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Manager-Boni : Die Nomenklatura der Banken

In aller Munde: Die garantierten Boni der Dresdner Kleinwort Bild: Anna Mutter / F.A.Z.

Die Banken müssen ihr Vergütungssystem ändern. Denn es ist ein wesentlicher Grund für die Finanzkrise. Erfolgsabhängige Boni können aber auch in Zukunft sinnvoll sein. Bloß wie geht das?

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          Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid zufolge sind in Deutschland derzeit nur noch Prostituierte und Vorbestrafte unbeliebter als Investmentbanker. Die Umfrage im Auftrag des Männermagazins „Playboy“ datiert allerdings vom November 2008. Mittlerweile stehen die Chancen nicht schlecht, dass die Investmentbanker die Prostituierten und Vorbestraften noch unterbieten.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schuld daran sind die Investmentbanker von Dresdner Kleinwort, die auf ihre erfolgsabhängigen Gratifikationen pochen, obwohl sie die Hauptverantwortung für den auf mehrere Milliarden Euro geschätzten Verlust der Dresdner Bank im abgelaufenen Geschäftsjahr tragen. Sie wollen notfalls den Bonuspool von 400 Millionen Euro einklagen, den ihr die ehemalige Dresdner-Bank-Eigentümerin Allianz im Sommer 2008 versprochen hatte. Das war vor dem Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank am 31. August 2008. Inzwischen musste der Bund der Commerzbank mit gut 18 Milliarden Euro Kapital unter die Arme greifen.

          Der gewöhnliche Bankmitarbeiter kann von Spitzengehältern nur träumen

          Der Gedanke, dass sich Investmentbanker auf Kosten des Steuerzahlers bereichern, versetzt die Politik bis hin zur Bundeskanzlerin in Aufruhr. Doch auch in den Banken selbst sorgt die Diskussion für Unruhe. Denn von den Millionenbeträgen der Spitzenmanager kann der gewöhnliche Bankmitarbeiter nur träumen.

          Die Gehaltsschere in deutschen Banken ist groß. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi erhält der nach Tarifvertrag angestellte Bankmitarbeiter im Schnitt 3300 Euro brutto im Monat. Das sind im Jahr einschließlich Urlaubs- und Weihnachtsgeld 46.200 Euro. Investmentbanker dagegen können in erfolgreichen Jahren einschließlich erfolgsabhängiger Vergütungen mit einem zweistelligen Millionenbetrag rechnen. Insgesamt beschäftigt die deutsche Kreditwirtschaft 680.500 Mitarbeiter. Wie viele Spitzenverdiener sich darunter befinden, darüber schweigen sich die Institute aus.

          Zahl der Topverdiener dürfte im niedrigen vierstelligen Bereich liegen

          Das private Bankgewerbe, zu dem die Deutsche Bank, die Commerzbank oder die Hypo-Vereinsbank zählen, beschäftigt insgesamt 190.000 Mitarbeiter. Davon befinden sich 32 Prozent im außertariflichen Bereich, auf den im Jahr 2007 zwei Drittel des gesamten Personalaufwands entfiel. Doch die Zahl der Spitzenverdiener, die siebenstellige Beträge oder mehr kassieren, dürfte im niedrigen vierstelligen Bereich liegen. Einen Näherungswert, wie groß diese Nomenklatura ist, hat die Commerzbank geliefert: Einschließlich der Dresdner Bank arbeiten gut 400 Manager in den beiden Ebenen unterhalb des Vorstands. Insgesamt zählt das Institut 67.000 Mitarbeiter.

          Die deutsche Kreditwirtschaft beschäftigt gut 1000 Vorstandsmitglieder. Nach einer Studie der Personalberatung Kienbaum erhielt jedes fünfte Vorstandsmitglied in den Jahren von 2004 bis 2007 ein fixes Jahresgehalt von mehr als 500.000 Euro. Einschließlich erfolgsabhängiger Vergütungen kamen 40 Prozent der Vorstände auf mehr als 500.000 Euro. Davon wiederum kassierten 13 Prozent der Bankvorstände ein Jahressalär von mehr als einer Million Euro.

          Debatten nicht nur in Deutschland

          Banken, die vom staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin Kapitalhilfen in Anspruch nehmen, dürfen ihren Vorständen nicht mehr als 500.000 Euro im Jahr zahlen - bislang trifft das für die Commerzbank und die Aareal Bank zu. Auch bei ihnen sind aber von der Gehaltsgrenze die Spitzenverdiener unterhalb der Vorstandsebene nicht betroffen, wie etwa die gut 400 Topmanager der Commerzbank. Die verdienen zwar ein fixes Gehalt von weniger als 500.000 Euro jährlich. Darin sind aber keine erfolgsabhängigen Vergütungen enthalten, so dass die Grenze - einen erfolgreichen Geschäftsverlauf vorausgesetzt - überschritten werden kann. Das fixe Gehalt hat bei Topbankern in der Regel einen Anteil von weniger als die Hälfte am gesamten Jahressalär.

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