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40 Milliarden Euro Schulden : Frankreichs Energiekonzern EDF steht vor Vollverstaatlichung

Atomkraftwerk von EDF in Dampierre-en-Burly: Der Konzern soll bald vollständig der öffentlichen Hand gehören. Bild: Reuters

Für die Atomrenaissance vom Macron soll das hochverschuldete Energieunternehmen Électricité de France bald komplett dem Staat gehören. Gesucht wird auch ein neuer Dirigent an der Konzernspitze.

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          Der französische Energiekonzern Électricité de France (EDF) steht 17 Jahre nach der Teilprivatisierung nicht nur vor der Vollverstaatlichung, sondern auch vor einem Chefwechsel. Wie Finanz- und Wirtschaftsminister Bruno Le Maire am Donnerstag mitteilte, werde der seit 2014 amtierende Präsident-Generaldirektor Jean-Bernard Lévy im März 2023 seinen Posten räumen.

          Niklas Záboji
          Wirtschaftskorrespondent in Paris

          Man habe vereinbart, „ab sofort den Prozess der Nachfolge von Jean-Bernard Lévy an der Spitze von EDF einzuleiten, da das Unternehmen in den kommenden Monaten große Projekte in Angriff nehmen wird“, hieß es in einer Mitteilung. Lévy wird dann 68 Jahre alt sein. EDF, zu rund 84 Prozent in Staatshand, ist eine wichtige Schaltstelle der französischen Energiepolitik. Der Konzern ist nicht nur Betreiber aller Kernkraftwerke im Land, sondern kümmert sich auch um den Bau neuer Reaktoren sowie Wind- und Solarparks und hält die Mehrheit am Stromnetzbetreiber RTE.

          Der künftige Generaldirektor von EDF wird denn auch in der Pflicht stehen, die von Präsident Emmanuel Macron angekündigte „Atomrenaissance“ mit Leben zu füllen: Mindestens sechs neue Reaktoren sollen gebaut werden und die reguläre Laufzeit der bestehenden Anlagen auf mehr als 50 Jahre verlängert werden. Auf Lévys Nachfolger wartet keine einfache Aufgabe.

          Der Kraftwerkspark ist in die Jahre gekommen, zwölf der 56 französischen Atomreaktoren sind wegen vermuteter oder erwiesener technischer Probleme derzeit abgeschaltet. Zugleich wurden bei den jüngsten Reaktorneubauten die Kostenrahmen gesprengt. EDF ist mit mehr als 40 Milliarden Euro verschuldet. Die Aktie hat in den vergangenen 15 Jahren fast 90 Prozent an Wert verloren. Kapitalspritzen hielten EDF in den vergangenen Jahren über Wasser.

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