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Luxuswagenhersteller Koenigsegg : Norwegischer Designer greift nach Saab

  • -Aktualisiert am

Ein Sportwagen der Marke Koenigsegg Bild: Archiv

GM kommt mit dem Verkauf von Saab voran. Der Autobauer soll an den Sportwagenhersteller Koenigsegg gehen, der bislang nur in Liebhaberkreisen für Autos mit Raketenantrieb bekannt ist. Das Geschäft funktioniert aber nur mit Staatshilfe.

          Sowohl General Motors als auch Saab sind insolvent und befinden sich in einem richterlich kontrollierten Sanierungsverfahren unter Gläubigerschutz, so dass die Transaktion noch an zahlreichen Hindernissen scheitern kann. Aus Kreisen von Saab wurde der F.A.Z. jedoch am Freitag bestätigt, dass in den kommenden drei Tagen ein unverbindlicher Vorvertrag über den Verkauf an den schwedischen Luxuswagenhersteller Koenigsegg unterzeichnet werden soll. Die geplante Übernahme ähnelt der Geschichte von David und Goliath, denn Saab ist in jeder Hinsicht rund hundertmal größer als Koenigsegg.

          Als Finanzier steht hinter der Transaktion, die Anfang Juli verbindlich werden soll, die Investmentfirma des norwegischen Designers und Millionärs Bard Eker, der mit 49 Prozent auch Haupteigentümer von Koenigsegg ist. Der 39 Jahre alte Eker ist ebenso wie Koenigsegg-Gründer Christian von Koenigsegg von Beruf Designer und gilt wegen seiner langen Haare als der „norwegische Richard Branson“. Als weitere Finanziers sollen nicht namentlich genannte, aber angeblich sehr kapitalkräftige amerikanische Investoren hinzukommen.

          Verhandlungen über den Staatskredit bereits gestartet

          Über den angestrebten Kaufpreis für Saab und die anschließend geplanten Investitionen durch die neuen Eigentümer ist offiziell nichts bekannt. Fest steht jedoch, dass der Verkauf mit üppiger Staatshilfe verbunden sein soll: Saab will einen Kredit über 600 Millionen Euro von der Europäischen Investitionsbank, dessen Rückzahlung Schwedens Regierung garantieren soll. Voraussetzung für eine solche Garantie, die die schwedische Regierung anfangs abgelehnt hatte, ist der Verkauf an einen Investor. Die Verhandlungen über den Staatskredit wurden nach Angaben eines Saab-Sprechers bereits gestartet, sind aber noch nicht abgeschlossen. Der gesamte Finanzierungsbedarf von Saab liegt bei 1 Milliarde Euro und damit etwa ebenso hoch wie die Schulden des Unternehmens.

          Das frische Geld wird unter anderem für die Fortführung von Investitionen in vier neue Modelle benötigt, die in den kommenden eineinhalb Jahren auf den Markt kommen sollen. Im Zuge des Sanierungsverfahrens sollen die Gläubiger nur etwa ein Viertel der Schulden zurückbezahlt bekommen. Der Mutterkonzern General Motors will 400 Millionen Euro zum Finanzbedarf beisteuern und hat davon bereits 150 Millionen Euro in Form von Bargeld gezahlt.

          Koenigsegg hat bislang erst 70 Autos verkauft

          GM will bei Saab entweder ganz aussteigen oder mit einem Minderheitsanteil von nur 10 Prozent beteiligt bleiben. Weder Saab noch die schwedische Regierung oder die insolvente Saab-Konzernmutter General Motors wollten die geplante Transaktion kommentieren. Saab, das im Februar Insolvenz angemeldet hat, hat im vergangenen Jahr mit gut 4000 Mitarbeitern 93.000 Autos produziert und rund 2 Milliarden Euro Umsatz erzielt. Der Autobauer musste aber in diesem Jahr bislang einen Rückgang des Absatzes um fast die Hälfte verkraften.

          Der Kaufinteressent Koenigsegg – unter Liebhabern bekannt für superschnelle Autos mit Raketenantrieb – ist mit einem Umsatz von 10 Millionen Euro und einem Absatz von bisher insgesamt 70 Autos für überwiegend arabische Kunden um ein Vielfaches kleiner. Koenigsegg erzielt aber – anders als Saab – Gewinn und brachte es zuletzt auf eine Marge von 10 Prozent. Zur Produktpalette gehört auch das Modell CC82, das mit einer Spitzengeschwindigkeit von 388 Stundenkilometern als eines der schnellsten Autos der Welt gilt.

          Unternehmen mit 40 Mitarbeitern

          Der Mindestpreis für ein Koenigsegg-Modell beträgt umgerechnet 650.000 Euro. Das Unternehmen aus dem Städtchen Ängelholm, das 1994 von dem Designer Christian von Koenigsegg mit dem Ziel gegründet wurde, ein „Weltklasse-Superauto“ zu produzieren, beschäftigt nur 40 Mitarbeiter, darunter zehn Ingenieure. Der erste Sportwagen wurde acht Jahre nach dem Start ausgeliefert.

          Mittlerweile gibt es vier Modelle. Im Jahr 2006 brachte Koenigsegg – mit Hilfe von Ford und Volvo – das Modell CCX mit einem eigens kreierten Motor heraus, das in den meisten Ländern für den Straßenverkehr zugelassen ist. Beides – der eigene Motor und die Straßenzulassung – bringen den Autohersteller nach eigener Einschätzung, auf eine Stufe mit den wesentlich bekannteren Rivalen Bugatti, Lamborghini und Ferrari. Mittlerweile gehört auch ein Elektroauto zum Programm von Koenigsegg. Im Frühling dieses Jahres wurde das Modell CCXR vom Wirtschaftsblatt Forbes zu einem der „zehn schönsten Autos der Geschichte“ gewählt.

          Für GM endet mit dem Verkauf von Saab ein jahrelanges Desaster. Saab hatte seit dem Einstieg von GM im Jahr 1990 und der vollständigen Übernahme im Jahr 2000 nur in zwei Jahren schwarze Zahlen geschrieben und kostete den amerikanischen Mutterkonzern insgesamt mindestens 4 Milliarden Dollar. Mit dem Verkauf würde sich GM seit dem Insolvenzantrag vor zwölf Tagen schon von der dritten Marke trennen. Der Geländewagenhersteller Hummer ging an den chinesischen Spezialmaschinenbauer Sichuan Tengzhong Heavy Industrial. Die Marke Saturn verkaufte GM an den amerikanischen Autohändler Roger Penske.

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