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Managementfehler : Daimler-Chrysler einigt sich mit Versicherern auf Vergleich

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Gab ein zu offenherziges Interview - Ex-Daimler-Chef Jürgen Schrempp Bild: ddp

Der Autokonzern kann die Kosten eines Managementsfehler nun doch auf seine Haftpflichtversicherer abwälzen. Die hatten sich zunächst geweigert, für Daimler-Chrysler Schadensersatz an amerikanische Kleinaktionäre zu zahlen, weil sich der damalige Daimler-Chef Schrempp in einem Interview zur Chrysler-Fusion verplappert hatte.

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          Der deutsch-amerikanische Autokonzern Daimler-Chrysler kann die finanziellen Folgen eines Interviews von Ex-Vorstandschef Jürgen Schrempp zum größten Teil an seine Manager-Haftpflichtversicherer abwälzen.

          Mit mehreren Versicherern sei dazu ein Vergleich geschlossen worden, bestätigte ein Sprecher von Daimler-Chrysler und der Anführer des Versichererkonsortiums, ohne finanzielle Details zu nennen. Die “Financial Times Deutschland“ berichtete, der Kompromiss sehe vor, dass die Versicherer 168 Millionen Euro und damit fast die gesamten von DaimlerChrysler noch beanspruchten 175 Millionen Euro zahlten.

          Im Januar hätte vor dem Stuttgarter Landgericht ein Prozess um die Forderungen von DaimlerChrysler beginnen sollen. Die Manager-Haftpflichtversicherer hatten sich geweigert, einen Großteil der 275 Millionen Euro zu übernehmen, die ein Vergleich mit US-Kleinaktionären im Jahr 2003 den Autobauer kostete.

          Offenherziges Interview

          Drei Jahre zuvor hatte der damalige Vorstandschef Schrempp in einem Interview gesagt, dass Chrysler seiner Ansicht nach nie wirklich gleichberechtigter Fusionspartner für Daimler-Benz war. Chrysler-Aktionäre fühlten sich getäuscht und zogen vor Gericht.

          Für solche Fälle hat DaimlerChrysler - wie auch andere Unternehmen - eine D&O-Police (Directors& Officers Liability) abgeschlossen. Damit sichern Unternehmen ihre Führungskräfte gegen Ansprüche ab, die aus ihrer Berufstätigkeit entstehen.

          Versicherer kritisiert Management-Haftpflicht

          Der Deutschland-Chef des US-Versicherungsunternehmens ACE, Lothar Riedle, bestätigte den Vergleich. Zugleich kritisierte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters die in Deutschland üblichen Management-Haftpflicht-Policen als zu weitgehend. Der Fall Daimler-Chrysler werde hoffentlich eine Debatte über diese Art von Versicherungen auslösen.

          ACE führte das Konsortium für die Management-Haftpflicht bei DaimlerChrysler an, zu dem laut “Financial Times Deutschland“ auch die Versicherer AXA, HDI, Chubb, Zurich Financial, Gerling, XL und Baseler (Baloise) gehören. Der US-Versicher AIG hatte der Zeitung zufolge bereits 25 Millionen Euro erstattet.

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