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Männerwirtschaft bei Fresenius : Erfolgreich ohne Frauen

Erfolgreich im Patriarchat: Produktionsmitarbeiterin von Fresenius Kabi Bild: dpa

Null Prozent Frauen in den Führungsgremien, 700 Prozent Kursgewinn für die Aktionäre. Der Dax-Konzern Fresenius hat Erfolg ganz ohne „Diversity“.

          Frauen spielen für den Dax-Konzern Fresenius eine entscheidende Rolle. Nicht nur wegen Else Kröner, der Ziehtochter und Erbin des Unternehmensgründers, die in den Nachkriegsjahrzehnten aus einem kleinen pharmazeutischen Betrieb einen der führenden Anbieter von Infusionslösungen und Dialysegeräten gemacht hat. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 170.000 Mitarbeiter, etwa zwei Drittel von ihnen sind weiblich. Sie arbeiten in den Krankenhäusern der zum Konzern gehörenden privaten Klinikkette Helios, in den Dialysezentren des Blutwäschespezialisten Fresenius Medical Care (FMC), in den Fabriken und Laboren des Arzneimittelherstellers Kabi.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auf der Chefetage des Bad Homburger Unternehmens aber hat keine einzige Frau ein eigenes Büro. Der Vorstand besteht aus sieben Männern, mit dem Vorsitzenden Ulf Schneider an der Spitze. Die größte Tochtergesellschaft FMC, die als eigenständiges Unternehmen ebenfalls im Dax notiert ist, wird von acht Männern geführt. Und auch auf den 18 Aufsichtsratssesseln der beiden Unternehmen sitzen ausschließlich Männer, unter ihnen so bekannte wie der frühere Commerzbank-Vorstandsvorsitzende Klaus-Peter Müller und der Unternehmensberater Roland Berger.

          Vor allem Fresenius Medical Care, der größte private Dialyseanbieter der Welt, sorgt mit der Besetzung seiner Führungsgremien dafür, dass der Begriff „Old Boys Network“ so schnell nicht ausstirbt. Denn zu den null Prozent Frauenanteil in Vorstand und Aufsichtsrat gesellt sich noch die zweifelhafte Auszeichnung, über den ältesten Aufsichtsrat in der Topliga deutschen Wirtschaft zu verfügen. Durchschnittsalter der Mitglieder: 69 Jahre, ältestes Mitglied: 78 Jahre. In den einschlägigen Auszählungen der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) steht FMC deshalb Jahr für Jahr ganz unten.

          „Im guten wie im schlechten Sinn sehr konservativ“

          Die DSW-Geschäftsführerin Jella Benner-Heinacher kann inzwischen nur noch bitter schmunzeln, wenn sie die Ergebnisse präsentiert und auf das Enfant terrible unter den Dax-Konzernen zu sprechen kommt. „Diversity“, das Loblied auf die Vielfalt, wie es Politiker und Personalfachleute so gerne anstimmen? Egal. Fresenius Medical Care und den Mutterkonzern Fresenius schert das offenkundig nicht. Seit 2008, als Else Kröners Stieftochter im Streit aus dem Aufsichtsrat schied, sind die obersten Gremien reine Männersache.

          Offiziell hat das Unternehmen dazu eine klare Position: Nur Leistung und Qualifikation sollen zählen, nicht das Geschlecht. „Wir lassen uns nichts diktieren“, kontert der Vorstandsvorsitzende Ulf Schneider die Bestrebungen aus der Politik, eine Frauenquote für Aufsichtsräte vorzuschreiben, wie es sie etwa in Norwegen gibt. Gleichzeitig fördere Fresenius Frauen mit einer ganzen Reihe von Programmen, heißt es aus der Konzernzentrale: Speziell für weibliche Führungskräfte sollen die Möglichkeiten zur Tele- und Teilzeitarbeit ausgebaut werden, um Karriere und Familienleben miteinander vereinbar zu machen. Zur Nachwuchsförderung sei ein Mentorinnen-Netzwerk ins Leben gerufen worden, auch Langzeitarbeitskonten und Kinderbetreuungsangebote gebe es. „Nachhaltige Frauenförderung mit bewährten Instrumenten“, so beschreibt Jürgen Götz, der Arbeitsdirektor von Fresenius, die Strategie. Er kommt im Übrigen zu einem ganz anderen Ergebnis als die DSW: Von den tausend wichtigsten Führungskräften des Konzerns seien 27 Prozent Frauen – und damit belege Fresenius einen Spitzenplatz im Dax-Vergleich.

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