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Unzufrieden mit Umsatzrendite : Aktivistenfonds vertreiben Danone-Chef

Emmanuel Faber Bild: AFP

Mit nur 3 Prozent am Kapital führen sie die Entlassung von Emmanuel Faber mit herbei. Der Franzose stand für ökologische und soziale Ziele — war aber auch für einsame Entscheidungen bekannt. Das hat dem Verwaltungsrat nicht gefallen.

          3 Min.

          Der Vorstandsvorsitzende des französischen Nahrungsmittelkonzerns Danone, Emmanuel Faber, muss gehenn. Der Verwaltungsrat des Herstellers von Milchprodukten wie Danone, Actimel und Fruchtzwerge sowie Mineralwasser wie Evian und Volvic hat den 57 Jahre alten Manager am Sonntagabend kurzer Hand vor die Tür gesetzt. Einen Grund nannte das Unternehmen nicht. Doch die Spannungen zwischen wichtigen Mitgliedern des Verwaltungsrates und dem Konzernlenker haben eine Versöhnung offenbar unmöglich gemacht.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Die Aktionäre bejubelten Fabers Abgang am Montagvormittag mit einem Kursanstieg von zeitweise fast 5 Prozent. Das ist bitter für den Franzosen, denn er hatte gehofft, den Kapitalismus mit den gesamtgesellschaftlichen Zielen zu vereinen, für die er stehen wollte: Umwelt- und Klimaschutz, sozialer Ausgleich gerade in den Entwicklungsländern sowie gesunde Ernährung. Faber, dem oft die Eigenschaften eines Asketen in materieller Hinsicht zugeschrieben wurde, hat auf vielen Konferenzen für diese Werte plädiert. Er könnte auch für eine Nichtregierungsorganisation (NGO) arbeiten, sagte er einmal der F.A.Z., doch er entschied sich bewusst für die Spitze eines Weltkonzerns, weil er dort mehr ausrichten könnte.

          Dieser Traum ist nun gescheitert. Seine Entlassung wirkt umso mehr wie eine schwere Niederlage Fabers, weil zwei angelsächsische Aktivistenfonds seit dem vergangenen Jahr seien Abtritt forderten: Artisan Partner und Bluebell Capital. Artisan hält nur 3 Prozent am Danone-Kapital und Bluebell höchstens 0,1 Prozent, doch sie erhielten mit ihren Angriffen auf Faber viel Echo in den französischen Medien und unter anderen Aktionären. Die Fonds bemängelten das Gewinn-Niveau, obwohl Danone im vergangenen Jahr immer noch eine operative Umsatzrendite von 14 Prozent erwirtschaftete. Das war weniger als Nestlé mit seinen 17 Prozent, doch angesichts der Pandemie immer noch ein ehrenwertes Ergebnis. Nestlé profitiert vom Boom bei Tiernahrung, über die Danone nicht verfügt. Der französische Hersteller leidet dagegen mit seinen Mineralwasser-Marken pandemiebedingt unter dem schwachen Restaurant- und Reisebedarfsgeschäft. Beim stärker diversifizierten Konkurrenten Unilever hilft zudem der gute Verkauf der Reinigungsprodukte. So hat Danone an der Börse seit September 2019 rund 30 Prozent an Wert verloren. Bei Unilever waren es 26 Prozent, bei Nestlé 13 Prozent.

          Schon länger Spannungen

          Von einer Wirtschaftskrise kann bei Danone somit keine Rede sein, zumal das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Cashflow von 2 Milliarden Euro erwirtschaftete. Allerdings herrschen schon länger Spannungen zwischen Faber und dem Verwaltungsrat, in dem die Aktivistenfonds gar nicht vertreten sind. Der französische Manager hat sich nicht nur als Vertreter eines politisch korrekten Kapitalismus verstanden, er neigte auch zu einsamen Entscheidungen. Im vergangenen Herbst gaben zwei wichtige Vorstandsmitglieder, darunter die Finanzdirektorin, ihre Ämter auf. Faber ersetzte sie nicht gleich, sondern übernahm ihre Aufgaben. Das legten ihm einige Verwaltungsratsmitglieder als Machtgier aus. Zudem sorgte seine Dezentralisierungsreform unter der Überschrift „Local first“ für viel Unmut. Faber wollte den Länderchefs vor Ort mehr Macht geben und in der Pariser Zentrale Stellen abbauen. Dort kämpften viele gegen den Verlust von Einfluss.

          Vor dem Hintergrund dieser Spannungen entschied der Danone-Verwaltungsrat Anfang März, dass Faber die operative Führung abgeben solle, doch Vorsitzender des Verwaltungsrates und somit Chefaufseher bleibe. Der Franzose konnte damit leben. In den darauffolgenden Tagen entstanden dem Vernehmen nach indes neue Spannungen im Zusammenhang mit der Suche nach einem Operativchef. Faber wollte die Wahl offenbar mitbestimmen – was für einen Verwaltungsratsvorsitzenden nachvollziehbar ist –, seine Gegner wollten ihn raushalten.

          Die Aktivistenfonds hatten die Streitigkeiten an der Danone-Spitze schon länger beobachtet. Sie suchen sich Unternehmen mit zerbrechlichen Strukturen, kaufen deren Aktien und versuchen dann mit viel öffentlicher Opposition eine Änderung der Lage herbeizuführen, damit der Aktienkurs steigt. Im Fall von Danone scheint das Vorgehen nun zu funktionieren. Der Verwaltungsrat ernannte am Sonntagabend das bisherige Verwaltungsratsmitglied Gilles Schnepp, den ehemaligen Chef des Elektrotechnik-Unternehmens Legrand, zum neuen nicht-exekutiven Präsidenten des Gremiums. Die Suche nach einem Operativchef geht weiter.

          Was der Rausschmiss für das künftige Image von Danone als ökologischer und sozialer Saubermann bedeutet, ist eine offene Frage. Der Hauptgegner Fabers unter den Aktionären, die amerikanische Fondsgesellschaft Artisan, hatte im vergangenen Jahr gegen die Einführung einer offiziellen Unternehmensmission mit ökologischen und sozialen Inhalten gestimmt. Mehr als 98 Prozent der Anleger hatten sich dafür ausgesprochen. Nun aber sind die Finanziers zufrieden. Der Aktivistenfonds Bluebell Capital begrüßte es, dass „alle“ seine Forderungen akzeptiert wurden, wie die Finanzgesellschaft mitteilte.

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