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Australiens ehemaliger Premier : Wie Malcolm Turnbull Amerika beim Dealmaking helfen will

Malcolm Turnbull gibt im August 2018 seine letzte Pressekonferenz als Regierungschef in Canberra. Bild: AP

Australiens früherer Ministerpräsident erfindet sich als Investmentbanker neu. Mit guten Geschäften hat er Erfahrung.

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          Der frühere australische Ministerpräsident Malcolm Turnbull erfindet sich gerade wieder neu. Von Parteifreunden im August 2018 nach drei Jahren aus dem Amt gejagt, ließ er die Liberalen in Australien hinter sich und zog sich zusammen mit seiner Frau Lucy zunächst für Wochen in ihr Appartement in New York zurück. Dort dürfte der 64 Jahre alte Turnbull nun öfter zu finden sein: Er arbeitet nun als einer von 18 „Senior Advisors“ für die amerikanische Investorengruppe KKR & Co.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die Amerikaner dürften von seinen Fähigkeiten nicht nur als Politiker überzeugt worden sein: 1994 soll Turnbull für eine halbe Million Australische Dollar (heute gut 300.000 Euro) einen Anteil am ersten Internetanbieter Ozemail gekauft haben. Es dauerte fünf Jahre, dann reichte er ihn für 57 Millionen Dollar weiter – ein Geschäft, dass auch KKR so richtig Freude gemacht hätte.

          „Einzigartige Erfahrung“

          Die Amerikaner nehmen den Mund jetzt natürlich sehr voll: „Auf der Grundlage von Herrn Turnbulls starkem Hintergrund im privaten und öffentlichen Sektor hat er eine einzigartige Erfahrung und eine klare Auffassung davon, wie KKR die Probleme wird angehen können, die die sich verändernde Welt hervorbringt“, heißt es.

          In den Reihen von KKR trifft Turnbull alte Bekannte, die sich für den internationalen Rednerzyklus abgesägter Politiker und Firmenchefs noch zu schade waren: Etwa Leigh Clifford, den früheren Vorsitzenden des Verwaltungsrates der Fluggesellschaft Qantas, seinen früheren Kollegen bei der Bank HSBC, John Bond, oder den einstigen Singapurer Finanzminister Lim Hwee Hua. Turnbull ist auch nicht der erste australische Ministerpräsident, der zum Investmentbanker mutiert: Der frühere Labor-Regierungschef Paul Keating arbeitete länger für KKR-Konkurrenten Lazard, der vorherige Ministerpräsident Westaustraliens, Bob Carr, wurde später Berater der Investmentbank Macquarie Group.

          Früher bei Goldman Sachs

          Turnbull selber hat sich als Banker großen Wohlstand erarbeitet und leitete Mitte der neunziger Jahre Goldman Sachs in Australien. Zunächst war er als Anwalt tätig, um dann eine Reihe führender Positionen im australischen Finanzmarkt zu übernehmen. Ab 2004 widmete sich Turnbull vollständig der Politik. Die Familie besitzt eine Villa mit Blick auf die Bucht von Sydney, in der auch schon der einstige deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble zu Gast war. Lucy Turnbull setzte sich zeitweise auch über die Australisch-Deutsche Handelskammer für eine engere Verbindung Australiens zu Deutschland ein.

          Ihr Sohn Alex arbeitete seit Jahren in Singapur, zunächst wie der Vater bei Goldman Sachs, bis er sich mit einer eigenen Anlagefirma selbstständig machte. Er tritt gern nach: Goldman Sachs führt er im Fall des Milliardenbetruges um den malaysischen Investmentfonds 1MDB vor, die Liberalen, die frühere Partei des Vaters, attackiert er öffentlich, seit sie den alten Herrn verjagt haben.

          KKR wurde darüber bekannt, dass die Firma das Konzept hervorbrachte, dass Übernahmeopfer ihre Kauf-Kosten selber erwirtschaften mussten. In Australien ist KKR seit Jahren aktiv, etwa beim gescheiterten Versuch der Handelskette Wesfarmers den Konkurrenten Coles für 20 Milliarden Australische Dollar zu kaufen.

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