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Machtkampf unter Bankern : Abrechnung in der Deutschen Bank

25 Prozent Rendite und kein Staat in Sicht: die Zentrale der Deutschen Bank Bild: ddp

Noch nie regierte Josef Ackermann so unangefochten. Gegenspieler Clemens Börsig ist geschlagen. Am Dienstag erwartet die Manager das Scherbengericht der Aktionäre.

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          Die Hauptversammlung ist in Aktiengesellschaften der Tag des Aufsichtsratsvorsitzenden. Er führt Regie, erteilt und entzieht das Wort. So auch Clemens Börsig, Chefkontrolleur der Deutschen Bank, der am Dienstag vor 4000 Aktionären in der Frankfurter Festhalle Rechnung ablegt. Der Star des Tages aber wird - dieses Jahr noch mehr als sonst - der Mann neben ihm sein: Josef Ackermann.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dabei sollte dieses Mal alles anders laufen, so hatte es Börsig zumindest geplant: Der 26. Mai sollte Ackermanns letzter Tag an der Spitze von Deutschlands größtem Geldhaus sein. Börsig selbst sah sich als neuer Chef: der Typ spröder Buchhalter als der neue Star.

          Es ist anders gekommen. Börsigs Coup, mit dem er sich an die Spitze der Bank befördern wollte, schlug fehl. Und zur Strafe muss er sich am Dienstag einem Scherbengericht stellen. Es geht um mehr als die üblichen Störmanöver beleidigter Kleinanleger. Dieses Mal geht es um nichts Geringeres als die Machtverteilung im Innersten der Deutschen Bank.

          Börsig kämpft: um sein Amt und seine Reputation

          Wie soll ein Konzern gedeihen, wenn die beiden Männer an der Spitze offenkundig rivalisieren? Wie geht ein Vorstandschef Josef Ackermann mit seinem Aufsichtsratschef Clemens Börsig um, der ihn absetzen wollte, um den Posten selbst zu ergattern? Sicher ist: Börsig hat in diesem Spiel verloren, dafür erhält er nun die Rechnung. Kleinaktionäre, Aktionärsschützer und Bankenvertreter: sie alle wettern. "Wir sind sprachlos", sagt Klaus Nieding von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz. "Vorstandschef und Aufsichtsrat brauchen ein inniges Vertrauensverhältnis. Das ist in der Deutschen Bank offenkundig nicht der Fall." Ein Aktionär hat schon vorab zu Protokoll gegeben, Börsig müsse als Versammlungsleiter abgewählt werden. Andere fordern, ihn nicht zu entlasten. Selbst die Investorenorganisation ISS, die ausländische Fonds berät, informierte ihre Kunden über "eigenartige Vorgänge" in der Deutschen Bank. Börsigs Rücktritt wäre die logische Konsequenz - den legen ihm Aktionärsvertreter nahe.

          Der Mann an der Spitze des Aufsichtsrats aber kämpft, beteuern seine Vertrauten. "Um sein Amt wie um seine Reputation." Börsig ist nicht entgangen, dass er von internen Gegnern demontiert werden soll. Das Ackermann-Lager hat ihm nicht verziehen: "Börsig gehört nicht mehr zur Familie", heißt es in der Bank. "Er muss selbst wissen, wie lange er sich das zumutet." Es ist wie immer, wenn ein Führungsstreit ausgefochten ist: Um den Verlierer wird es einsam.

          Treuebekenntnisse sind aus der Spitze der Bank nicht zu hören. Auch der Aufsichtsrat rafft sich gerade zu zwei dürren Sätzen auf. Das Gremium habe "unverändert volles Vertrauen in seinen Vorsitzenden Dr. Clemens Börsig und steht einhellig hinter ihm". Worte, die an Bekenntnisse von Fußballvereinen erinnern - kurz bevor sie ihren Trainer feuern.

          Börsig hat Ackermanns Raffinesse unterschätzt

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