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MAN-Vorstandssprecher Georg Pachta-Reyhofen : "Scania und MAN werden auch künftig Konkurrenten sein"

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„Die MAN wird es auch in fünf und in zehn Jahren geben”: Georg Pachta-Reyhofen Bild: Andreas Müller

Der Vorwuf, verlängerter Arm seines Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch zu sein, kümmert ihn wenig. Stattdessen will Georg Pachta-Reyhofen den Nutzfahrzeughersteller an die Weltspitze bringen. Und dabei ist ihm die Allianz mit Scania recht und billig, die schon 2010 erste Vorteile bringt.

          Georg Pachta-Reyhofen sieht nicht so aus, als sei er Befehlsempfänger oder ein ausführendes Organ. Bestimmt und überzeugt formuliert er seine Ziele. "Ich habe eine industrielle Handschrift und will mit unseren Produkten an die Weltspitze", sagt der Vorstandssprecher der MAN SE. Das unterscheidet ihn nicht vom Vorgänger Hakan Samuelsson, der wegen der Korruptionsaffäre des Industriekonzerns Ende November 2009 abtreten musste. Der Unterschied ist ein anderer: Pachta steht vor der Aufgabe, die in den vergangenen Jahren eingeleitete Internationalisierung mit Engagements in Brasilien, China und Indien auf eine Linie und zum Laufen zu bringen.

          "Dazu gehört die Umsetzung von Produkt- und Produktionsstrategien, Marketingkonzepten und richtigen Preispositionierungen, angepasst an die lokalen Bedingungen." Die Aufgabe, die keine einfache ist, traut er sich zu: "Ich bringe aufgrund meiner langjährigen Erfahrungen die Fähigkeiten mit, das zu machen." Es klingt, als müsste er seine Berufung an die Spitze des Dax-Konzerns rechtfertigen, die vom Vorsitzenden in eine Sprecherfunktion abgewertet wurde. Eine Rechtfertigung aber hat der Österreicher - ein MAN-Gewächs durch und durch - in Anbetracht der vielseitigen Tätigkeiten gar nicht nötig. Es klingt Ungewöhnliches in der Antwort auf die Frage nach seiner Handschrift an: "Ich sehe mich nicht als Finanzinvestor", antwortet der Konzernchef überraschend. Er hätte ein Problem damit, ein Unternehmen zu portionieren und in Päckchen zu verkaufen. "Das würde ich auch nicht machen."

          Warum ist die Rede vom Finanzinvestor, ein Thema, das es bei MAN seit etlichen Jahren nicht mehr gibt? Hängt das damit zusammen, dass Georg Pachta-Reyhofen seinen Posten Ferdinand Piëch zu verdanken hat; dem Aufsichtsratsvorsitzenden von MAN; dem Oberaufseher von Großaktionär Volkswagen; dem Industriepatriarchen, der eine Nutzfahrzeugallianz aus VW, MAN und Scania schmiedet?

          „Es wird keinen gemeinsamen Vertrieb geben”

          Denkbar ist, dass Pachta solche Pläne im Auftrag umsetzen und MAN passend für diese Idee machen soll. Würde er so etwas tun, dann nur im Interesse von MAN. Oft sieht er sich dem Vorwurf ausgesetzt, ein verlängerter Arm von Piëch zu sein, quasi dessen Vollstrecker. Stört ihn so etwas? "Überhaupt nicht", antwortet er wie aus der Pistole geschossen, mit einer Gestik, als würden ihn solche Vorwürfe nicht kümmern. "Wenn ich mit etwas nicht einverstanden bin, werde ich mich entsprechend artikulieren können."

          Piëch macht es ihm in seinem souveränen Auftritt nicht einfach. Auf der Hauptversammlung des Münchener Konzerns Anfang April konnte der neue MAN-Chef nichts Neues über eine mögliche, seit langem diskutierte enge Zusammenarbeit mit Scania berichten. Ein paar Wortbeiträge später überraschte Aufsichtsratschef und Versammlungsleiter Piëch auf ebenjener Veranstaltung mit Aussagen, auf die alle warteten: Er werde sich nun selbst um die Allianz von VW, MAN und Scania kümmern. Es werde schnell gehen, die technische Zusammenarbeit umzusetzen, die nichts mit einer oft spekulierten Kapitalverflechtung zu tun habe.

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