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Mafia-Skandal : Japanischer Bankchef muss 6 Monate auf Gehalt verzichten

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Mizuho-Chef Yasuhiro Sato entschuldigt sich - und bleibt am Ruder. Bild: AP

Umgerechnet 1,4 Milliarden Euro Kredit hat die zweitgrößte japanische Bank Mizuho an die Yakuza vergeben. Gutachter entlasten nun die dafür Verantwortlichen: Sie hätten mit dem Atom-Tsunami zu viel zu tun gehabt.

          Seine Geschäfte mit der Mafia haben für den japanischen Finanzkonzern Mizuho womöglich weniger schlimme Folgen als gedacht. In einem an diesem Montag vorgelegten Untersuchungsbericht entlasten von dem Geldhaus beauftragte externe Juristen das Management. Drastische Strafen gegen Mizuho wegen milliardenschwerer Kredite an das organisierte Verbrechen sind daher unwahrscheinlich.

          Das Management kommt aber nicht ungeschoren davon: Der Skandal kostet Mizuho-Chef Sato zwar nicht den Job. Nach Angaben der Bank werden Satos Bezüge aber für ein halbes Jahr ausgesetzt. Medienberichten zufolge sollen insgesamt mehr als 30 führende Manager Gehaltskürzungen hinnehmen. Außerdem soll ein Dutzend früherer Spitzenkräfte einen Teil ihrer Vergütungen zurückgeben.

          Dass der Konzern selbst ohne große Strafe davonkommt, darauf deuten Äußerungen von Finanzminister Taro Aso hin, der zugleich Chefaufseher der Bankenbranche ist. Aso sagte vor Journalisten lediglich, eine Buße werde erwogen. Konzernchef Yasuhiro Sato behält seinen Posten. Dagegen muss der Verwaltungsratschef der Mizuho-Bankentochtergesellschaft, Takashi Tsukamoto, gehen.

          Die Behörden deckten im September auf, dass die Führung von Japans zweitgrößter Bank bereits Ende 2010 von Darlehen über umgerechnet insgesamt 1,4 Milliarden Euro erfahren hatte, die an kriminelle Organisationen vergeben worden waren. Demnach verlieh die für Verbraucherkredite zuständige Tochtergesellschaft Orient in 230 Fällen Geld an die Mafia, die in Japan „Yakuza“ heißt. Es handelte sich vor allem um Autofinanzierungen. Weil Mizuho länger als zwei Jahre nichts gegen diese Geschäftspraktiken unternahm, handelte die Bank sich eine Rüge der Aufseher ein, die zudem eine bessere Kontrolle einforderten.

          Abgelenkt durch den Tsunami

          Das Untersuchungsgremium kam nach einer dreiwöchigen Prüfung nun zu dem Ergebnis, dass das Management die dubiosen Geschäfte nicht absichtlich vertuscht, sondern lediglich deren Bedeutung unterschätzt habe. Die hinzugezogenen Experten halten dem Geldhaus unter anderem zugute, dass massive technische Probleme nach der Tsunami-Katastrophe im März 2011 die Aufmerksamkeit der Konzernspitze stark beanspruchten.

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