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Unruhe bei der Deutschen Bank : Macht Sewing das Investmentbanking zur Chefsache?

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing Bild: AFP

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing plant offenbar tiefgreifende Veränderungen im Top-Management. Der Stuhl von Investmentbanking-Vorstand Garth Ritchie wackelt.

          2 Min.

          Die Spekulationen um das Investmentbanking der Deutschen Bank gehen weiter. Dabei geht es um das Ausmaß des angekündigten Rückbaus, seine Kosten und die Führung der defizitären Sparte. Das „Manager-Magazin“ berichtete am Dienstag, Konzernchef Christian Sewing könnte den umstrittenen Garth Ritchie als Investmentbanking-Vorstand ablösen und die Aufgabe mit übernehmen. Finanzkreise bestätigten der F.A.Z., dass diese Lösung diskutiert werde.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie berichtet, plant die Deutsche Bank offenbar, bis zu 50 Milliarden Euro an strukturierten Wertpapieren (Derivaten) im Wesentlichen aus dem Aktiengeschäft und dem Zinsgeschäft zum Nicht-Kerngeschäft zu erklären und abzuwickeln. Unter diesen nicht mehr strategischen Handelspapieren befinden sich nach Darstellung von Analysten etwa 35 Milliarden Euro an Derivaten, die eine sehr lange Laufzeit (zehn Jahre und mehr) haben und deren möglicher Gewinn – sofern die Papiere vor der Finanzkrise erworben wurden – schon im Jahr des Erwerbs gebucht wurde.

          Inzwischen haben die Bankaufseher diese Bilanzierungspraxis unterbunden, aber die Papiere binden Kapital und drücken damit die Profitabilität. Sie zum „Nicht-Kerngeschäft“ zu erklären, ändert daran zunächst einmal wenig. „Das ist nicht die Lösung“, hat Bankanalyst Kian Abouhossein von JP Morgan schon am 3. Juni in einer Studie festgestellt. Die Eigenkapitalrendite der Deutschen Bank werde durch diesen Schritt nur um 0,14 Prozentpunkte zulegen, schätzt er.

          Der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Jörg Kukies (SPD), zeigte sich während eines Auftritts am Dienstag in Frankfurt überzeugt davon, dass sich die Banken ernsthaft bemühen, Kosten zu senken und Geschäftsmodelle anzupassen. „Die Bundesregierung will den Rahmen setzen, aber keine Vorschriften machen für einzelne strategische Entscheidungen im Bankensektor“, fügte der frühere Co-Deutschland-Chef von Goldman Sachs hinzu, dem eine treibende Rolle hinter den gescheiterten Fusionsgesprächen von Deutscher Bank und Commerzbank nachgesagt wird. „Wir im Bundesfinanzministerium sind überzeugt, dass die deutsche Wirtschaft internationale Banken braucht, europäische Banken braucht, globale Banken braucht. Was wir nie getan haben ist, irgendjemandem vorzuschreiben, wer mit wem zu fusionieren hat“, sagte Kukies dazu.

          Die Deutsche Bank arbeitet derzeit nach Informationen der F.A.Z. am größtmöglichen Rückbau des Investmentbankings, ohne dass die Kosten dafür derart ausufern, dass sie eine Kapitalerhöhung braucht. Finanzkreise spekulieren, der Restrukturierungsaufwand, der für die Neubewertung der für die Abwicklungseinheit vorgesehenen Derivate anfällt, werde etwa 500 Millionen Euro erreichen. Würde die Deutsche Bank „richtig reine machen“, schätzen Analysten den Aufwand auf 2 bis 4 Milliarden Euro. Doch das Eigenkapitalrenditeziel für dieses Jahr von 4 Prozent wackelt schon bei einem kleineren Rückbau. Noch sind keine Entscheidungen getroffen. Der Aufsichtsrat und seine Ausschüsse haben dem Vernehmen nach seit der Hauptversammlung am 23. Mai nicht mehr getagt.

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