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Discounter : Machtkampf um Aldi Nord

  • -Aktualisiert am

Streitobjekt Bild: Imago

„Gemeine Lügen“ und „hasserfüllte Abrechnungen“: Die Machtbalance bei Aldi Nord ist aus dem Gleichgewicht geraten. Zwei Stämme der Familie liegen im Streit.

          Um die Macht bei Aldi Nord, eine der größten deutschen Discount-Ketten, ist ein heftiger Kampf unter den Erben des Unternehmensgründers entbrannt. Es geht um die Kontrolle eines der erfolgreichsten, aber auch verschwiegensten Konzerne der Republik. Ausgefochten wird der Streit demnächst in zweiter Instanz vor dem Oberverwaltungsgericht Schleswig. Im Streit liegen zwei Stämme der Familie. Es sind die Nachfahren des Patriarchen Theo Albrecht, der gemeinsam mit seinem Bruder Karl das Aldi-Imperium gegründet hat und nach einer späteren Unternehmensteilung die Nordhälfte des Konzerns übernommen hat. Der Unternehmensteil Aldi Süd ist von dem Streit nicht betroffen.

          In der Auseinandersetzung geht es im Kern um die Machtbalance zwischen dem Management und zwei Albrecht-Familien. Auf der einen Seite stehen Theo Albrecht Junior, der als letzter Albrecht noch selbst in einem Aldi-Konzern aktiv ist, und dessen Mutter Cäcilie Albrecht. Sie ringen mit Babette Albrecht, der Witwe seines 2012 verstorbenen Bruders Berthold, und deren Kindern um entscheidende Machtpositionen im Konzernumfeld. Das juristische Schlachtfeld liegt in den drei Stiftungen, die das Eigentum an dem Konzern halten. Die Stiftungen müssen alle wesentlichen strategischen Entscheidungen des Aldi-Managements einstimmig genehmigen, haben also für die Zukunft des Unternehmens eine entscheidende Bedeutung.

          Die Partei Theos besteht darauf, dass die Familie keine dominierende Position in den Stiftungsvorständen haben soll. Die Gremien sollten von Management und Familie in gleicher Zahl besetzt werden, so dass sich beide Seiten stets auf sachgerechte Regelungen einigen müssen. Die Erben von Berthold Albrecht dagegen argumentieren, dass Stiftungsgründer Theo Albrecht senior und sein Sohn Berthold eine so weitgehende Entmachtung der Familie nicht gewollt hätten. In dem Erbkonflikt geht es nicht nur um Einfluss auf die Konzerngeschicke, sondern auch um den Zugriff auf Anteile an den Gewinnen des hochprofitablen Konzerns. An Babette Albrecht und ihre fünf Kinder hat eine der Stiftungen in den vergangenen drei Jahren einschließlich der anfallenden Steuern nahezu 120 Millionen Euro ausgezahlt. Theo Albrecht und dessen Mutter Cäcilie argumentieren, dass diese Zahlungen gegen das Testament verstoßen und in dieser Form rechtswidrig sind.

          Die Parteien sind tief zerstritten, die Rede ist von „gemeinen Lügen“ und „hasserfüllten Abrechnungen“. Der Familie Babette Albrechts wird vorgeworfen, sich übermäßig aus den Konzerngewinnen zu bedienen, um einen nicht unaufwändigen Lebensstil zu pflegen. Ihr Verhalten würde den Grundwerten der Familie widersprechen, unter denen Bescheidenheit und Dienst am Unternehmen ganz oben stehen würden. Ihr Ehemann Berthold hatte in den letzten Jahren vor seinem Tod Gemälde und Oldtimer für 120 Millionen Euro gekauft. Dabei wurde er von dem Kunstberater Helge Achenbach übers Ohr gehauen, der mittlerweile in erster Instanz wegen Betrugs verurteilt wurde und im Gefängnis sitzt.

          Tiefes Misstrauen spaltet die Parteien

          Die Familie von Babette dagegen fühlt sich als Opfer eines Machtcoups von Theo Albrecht junior. Sie werde an den Rand gedrängt und solle ihres Einflusses auf Konzerngeschicke und Zuteilung der Pfründe beraubt werden. Im Streit vor dem Oberverwaltungsgericht Schleswig geht es um eine vor Jahren vorgenommene Satzungsänderung für eine der Stiftungen. Ergebnis der noch zu Lebzeiten von Berthold Albrecht vorgenommenen Änderung war ein geringerer Einfluss seiner eigenen Familie. Seine Nachfahren halten diese Änderung für rechtswidrig. Sie wollen auch in einer weiteren Stiftung ihren Einfluss geltend machen und sind schon mit einem ersten Verfahren vor Gericht gezogen, allerdings erfolglos.

          Ein Ende des Streits ist nicht absehbar. Er hat sich in ein juristisches Minenfeld verwandelt, tiefes Misstrauen spaltet die Parteien. Einigungsversuche auch unter Beteiligung anderer Aldi-Familienmitglieder sind gescheitert. Bisher wurden noch keine wesentlichen Konzernentscheidungen blockiert. Allerdings arbeitet das Management von Aldi-Nord unter dem ständigen Risiko, in den Kampf hineingezogen zu werden. Es ist etwas „richtig schief gelaufen“, heißt es von einer der Parteien.

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