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Luftverkehr : Frankfurter Flughafen auf dem Weg an die Spitze

Landeanflug auf dem Flughafen in Frankfurt Bild: ddp

London-Heathrow ist noch immer der größte Flughafen Europas. Doch weil ein weiterer Ausbau tabu ist, fürchten die Briten um ihre Vorrangstellung. Die Flughäfen in Frankfurt und Paris könnten davon profitieren.

          Der Betreiber des größten europäischen Flughafens London-Heathrow fürchtet, wegen fehlender Ausbau-Möglichkeiten seine Vorrangstellung als interkontinentales Verkehrskreuz an Frankfurt und Paris zu verlieren. „Wir laufen Gefahr, aus der ersten Liga der europäischen Flughäfen herauszufallen“, sagte Emma Gilthorpe aus dem Vorstand des Heathrow-Eigentümers BAA in London. „Binnen zehn Jahren könnte Heathrow hinter Frankfurt und Paris auf den dritten Platz abrutschen“, prognostiziert sie.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Großflughafen im Westen der britischen Hauptstadt wird von rund 66 Millionen Passagieren im Jahr genutzt und platzt aus allen Nähten. Doch an eine Erweiterung ist im dicht besiedelten Großraum London nicht zu denken: Die Regierung lehnt den Bau einer dringend benötigten dritten Start- und Landebahn aus Lärmschutzgründen kategorisch ab. Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport nimmt dagegen im Oktober seine vierte Piste in Betrieb. Der größte Pariser Flughafen Charles de Gaulle verfügt ebenfalls über vier Bahnen.

          Eine im Auftrag von BAA erstellte Studie des Beratungsunternehmens Frontier Economics zeigt, dass Heathrow schon heute vor allem bei Langstreckenverbindungen in wichtige Schwellenländer ins Hintertreffen geraten ist. Mit dem Papier versucht der Betreiber den Druck auf die Politik zu erhöhen. „Paris und Frankfurt bieten in die drei größten chinesischen Städte jedes Jahr 1000 Flüge mehr an als Heathrow“, warnt Colin Matthews, der Vorstandschef von BAA. Wichtige Wachstumsmärkte wie Indonesien, Mexiko und Vietnam seien von London aus direkt überhaupt nicht zu erreichen. Heathrow biete außerdem mangels freier Kapazitäten wesentlich weniger Kurzstreckenverbindungen als Frankfurt, Paris, Amsterdam und Madrid.

          London Heathrow: Die Regierung lehnt den Bau einer dritten Start- und Landebahn ab.

          Start- und Landerechte in Heathrow sind extrem knapp und teuer: Am vergangenen Freitag hat die International Airline Group, der Zusammenschluss von British Airways und Iberia, mitgeteilt, dass sie sechs solche täglichen „Slots“ von der Lufthansa-Sparte BMI erwerbe. Analysten schätzen den Kaufpreis auf 100 bis 150 Millionen Euro. Laut der BAA-Studie gäbe es in Heathrow schon heute genug Nachfrage, um 20 Prozent mehr Flüge abzuwickeln, wenn genügend Kapazitäten vorhanden wären. In zehn Jahren könnte der Engpass auf 50 Prozent anwachsen.

          „Dieses Wachstum werden wir stattdessen in Frankfurt und Paris sehen“, erwartet Neil Chesters, einer der Autoren der Studie von Frontier Economics. Noch bietet Heathrow die meisten Langstreckenziele mit täglicher Verbindung an. Falls es aber in London beim Ausbaustopp bleibe und die Konkurrenten weiter ausbauten, könnte sich dies binnen zehn Jahren umkehren, sagen die Verkehrsplaner voraus. Frankfurt würde dann in Europa vor Paris die größte Auswahl täglicher Langstreckenverbindungen bieten.

          In Frankfurt stehen die Zeichen auf Expansion. Bis 2015 werde sich die Zahl der Fluggäste von heute 53 Millionen auf 65 Millionen Passagiere vergrößern, schätzt Fraport-Chef Stefan Schulte. Bis 2020, so lautet die Prognose, wird die Zahl der Fluggäste auf bis zu 88 Millionen wachsen.

          Mit der neuen vierten Landebahn steigt die Zahl von 83 Starts und Landungen je Stunde schrittweise auf bis zu 126. Im kommenden Jahr soll die Eröffnung des erweiterten Abfertigungsterminals A folgen. Die beiden Projekte sind das Herzstück des Flughafen-Ausbaus, der rund 4,3 Milliarden Euro kosten wird.

          Gleichzeitig laufen in Frankfurt die Vorbereitungen für ein drittes Terminal auf Hochtouren, das Fraport spätestens 2017 eröffnen will. „Damit kann der Frankfurter Flughafen, der von der Lufthansa und ihren Partnern im Netzwerk Star Alliance als Heimatbasis genutzt wird, im Vergleich zu den Rivalen in London und Paris gut bestehen“, sagt Uwe Weinreich, der Luftfahrtanalyst der Großbank Unicredit in München.

          In London macht sich der Heathrow-Betreiber BAA unterdessen wenig Hoffnung auf eine dritte Start- und Landebahn. „Es ist auch auf lange Sicht nicht damit zu rechnen, dass die Regierung da ihre Meinung ändert“, sagt die Flughafen-Managerin Gilthorpe. Über Alternativen wie den Bau eines neuen Großflughafens an der Themse-Mündung wird zwar seit vielen Jahren diskutiert. Die Finanzierung ist aber unklar, und einschließlich der notwendigen Verkehrsanbindungen würde der Bau voraussichtlich Jahrzehnte dauern.

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