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MAN-Schmiergeldskandal : Ehemaliger Manager gesteht Bestechung

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Fast die gesamte Führungsspitze von MAN hat nach dem Schmiergeldskandal gewechselt Bild: dpa

Mit dem Geständnis eines ehemaligen Top-Managers hat der erste Prozess in der MAN-Korruptionsaffäre begonnen. Der frühere Chef der Turbomaschinensparte räumte ein, rund neun Millionen Euro Schmiergeld an Verantwortliche eines staatlichen Gaskonzerns in Kasachstan gezahlt zu haben.

          Im ersten MAN-Korruptionsprozess hat der angeklagte Manager ein umfassendes Geständnis abgelegt und vom Landgericht München dafür eine Bewährungsstrafe zugesichert bekommen. Der ehemalige Vorstandschef der Maschinenbausparte MAN Turbo AG, Hans Jürgen M., gab beim Prozessauftakt am Mittwoch zu, für einen Großauftrag in der ehemaligen Sowjetrepublik Kasachstan neun Millionen Euro Schmiergeld gezahlt zu haben.

          Die Präsidentin des kasachischen Vertragspartners MunayGaz habe ihm 2004 „unverhohlen und unmissverständlich“ erklärt, dass MAN Turbo eine „Markteintrittsgebühr“ zahlen müssen. Sonst werde die staatliche Gasgesellschaft den Auftrag zur Errichtung einer Gasturbinen-Verdichterstation samt milliardenschweren Folgeaufträgen zur Modernisierung und Erweiterung des Pipeline-Netzes an Konkurrenten wie Siemens oder General Electric vergeben. Er habe die Schmiergeldforderung noch von zwölf auf neun Millionen Euro heruntergehandelt, das Geld dann aber an Briefkastenfirmen überwiesen, hinter denen offenbar „einflussreiche kasachische Clans“ steckten. Damals sei er überzeugt gewesen, im Interesse der MAN Turbo mit ihren 4.500 Mitarbeitern zu handeln - „heute sehe ich ein, dass es Unrecht war“, sagte der 66-Jährige.

          Urteil bereits am Montag

          Nach Vorgesprächen mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung sicherte der Vorsitzende Richter Joachim Eckert dem Angeklagten bei einem Geständnis eine Bewährungsstrafe von höchstens zwei Jahren zu. Außerdem müsse er 100.000 Euro als Bewährungsauflage zahlen. Das Urteil soll nach der Anhörung einiger Zeugen am kommenden Montag verkündet werden. Die Anklage wirft Hans Jürgen M. Bestechung ausländischer Amtsträger vor; es komme aber auch eine Verurteilung wegen Bestechung im geschäftlichen Verkehr in Betracht, sagte der Richter.

          Die Justiz ermittelt seit 2009 wegen Bestechung in der MAN-Lastwagen- und Bussparte weiterhin gegen rund 100 Mitarbeiter und Kunden (siehe auch: Mehr als 100 Beschuldigte im Fall MAN). Im Zuge der Affäre verloren MAN-Vorstandschef Hakan Samuelsson und ein halbes Dutzend weiterer Topmanager ihren Job - erst im Mai wurde auch der Chef des bis vor kurzem zu MAN gehörenden Anlagenbauers Ferrostaal, Matthias Mitscherlich, wegen Korruptionsverdachts gefeuert. Das Verfahren gegen den MAN-Konzern selbst wurde gegen Zahlung eines Bußgelds von 151 Millionen Euro eingestellt.

          Überweisungen auf Scheinfirmen

          Hans Jürgen M. war von 2002 bis 2007 Vorstandschef der MAN Turbo AG. Bei einer internen Kontrolle 2007 habe er dem Compliance-Beauftragten des Unternehmens die Bestechungszahlung in Kasachstan offengelegt und sei unter Verzicht auf ein Übergangsgeld von 500.000 Euro in Rente gegangen, sagte der Exmanager. Die Präsidentin des Vertragspartners MunayGaz habe ihm damals klar gemacht, dass MAN Turbo ihre Schmiergeldforderung „zu akzeptieren habe oder den Auftrag nicht erhalten werde“.

          Die Kompressorstation habe nur knapp 80 Millionen Euro gekostet, aber es seien Service- und Folgeaufträge im Wert von 1,4 Milliarden Euro zu erwarten gewesen. Er habe MAN Turbo fünf Jahre lang sehr erfolgreich geführt, betonte der Angeklagte. Um die Bestechung zu verschleiern, seien Scheinverträge mit Beratungs- und Baufirmen abgeschlossen worden, die MunayGaz bestimmt habe. Die neun Millionen Euro Bestechungsgeld seien dann bis 2007 auf deren Konten überwiesen worden, erklärte er. Welche Personen das Geld letztlich kassierten, könne er nur vermuten.

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