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Machtkampf : Krach unter den Eigentümern von Media-Saturn

  • -Aktualisiert am

Saturn Filiale in Frankfurt Bild: Wolfgang Eilmes

Gründer gegen Mehrheitseigner: Erich Kellerhals, dem noch mehr als ein Fünftel an Europas größtem Elektronikhändler gehört, hat Klage gegen die Metro eingereicht. Kellerhals richtet scharfe Vorwürfe gegen Konzernchef Cordes: Er versuche die Gründer auszubooten, um die alleinige Macht zu erringen.

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          In der Media-Saturn-Holding ist ein offener Machkampf entbrannt: Gründer Erich Kellerhals, dem noch 21,62 Prozent an dem Konzern gehören, hat Klage gegen den Mehrheitseigner Metro eingereicht. "Ich werde alles tun, um zu verhindern, dass die Kultur unseres Unternehmens kaputt gemacht wird", sagte Kellerhals dieser Zeitung und richtete scharfe Vorwürfe gegen Metro-Chef Eckhard Cordes: "Er hat mein Vertrauen missbraucht. Ich lasse nicht zu, dass Herr Cordes zerstört, was uns groß und erfolgreich gemacht hat."

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Kellerhals bezichtigt Cordes nichts weniger als des Putsches bei Media-Saturn. Der Metro-Chef versuche die Gründer auszubooten, um die alleinige Macht an Europas größtem Elektronikhändler zu erringen. "Damit verstößt er gegen Verträge und Absprachen", schimpft Kellerhals. "Wir lassen uns aber nicht rausdrängen."

          Gegenwärtig hält der Düsseldorfer Metro-Konzern 75 Prozent an der Media-Saturn-Holding mit Sitz in Ingolstadt. Den Rest teilen sich die Gründerfamilien Kellerhals und Stiefel. Als diese im Jahr 1988 die Mehrheit verkauft hatten, damals an den Kaufhof (der später an die Metro ging), haben Kellerhals und Stiefel sich weitreichende Vetorechte fest schreiben lassen: Jeder einzelne Media-Markt, der neu eröffnet wird, muss von ihnen genehmigt werden, kein Geschäftsführer kann ohne ihr Plazet eingestellt oder gefeuert werden.

          Eckhard Cordes

          Diese Mitsprache hat Eckhard Cordes zunehmend als störend empfunden. In letzter Zeit häuften sich die Konflikte, mal ging es um das Expansionstempo in China, dann um strategische Fehler im Online-Handel.

          Kellerhals: „Ich kämpfe um mein Lebenswerk“

          Zum Eklat kam es laut Kellerhals in der Gesellschafterversammlung Anfang März. Gegen seinen erbitterten Widerstand hat Cordes in der Sitzung einen Beirat eingesetzt, mit dem die Metro die Rechte der übrigen Gesellschafter stark beschränken will. Cordes könnte dann durchregieren. Er strebt an, in Zukunft weitreichende Entschlüsse zu fassen, ohne die Gründer zu fragen: Erwerb und Veräußerung von Unternehmen und Grundstücken, Aufnahme stiller Gesellschafter, Bestellung und Abberufung von Geschäftsführern, Liquidation der Firma. Nach Auffassung der Gründer würde eine solche Machtfülle des Beirats gegen Satzung und Verträge verstoßen.

          Cordes gehe es mit dem neuen Gremium einzig darum, die Sperrminoriät der Gründer auszuhebeln, schreiben die Kellerhals-Anwälte nun in ihrer Anfechtungs- und Nichtigkeitsklage vor dem Landgericht Ingolstadt. "Herr Cordes weigert sich, mit uns auch nur über das Thema zu reden, deswegen halten wir jetzt mit juristischen Mitteln gegen", sagt Kellerhals. "Ich kämpfe um mein Lebenswerk."

          An einen Ausstieg denke er keine Sekunde, betont der 71 Jahre alte Handelspionier. Vehement wehrt er sich gegen den Verdacht, er treibe den Streit so lange auf die Spitze, bis ihm die Metro für viel Geld seine Media-Saturn-Anteile abkaufe: "Wir wollen und werden unter keinen Umständen verkaufen. Wo sollte ich auch sonst investieren? Mir fällt kein besseres Unternehmen ein." Wenn es denn gar nicht anders ginge, könne sich eher die Metro aus der Media-Saturn-Holding verabschieden, sagt Kellerhals: "Wir hätten kein Problem, andere Teilhaber zu finden. Da gab es schon mehrfach Anfragen."

          „Handel ist etwas anderes als Finanzakrobatik“

          Der Ärger mit Cordes ist auch nicht der erste Konflikt mit den Herren der Metro. "Er ist jetzt der fünfte Metro-Vorstandschef, dem wir erklären, wie das Modell Media-Saturn funktioniert", spöttelt Kellerhals. "Zentralistisch denkende Manager, noch dazu, wenn sie aus einer fremden Branche kommen, haben kein Gefühl dafür, wie unser Geschäft läuft: Handel ist etwas anderes als Finanzakrobatik."

          Unbehagen, wenn nicht Verachtung gegenüber angestellten Managern spricht aus den Worten des Selfmade-Milliardärs Kellerhals, der das dezentrale Bündnis selbständiger Unternehmer als größten Trumpf seines Konzerns sieht: Alle 800 Filialen haben eigene Geschäftsführer, die jeweils mit zehn Prozent an ihrem Markt beteiligt sind, und eigenverantwortlich entscheiden: Welches Sortiment biete ich an? Zu welchem Preis?

          Kein Media-Markt ist demnach identisch mit dem anderen. "In Straubing können Sie nicht mit demselben Angebot kommen wie in Düsseldorf", sagt Kellerhals. "In der Großstadt zahlt jeden Tag einer 10 000 Euro für einen Flachbildschirm, auf dem Land bleiben Sie darauf sitzen."

          Anfangs habe Cordes erwogen, dieses System auf andere Metro-Tochterunternehmen zu übertragen, sagt Kellerhals. "Jetzt will er das alles zerstören, die beste Sparte des Metro-Konzerns, ich verstehe seine wirklichen Motive nicht." Das Letzte jedenfalls, was Kellerhals braucht, sind Belehrungen von Managern wie Eckhard Cordes: "Wir lassen uns nicht als Bremser verunglimpfen. Wenn wir die Blockierer wären, als die wir öffentlich hingestellt werden, wäre Media-Saturn nicht auf 20 Milliarden Euro Umsatz gewachsen."

          „Das Vertrauen ist zerstört“

          Und da die Dinge so liegen, wie sie liegen, ist das Verhältnis zwischen Kellerhals und Cordes kaum zu kitten. "Das Vertrauen ist zerstört", sagt der Media-Markt-Gründer. Abberufen kann er Cordes nicht. Nicht einmal einen neuen Vertrag für den Metro-Chef kann er verhindern. Diese Entscheidung liegt allein in der Macht des Metro-Aufsichtsrates, und damit vor allem den Vertretern des Großaktionärs dort, der Familie Haniel.

          Bei Haniel-Chef Jürgen Kluge hat Kellerhals sich bereits beschwert: "Wir haben ihn als Vorsitzenden des Metro-Aufsichtsrates informiert, dass es so nicht laufen kann. Es ist auch nicht im Interesse der Metro, dass Herr Cordes einen solchen Konfrontationskurs gegen uns fährt." Wer in diesem Kampf den längeren Atem hat, darüber hat Kellerhals keinen Zweifel: "Vorstände kommen und gehen. Wir haben sie bisher alle überstanden."

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