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Magna : Mit japanischen Batterien an die Spitze

  • -Aktualisiert am

Mila: Wandelbares Elektroauto Bild: dpa

Der Unternehmer Frank Stronach versuchte dreimal erfolglos, seinen Zulieferkonzern Magna zum Autohersteller auszubauen. Jetzt soll es mit Elektroautos und einem japanischen Partner gelingen.

          3 Min.

          Seit Frank Stronach den Autozulieferer Magna in die oberste Liga der Branche geführt hat, will er ihn zu etwas noch Größerem und Wichtigerem machen: zu einem richtigen Hersteller von Autos. Das scheint der Lebenstraum des 78 Jahre alten Unternehmers zu sein, der in der Steiermark geboren wurde, später nach Kanada auswanderte und dort aus einer kleinen Garagenfirma im Laufe der Jahre den viertgrößten Autozulieferkonzern der Welt machte. Das Unternehmen mit seinen 70.000 Beschäftigten in Europa und Nordamerika liefert fast alle Komponenten, die ein Auto braucht, und produziert im österreichischen Stammwerk Graz sogar komplette Autos – allerdings sind das nur Sondermodelle der großen Hersteller, die davon relativ kleine Stückzahlen bestellen.

          Das alles hat Stronach nie wirklich gereicht. Er wollte immer unter den ganz Großen mitmischen. Dreimal schon hat er es ernsthaft versucht. Und immer wieder löste sich der Traum in Luft auf – manchmal erst im allerletzten Moment. Beim ersten Mal hatte er 2007 versucht, dem deutschen Autobauer Daimler dessen defizitäre amerikanische Tochtergesellschaft Chrysler abzukaufen, wurde aber von der Beteiligungsgesellschaft Cerberus ausgestochen. Beim zweiten Versuch bemühte er sich 2008 monatelang um ein Aktienpaket an Awtowas, Russlands größtem Autohersteller mit der Marke Lada. Doch den Zuschlag erhielt Renault-Chef Carlos Ghosn.

          Am dichtesten an der Verwirklichung seines Traums war Stronach wohl vor einem Jahr: Damals stellte die Bundesregierung mehrere Milliarden Euro Kredit bereit, damit Opel an Magna hätte verkauft werden können. Doch General Motors vertagte die Entscheidung immer wieder, gab Magna schließlich einen Korb und behielt Opel selbst.

          Vierter Anlauf zum Aufstieg: Magna-Chef Frank Stronach

          Stronach wäre nicht Stronach, würde er jetzt aufgeben. Die Vorbereitungen für den vierten Anlauf zum Aufstieg in die Oberliga der Autohersteller laufen vielmehr auf Hochtouren. Diesmal sollen Elektroautos den Durchbruch bringen. Um sich ganz diesem Thema widmen zu können, gibt Stronach sogar die Macht bei Magna ab. Seine Mehrfachstimmrechte werden abgeschafft; der Stimmrechtsanteil sinkt dadurch laut Hauptversammlungsbeschluss von 67 auf 7 Prozent. Im Gegenzug erhält Stronach einige 100 Millionen Dollar – und eine Sperrminorität an einer neuen Magna-Tochtergesellschaft für Elektroautos. Wegen der Klage einiger Minderheitsaktionäre ist die Transaktion zwar noch nicht wirksam.

          Ein Riesengeschäft für die Batterieindustrie

          Im Hintergrund wird aber schon fieberhaft an den Plänen für die Produktion von Elektroautos gearbeitet. Schon im Frühjahr auf der Automesse in Genf hatte Magna ein mit Batterie betriebenes Konzeptauto namens Mila gezeigt. Mila ist eine flexible Plattform. Magna will den Wagen auf Bestellung in unterschiedlichen Varianten an diverse Interessenten liefern. Das Problem ist jedoch: Bisher wurden keinerlei größere Aufträge für Mila gemeldet. Daneben entwickelt Magna drei weitere Elektroautos – den Ford Focus und zwei Modelle für deutsche Edelmarken, die nicht genannt werden.

          Außerdem plant der österreichisch-kanadische Konzern laut Vorstandschef Siegfried Wolf Investitionen von fast einer Milliarde Euro in zwei Fabriken für Batterien und Elektroautos in Europa und Nordamerika. Dem Vernehmen nach wird es eine enge Kooperation mit dem japanischen Autohersteller Mitsubishi geben – dem derzeit größten Elektroautohersteller der Welt. Noch wichtiger aber ist ein dem Vernehmen nach geplantes Gemeinschaftsunternehmen mit einem Lieferanten von Mitsubishi: Magna plant offenbar die beiden Batteriefabriken gemeinsam mit dem japanischen Batteriehersteller GS Yuasa.

          Magna setzt auf die langfristigen Auswirkungen der von der Politik vorgegebenen Klimaschutzziele. Diese erhöhen den Druck auf die Autoindustrie, Kohlendioxid einsparende Antriebe zu entwickeln. Die Elektrifizierung der Fahrzeuge, die heute schon in Millionen von Hybridautos beginnt, beschleunigt das Wachstum der Batterieproduktion. Nach einer Prognose des CAR-Instituts an der Universität Duisburg werden bis zum Jahr 2025 Lithium-Ionen-Batteriepacks für 22 Millionen Fahrzeuge benötigt. Ein Riesengeschäft für die Batterieindustrie: Unterstellt man einen künftigen Durchschnittspreis von nur 3500 Euro pro Lithium-Batterie – heute sind es eher 10.000 Euro – ergibt sich für an der Steckdose aufladbare Autos bis 2025 ein Markt in der Größenordnung von fast 80 Milliarden Euro.

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