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Machtkampf : Schaeffler drängt Conti-Aufsichtsratschef aus dem Amt

  • -Aktualisiert am

Hubertus von Grünberg Bild: picture-alliance/ dpa

Der Druck des Großaktionärs Schaeffler war zu groß: Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg räumt seinen Posten. Künftig soll der Schaeffler-Berater Rolf Koerfer dem Aufsichtsrat vorstehen. Außerdem ziehen dort drei weitere Schaeffler-Vertreter ein. Conti-Finanzchef Alan Hippe geht zu ThyssenKrupp.

          Die Schlacht um Conti ist geschlagen: Auf Druck des Großaktionärs Schaeffler tritt der Aufsichtsratsvorsitzende Hubertus von Grünberg von seinem Posten zurück. Er bleibt aber zunächst einfaches Mitglied des Gremiums. Dies teilte Continental nach einer Sondersitzung des Aufsichtsrats am Samstagnachmittag mit. Demnach ziehen vier Vertreter des neuen Conti-Großaktionärs in den Aufsichtsrat ein: Maria-Elisabeth Schaeffler, ihr Sohn Georg Schaeffler, außerdem der Geschäftsführer der Gruppe, Jürgen Geißinger, sowie ihr juristischer Berater, der Anwalt Rolf Koerfer, der dem Aufsichtsrat zumindest vorübergehend, bis zur Hauptversammlung im April, vorstehen soll.

          Außerdem hat der Aufsichtsrat beschlossen, die Automobilsparten von Conti und Schaeffler zusammenzuführen. „Wir wollen einen zweiten deutschen Champion von Weltformat schaffen“, sagte Conti-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann. „Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir alle an einem Strang ziehen, und das können wir jetzt.“

          Maria-Elisabeth Schaeffler hat am Samstag bereits als Gast an dem Treffen teilgenommen, ebenso Altkanzler Gerhard Schröder, der als Garantor ein friedliches Zusammengehen der beiden Autozulieferer bewerkstelligen sollte. Zwischen den beiden Konzernen hatte sich in den vergangenen Monaten ein giftig geführter Machtkampf entwickelt, der beide Unternehmen zielstrebig in Richtung Abgrund trieb.

          „Das Vertrauen ist zerstört

          Die zentrale Figur in dem Streit war Hubertus von Grünberg, der die Übernahme im Sommer mit eingefädelt hatte und sich im Herbst dann plötzlich gegen Maria-Elisabeth Schaeffler stellte, die zu dem Zeitpunkt bereits Zugriff auf 90 Prozent der Conti-Aktien hatte. Die Franken haben den Widerstand in Hannover zunehmend als Sabotage empfunden und Grünberg in der vorigen Woche ultimativ zum Rücktritt aufgefordert: „Das Vertrauen ist zerstört.“

          Statt sich den neuen Eignern zu fügen, hatte Grünberg darauf beharrt, Conti vor Unheil, also einer von Schaeffler aufgebürdeten Verschuldung, zu bewahren. Denn beide Konzerne sind hart getroffen von Finanz- und Autokrise, in Herzogenaurach wie Hannover brechen Aufträge und somit Gewinn ein. Beide Autozulieferer hängen am Haken der Banken, zusammen haben sie mehr als 20 Milliarden Euro Schulden. Und die Auflagen der Gläubiger sind immer schwieriger zu erfüllen.

          Um sich Luft zu verschaffen, wird Conti deshalb wohl die Gummisparte verkaufen, in welcher Form auch immer. Am Samstag hat der Aufsichtsrat zugestimmt, den „Prozess für eine organisatorische und rechtlich selbständige Rubber Group einzuleiten“.

          Der bisher für diese Einheit zuständige Manager, Conti-Finanzvorstand Alan Hippe, verlässt den Konzern Ende Februar und wechselt als Finanzvorstand zu Thyssen-Krupp. Dort wird Hippe bereits als möglicher Nachfolger für den Vorstandsvorsitzenden Ekkehard Schulz gehandelt. Seine Nachfolge bei Conti soll in den nächsten Wochen geregelt werden.

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