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Madeleine Schickedanz : Im Sog des Arcandor-Desasters

„Es ist schwierig, wenn man eine Übermutter hatte wie ich”: Madeleine Schickedanz Bild: dpa (Archivbild 2003)

Madeleine Schickedanz, Erbin des Versandhausimperiums Quelle, gehörte noch vor zwei Jahren zu den reichsten Persönlichkeiten der Welt. Das hat sich längst geändert. Die Großaktionärin des taumelnden Arcandor-Konzerns kämpft um ihr Erbe.

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          Madeleine Schickedanz teilt das Schicksal mit Maria-Elisabeth Schaeffler. Sie haben nicht nur hohe Verluste in ihren Vermögen hinzunehmen, sie kämpfen auch um ihr Erbe. Madeleine Schickedanz müht sich als Großaktionärin um die Rettung des insolvenzbedrohten Handels- und Touristikkonzerns Arcandor. Maria-Elisabeth Schaeffler bürgt mit ihrem Privaten für den angeschlagenen Kugellagerhersteller Ina Schaeffler KG. So erhoffen beide sich Staatshilfe.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Die Liste der Parallelen zwischen beiden Damen aus dem Frankenland - die eine aus Fürth, die andere aus Herzogenaurach - lässt sich fortsetzen. Vor allem aber leiden sie beide unter den Folgen einer nicht verkrafteten Übernahme: Schaeffler unter der von Continental, die Erbin des Versandhausimperiums Quelle unter der Fusion mit Karstadt.

          „Ich bin niemand für die Öffentlichkeit“

          Anders als die stark und selbstbewusst in der Öffentlichkeit auftretende Maria-Elisabeth Schaeffler, 67 Jahre, ist die nur zwei Jahre jüngere Madeleine Schickedanz extrem zurückhaltend und lebt zurückgezogen. Sie ist öffentlichkeitsscheu, leise, eher unsicher im Auftreten und damit alles andere als eine Macherin. „Ich bin niemand für die Öffentlichkeit“, sagte die 1943 in einem Luftschutzbunker in Nürnberg geborene Tochter des Quelle-Firmengründers Gustav Schickedanz und dessen zweiter Ehefrau Grete in einem ihrer seltenen Interviews. Sie zieht sich lieber in ihre Domizile am Tegernsee, im Schweizer St. Moritz, in Frankreich oder Spanien zurück. Und meidet eben auch den Glamour. Deswegen ist Schickedanz - ganz im Gegensatz zur Schaeffler-Erbin - in den vergangenen Monaten nicht durch die Gazetten gejagt worden.

          Eher leise, fast schon mitleidig statt schadenfroh wurde in der Öffentlichkeit zur Kenntnis genommen, dass wegen des Arcandor-Desasters aus einer Milliardärin eine Millionärin geworden ist. Laut dem amerikanischen Magazin Forbes stand sie 2007 noch mit einem Vermögen von 5,5 Milliarden Dollar auf Platz 142 der reichsten Persönlichkeiten der Welt. Heute, wird gemunkelt, soll sie noch einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag besitzen.

          Die Last des Quelle-Erbes

          Schickedanz hat sich aus dem operativen Geschäft zurückgehalten und ihre Ehemänner vorgeschickt. Hans-Georg Mangold, Sohn eines Fürther Spielwarenunternehmers, musste nach einer schnellen Karriere in der Konzernführung im Versandhausimperium nach der Scheidung abtreten. Wolfgang Bühler, der zweite Ehemann, widerfuhr nach der Trennung gleiches: Er musste 1997 gehen, nachdem er zuvor sogar die Nachfolge von Grete Schickedanz in der Schickedanz Holding übernommen hatte. Leo Herl, mit dem Madeleine Schickedanz heute verheiratete ist, vertritt ihre Interessen im Arcandor-Aufsichtsrat. Im Gegensatz zu ihrer Mutter Grete hatte Tochter Madeleine wenig Gespür für unternehmerisches Denken. Nach zwei Semestern brach sie ein Betriebswirtschaftsstudium ab. Schwäche, Unsicherheit und Zurückhaltung mögen auch damit zusammen hängen, dass sie im Schatten ihrer Eltern stand. „Es ist schwierig, wenn man eine Übermutter hatte wie ich, ein ebenbürtiger Gegenpart zu sein“, hatte sie einmal gesagt.

          Wenn es allerdings um personelle Entscheidungen ging, entfaltet sie Kräfte. Sie soll die Einstellung des ihr vertrauten früheren Bertelsmann-Managers Thomas Middelhoff - ein einnehmendes Wesen - betrieben haben, zunächst als Aufsichtsratsvorsitzender des Arcandor-Vorgängers Karstadt-Quelle, dann als Vorstandschef. Auch das muss eine Enttäuschung für sie gewesen sein, die Wert auf Glaubwürdigkeit legt und die viel Zeit braucht, bis sie jemandem ihr Vertrauen schenkt.

          Die Stärke von Madeleine Schickedanz liegt indes im Engagement für ihre 1990 gegründete Schickedanz-Kinderkrebs-Stiftung, die Geld für Leukämie-Forschung sammelt. Dafür setzt sich die Quelle-Erbin sogar mit ungeliebten öffentlichen Auftritten ein. Das ist der Dank für die Heilung ihrer Tochter Caroline. Sie erkrankte 1982 im Alter von vier Jahren an Leukämie und musste sechs Jahre lang kämpfen - mit Erfolg. Mutter Madeleine verbrachte die meiste Zeit mit ihr im Krankenhaus. Dieser Kampf war härter als das Hin- und Hergerissensein zwischen Tradition und Veränderung, zwischen Vermächtnis der Eltern und Verlust von Vermögen.

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