Bordellbesuchen zeugten bis in die jüngste Zeit eher von spätrömischer Dekadenz als vom Verhalten ehrbarer Kaufleute.

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