https://www.faz.net/-gqe-9gx5b

Staatsfonds-Sumpf in Malaysia : „Betrug stimmt mit der Kultur von Goldman Sachs überein“

Inzwischen hat er öffentlich den Stab gebrochen über die Amerikaner: „Goldman Sachs hat Dinge getan, die falsch sind und die sie nicht getan haben sollten.“ Sein Finanzminister erklärte, dass er Schadenersatz von Goldman Sachs verlangen werde – woraufhin der Aktienkurs so stark zurückging wie zuletzt im Zuge der Finanzkrise.

Diese Ankündigung öffnete Tore: Mitte der Woche erklärte Abu Dhabi’s International Petroleum Investment Co. (IPIC) ihrerseits, ebenfalls Klage gegen Goldman Sachs eingereicht zu haben. Es geht um Verluste, die die Scheichs über Geschäfte mit 1MDB erlitten haben.

Die Amerikaner sollen eine „zentrale Rolle gespielt haben bei einem lange währenden Versuch, frühere Manager von IPIC und deren Tochtergesellschaft Aabar Investments zu bestechen.“ Im vergangenen Jahr hatte 1MDB nach einem Schiedsspruch in London IPIC schon 1,2 Milliarden Dollar erstattet.

Najib wälzt die Schuld ab

Nun ging auch der bedrängte Najib erstmals in die Offensive: In einem Interview mit der malaysischen Zeitung „Sinar Harian“ versuchte er, sich reinzuwaschen – indem er die Schuld auf seine hochbezahlten Berater von Goldman Sachs abwälzte: „Zu jener Zeit hatten wir Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer und Goldman Sachs engagiert, eine wohl bekannte, globale Investment Bank. Die Verantwortung der Bank und aller anderen war, Malaysias Interessen zu schützen. Versagte sie dabei, wie sollte ich das erkennen?“

Das ist ein Satz wie Sprengstoff, wenn es um die Reputation einer beratenden Investmentbank geht. Und dies zu einer Zeit, in der in allen Schwellen- und Entwicklungsländern rund um die Erde die Finanzierung mit Staatsanleihen ganz hoch im Kurs steht.

Doch für die Amerikaner kommt es noch schlimmer: Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Goldman Sachs, Lloyd Blankfein, der die Affäre vor wenigen Tagen noch mit dem „Fehlverhalten einiger Angestellter“ vom Tisch hatte wischen wollen, war wohl selbst involviert. Heute ist Blankfein Vorsitzender des Verwaltungsrates von Goldman Sachs.

2009 soll es im Four Seasons Hotel in New York zu einem Treffen zwischen ihm und Najib gekommen sein, das Leissner und Jho Low eingefädelt und geführt hatten. Eine Woche nach dem Treffen erklärte die malaysische Finanzaufsicht, Goldman Sachs erhalte das Recht, ein Fondsgeschäft in Malaysia aufzubauen. 2013 soll es zu einem weiteren Treffen von Najib mit einem „hochrangigen Manager von Goldman“ in New York gekommen sein, wobei unklar ist, ob dies Blankfein selber war.

2013 waren die letzten goldenen Monate für die Bank in Asien: Gemessen an den eingenommenen Gebühren, notierte sie an zweiter Stelle in Südostasien. Als dann der Skandal um 1MDB durch Journalisten an die Öffentlichkeit kam, stürzte sie innerhalb von zwei Jahren auf Rang 24. Leissner gab nun zu Protokoll, dass das Versagen der Bank, das er sich mit krimineller Energie zunutze machte, strukturell war: Es „stimmte ganz mit der Kultur von Goldman Sachs überein, Fakten von bestimmten Mitarbeitern in der Unternehmensaufsicht fern zu halten“.

Weitere Themen

Greenpeace protestiert gegen Kohleabbau Video-Seite öffnen

An RWE-Zentrale in Essen : Greenpeace protestiert gegen Kohleabbau

Aus selbst ausgewerteten Sattelitenbildern ginge laut Greenpeace hervor, dass sich RWEs Kohlebagger täglich weiter an den Hambacher Wald und die bedrohten Ortschaften heranbaggerten. RWE-Vorsitzender Frank Weigand dementierte die Vorwürfe.

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.