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Luftverkehr : China blockiert Milliarden-Aufträge für Airbus

Airbus geht davon aus, „einen hohen Preis für die EU-Politik zu zahlen“ Bild: AFP

Nach F.A.Z.-Informationen stellt China die Bestellung von 35 A330-Flugzeugen zurück. Hintergrund ist die Einbeziehung der Luftfahrt in den europäischen Emissionshandel. Folge könnte ein Stellenabbau bei Airbus sein.

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          Im Emissionsstreit mit der EU droht China jetzt offen mit der Stornierung von Aufträgen an den europäischen Flugzeughersteller Airbus. Dieser denkt deshalb über den Abbau von Arbeitsplätzen nach. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat China die Bestellung von 35 Flugzeugen des Typs A330 zurückgestellt, um damit gegen die seit Jahresbeginn geltende Einbeziehung der Luftfahrt in den europäischen Emissionshandel anzugehen. Chinas staatliche Fluggesellschaften stünden „mächtig unter Druck der Regierung“, mit ihrer Marktmacht die Neuregelung zu bekämpfen, hieß es.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Medien in China berichten zudem, die Fluggesellschaft Hongkong Airlines, die nicht zum Festland gehört, plane die Abbestellung von zehn Großraumflugzeugen des Typs A380. Nach Kenntnis der Frankfurter Allgemeinen Zeitung steht in China und Hongkong ein Auftragsvolumen zum Listenpreis von fast 12 Milliarden Dollar im Feuer. Hohe Rabatte von bis zu 50 Prozent sind in der Branche jedoch durchaus üblich.

          Die Volksrepublik ist der am schnellsten wachsende Luftfahrtmarkt der Welt. „Die Folge des heraufziehenden Handelsstreits der EU mit China zeichnet sich schon jetzt ab: Arbeitsplatzverlust bei Airbus“, sagte Airbus-Sprecher Rainer Ohler der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Wir und auch die europäischen Fluggesellschaften müssen sich darauf einstellen, einen hohen Preis für die Politik der EU zu bezahlen.“

          In der vergangenen Woche hatten sich China und weitere 22 Länder in Moskau zusammengeschlossen, um gemeinsam gegen die EU-Regelung vorzugehen, notfalls mit Sanktionen gegen europäische Unternehmen. „Die Aufträge dürften jetzt nicht an uns, sondern an andere gehen“, kritisierte Ohler. Die Moskauer Konferenz habe gezeigt, „dass die ganze Welt das europäische System ablehnt“. Er warf Brüssel „politischen Starrsinn“ vor.

          Werden auch A380-Aufträge storniert?

          Die Zeitung „South China Morning Post“ zitierte den Präsidenten von Hongkong Airlines, Yang Jianhong, mit den Worten: „Wir können nicht etwas tun, das gegen die Interessen unseres Landes ist.“ Deshalb denke man über die Stornierung der A380-Aufträge nach. Zuvor hatte die chinesische Luftfahrtbehörde CAAC den Fluggesellschaften ihres Landes verboten, sich am Emissionshandel zu beteiligen.

          Das System sieht vor, solchen Fluglinien, die in der EU starten oder landen, Emissionszertifikate für den Kohlendioxidausstoß ihrer Maschinen zuzuteilen. Den Großteil der Verschmutzungsrechte erhalten sie unentgeltlich. Den Rest müssen sie zukaufen, nicht gebrauchte Zertifikate können sie verkaufen. Das soll Anreize schaffen werden, den Ausstoß zu verringern.

          Merkel: Neuregelung betrifft alle Fluggesellschaften

          Die Gegner werfen der EU vor, die Regeln einseitig verabschiedet zu haben. Die EU rechtfertigt sich damit, dass alle internationalen Vorstöße bisher gescheitert seien, während die Verpestung durch den Luftverkehr stark zugenommen habe. Der Geschäftsführer der größten asiatischen Fluggesellschaft China Southern, Si Xianmin, bezifferte unlängst gegenüber Bundeskanzlerin Angela Merkel die Mehrkosten für 2012 auf 3 Milliarden Yuan (362 Millionen Euro). Merkel erwiderte, die Neuregelung sei nicht wettbewerbsverzerrend, da sie alle Gesellschaften treffe.

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