https://www.faz.net/-gqe-72myv

Lumia-Smartphones : Nokia und Microsoft wagen nächsten Anlauf

Unter dem Markennamen PureView bekommt das Lumia 920 eine Kamera, die nach Angaben des Konzerns fünf Mal mehr Licht aufnehmen kann als üblich Bild: Hersteller

Zwei neue Smartphones mit dem Betriebssystem Windows Phone 8 sollen im Wettbewerb mit den großen Rivalen Apple und Samsung endlich Erfolge bringen. Nokia und Microsoft eröffnen einen Reigen von Neuvorstellungen.

          3 Min.

          Der finnische Mobiltelefonhersteller Nokia und der amerikanische Softwarekonzern Microsoft haben einen neuen Anlauf gestartet, um im Markt für internetfähige Handys (Smartphones) gegenüber Rivalen wie Apple, Samsung und Google Punkte zu machen: Nokia präsentierte am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in New York zwei Smartphones aus seiner Lumia-Reihe, die mit dem neuen Betriebssystem Windows Phone 8 von Microsoft ausgestattet sind.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Nokia und Microsoft eröffnen damit einen Reigen von Neuvorstellungen prominenter Technologiekonzerne. Am Donnerstag steht eine Veranstaltung des Internetkonzerns Amazon auf dem Programm, bei der eine neue Version des Tabletcomputers Kindle Fire erwartet wird. Am 12. September folgt der Elektronikkonzern Apple, wohl mit der Neuauflage seines iPhone-Handys. Die Börse zeigte sich von den Nokia-Neuheiten wenig beeindruckt: Der Aktienkurs von Nokia verlor im New Yorker Handel zwischenzeitlich rund 13 Prozent. Im weiteren Verlauf erholte sich die Aktie etwas und lag noch rund 9 Prozent im Minus.

          Nokia-Vorstandsvorsitzender Stephen Elop zeigte in New York das Lumia 920 und pries es als das „innovativste Smartphone der Welt“ an. Neu an dem Gerät ist eine Kameratechnologie mit dem Namen Pureview, die zum Beispiel bessere Bilder auch bei schwachem Licht erlauben soll. Das Gerät ermöglicht zudem drahtloses Aufladen der Batterie.

          Neben dem Flaggschiffmodell stellte Nokia noch das Lumia 820 vor, das eine schlichtere Kamera hat. Äußerlich sind die Geräte keine völlige Abkehr von den vorherigen Lumia-Modellen. Die Bildschirme haben die schon von der letzten Version von Windows Phone bekannten Feldern und Kacheln, die jeweils bestimmte Funktionen oder Programme repräsentieren und die Echtzeit aktualisiert werden können. Wann und wo genau die Geräte auf den Markt kommen, ließ Nokia offen. Das Unternehmen sprach von einem Start „in ausgewählten Märkten im weiteren Jahresverlauf.“ Auch Angaben zum Preis gab es nicht.

          Das Lumia 920 hat das Betriebssystem Windows Phone 8 von Microsoft

          Nokia und Microsoft haben sich im vergangenen Jahr verbündet, um ihren Bedeutungsverlust im Handymarkt aufzuhalten. Die Partner vereinbarten, dass Nokia künftig einen großen Teil seiner Handys mit Microsoft-Software ausstattet. Im Herbst kamen dann als Ergebnis der Zusammenarbeit die ersten Lumia-Modelle auf den Markt. Der erhoffte Ansturm von Verbrauchern blieb bislang aus, auch wenn die Geräte kein Totalflop waren. In seinem jüngsten Quartalsbericht meldete Nokia einen Absatz von 4 Millionen Lumia-Geräten. Apple hat dagegen im vergleichbaren Zeitraum 26 Millionen iPhones verkauft.
          Nokia steht unter gewaltigem Handlungsdruck.

          Das Unternehmen musste im vergangenen Quartal einen Milliardenverlust hinnehmen und hat im Juni ein Restrukturierungsprogramm angekündigt, das den Abbau von 10.000 Stellen vorsieht. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts IDC hatte Nokia im zweiten Quartal am Weltmarkt für Smartphones nur noch einen Anteil von 6,6 Prozent, vor einem Jahr waren es noch 15,4 Prozent. Nokia ist damit weit hinter Apple (16,9 Prozent) und Samsung (32,6 Prozent) zurückgefallen. Geräte mit der Microsoft-Software Windows Phone hatten IDC zufolge im zweiten Quartal einen Anteil von 3,5 Prozent, was immerhin eine Steigerung gegenüber dem Vorjahreswert von 2,3 Prozent war. Das iPhone sowie Handys mit der zum Internetkonzern Google gehörenden Software Android vereinen 85 Prozent des Marktes auf sich. Android-Handys werden von einer Reihe verschiedener Hersteller gefertigt, darunter Samsung, Motorola und HTC.

          Da ist das Ding: Nokia 920

          Seinem Ziel, sich mit Windows Phone als drittes Ökosystem unter den mobilen Plattformen neben Apple und Android zu etablieren, ist Microsoft bislang kaum nähergekommen. Als ein Manko gilt dabei bislang die vergleichsweise geringe Zahl von Softwareanwendungen oder Applikationen („Apps“), da viele Entwickler solcher Programme sich auf die beiden populärsten Plattformen konzentrieren. Wie Nokia-Chef Elop in New York sagte, gibt es mittlerweile mehr als 100.000 Apps für Windows Phone. Das bedeutet aber noch immer einen großen Rückstand auf Android und das Apple-Betriebssystem iOS, für die jeweils mehr als 500.000 Apps verfügbar sind.

          Nach Meinung von Beobachtern könnte Microsoft allerdings von dem jüngsten Urteil im Patentprozess zwischen Apple und Samsung profitieren. Geschworene eines kalifornischen Gerichts hatten entschieden, dass Samsung mit einigen seiner Android-Handys gegen Patente von Apple verstoßen hat. Das Urteil könnte Handyhersteller dazu bringen, sich mehr von Apple zu differenzieren, und da Windows Phone sich in vielerlei Hinsicht stärker von Apple-Software unterscheidet als Android, könnte Microsoft als Partner attraktiver werden. Samsung hat schon in der vergangenen Woche auf der Internationalen Funkausstellung ein Handy mit der neuen Software Windows Phone 8 vorgestellt.

          „Es ist das innovativste Smartphone der Welt“, lobt Nokia sein neues Flaggschiff-Modell Lumia 920

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.