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Management : Ricke plant eine zweite Karriere im Mittelstand

  • -Aktualisiert am

Vor einem Jahr musste er bei der Telekom gehen: Kai-Uwe Ricke Bild: dpa

Kai-Uwe Ricke ist wieder da. Der ehemalige Chef der Telekom wird aber nicht Unternehmer, vielmehr hat er seine Vorliebe für das Private-Equity-Geschäft entdeckt.

          Kai-Uwe Ricke ist wieder da. Der ehemalige Spitzenmanager wird aber nicht Unternehmer, vielmehr hat er seine Vorliebe für das Private-Equity-Geschäft entdeckt. In der Zunft des Beteiligungskapitals bewegt sich Ricke, seit er im November vergangenen Jahres als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom gezwungenermaßen ausgeschieden war. Jetzt will er wieder sichtbare Pflöcke einschlagen, allerdings nicht mehr innerhalb eines Großkonzerns. Davon hat Ricke, wie er sagt, genug: „Ich wollte nicht mehr in eine Box, vielmehr möchten wir zu viert etwas Eigenes kreieren“, formuliert der 45 Jahre alte Betriebswirtschaftler etwas blumig. Etwas Eigenes kreieren, aber mit einem hohen Anspruch und im Bündnis mit drei Partnern. Die neue "German Private Equity Partners" soll die große Adresse für den deutschen Mittelstand werden.

          Der Anstoß zu dem Viererbund kam nicht von Ricke, sondern von dem gleichaltrigen Hartmuth Jung, bis Mitte dieses Jahres prominenter Investmentbanker in der Schweizer Großbank UBS und zeitweise auch deren Vorstandssprecher in Deutschland. Er gewann im Frühjahr dieses Jahres seinen Studienfreund Ricke für das Projekt. Mit dabei ist des weiteren Michael Gotthelf, den Jung im Umkreis der FDP kennengelernt hatte. Mit 54 Jahren blickt Gotthelf auf einen Berufsweg zurück, der ihn von dieser Zeitung in die frühere Metallgesellschaft und später als Banker und Vermögensverwalter in die Schweiz führte. Heute lebt er überwiegend in London. In Deutschland hat er den Anstoß für den Ludwig-Börne-Preis gegeben, der jährlich in der Frankfurter Paulskirche verliehen wird. Last, but not least ist Jens Reidel von der britischen Beteiligungsgesellschaft BC Partners mit von der Partie. Der Sechsundfünfzigjährige und frühere Geschäftspartner von Ricke und Jung ist eine bekannte Größe in der deutschen Private-Equity-Szene.

          Fonds mit Sitz in Luxemburg

          Um was geht es? Gesucht werden Unternehmen zwischen 50 und 500 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Lahme Enten sind nicht erwünscht, vielmehr "sollen sie ihr Business-Konzept unter Beweis gestellt haben", wie Jung formuliert. Aktuell können sie ihr Wachstum finanzieren wollen, ein Nachfolgeproblem haben, einen gleitenden Übergang aus Familienhand anstreben oder an einen Börsengang denken. Diesen Unternehmen versprechen die vier Partner eine Zwischenlösung mit Beteiligungskapital und Managementkapazitäten. Für den späteren Weg, ob andere Finanzierungsformen, Börsengang, Verkauf an einen Konzern oder neue Familienunternehmen, bleibe man offen, ergänzt Gotthelf.

          Der Fonds mit Sitz in Luxemburg soll nach den Vorstellungen der Initiatoren 500 bis 750 Millionen Euro umfassen. Damit ließen sich Beteiligungen im Gesamtumfang von 1,5 bis 2,25 Milliarden Euro finanzieren, sagen die Beteiligten. Als Depotbank und Administrator fungiert die Bank Sal. Oppenheim. Die Arbeitsteilung der Private-Equity-Mittelstandsmannschaft sieht wie folgt aus. Die im schweizerischen Steuerparadies Baar (Kanton Zug) ansässige Aktiengesellschaft, deren Leitung Ricke übernehmen wird, sucht die Kandidaten und schlägt sie dem Fonds zur Entscheidung vor. In dessen Verwaltungsrat sitzen neben dem Präsidenten Reidel noch Jung und Gotthelf. Weder Reidel noch BC Partners seien Gesellschafter des Fonds, betont Gotthelf. Reidel gerate auch in keinen Interessenkonflikt, da die Marschrichtungen getrennt verlaufen: BC Partners ziele auf größere Unternehmen, die neue Private-Equity-Gesellschaft auf die kleineren Mitspieler. Dessen ungeachtet besteht ein Kooperationsabkommen.

          Mindestinvestition fünf Millionen Euro

          Die „Betriebsgesellschaft“ in der Schweiz, der Fonds in Luxemburg, die Idee so neu nicht und darüber hinaus die Verbindung mit einer der von Familienunternehmen oft misstrauisch beäugten „Heuschrecken“: Kann das gutgehen? Die vier für den Mittelstand verweisen als Antwort auf ihr Netzwerk in der deutschen Wirtschaft, das durch Familien ergänzt werde, die in den Fonds investierten. Im Zwiespalt zwischen den Renditeerwartungen der Investoren und der Verantwortung für den Standort Deutschland ist es nicht ihre Absicht, "die letzte Million aus den Unternehmen herauszuholen", erläutert Ricke. Gotthelf ergänzt: Dies gelinge, indem sich die „German Private Equity Partners“ zum Beispiel aus preistreibenden Auktionen heraushielten. Im Übrigen wollen die Partner auch in der Schweiz und in Österreich aktiv werden. Fünf Millionen Euro beträgt die geforderte Mindestinvestition in den Fonds. Zehn bis fünfzehn Beteiligungen sind geplant. Gotthelf ist sich der gemeinsamen Sache sicher: „Ein Unternehmer verkauft nicht automatisch an einen Konkurrenten oder an einen großen Konzern“, sagt er.

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