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Treibhausgas-Emissionen : Lufthansa schärft ihre Klimapläne

Ehrgeizige Klimaschutzpläne: Lufthansa-Jumbo Boeing 747 auf dem Frankfurter Flughafen Bild: Lando Hass

In Plänen zum Bessern der CO2-Bilanzen geht es oft um Kompensation. Lufthansa nennt nun Ziele zur tatsächlichen Reduktion. Dafür setzt der Konzern auf eine Kooperation mit Mineralölkonzernen und eine neue Technik.

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          Über neue treibstoffsparende Flugzeuge und die Hoffnungen auf alternative Kraftstoffe hat Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr schon viel geschwärmt. Schließlich hat sich der Konzern zum Ziel gesetzt, bis 2030 rechnerisch seine CO2-Emissionen zu halbieren. Am Montag konkretisierte seine Vorstandskollegin Christina Foerster die Pläne.

          Timo Kotowski
          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Wenn über Ziele zur Reduktion der CO2-Emissionen gesprochen wird, hat das oft damit zu tun, dass Unternehmen verschiedene Kompensationsmaßnahmen nutzen. Uns geht es aber um echte Reduktionen im Luftfahrtsektor“, sagte Foerster. Sie ist für Markenpflege zuständig und bekam zuletzt viel Post von über Verspätungen und Ausfälle verstimmten Kunden – und sie verantwortet die Nachhaltigkeitsstrategie des Konzerns.

          Nun gibt sie eine neue Zielmarke vor. „In der Vergangenheit ging es in der Luftfahrt oft darum, dass der CO2-Ausstoß pro Kopf sinkt. Aufgrund des Branchenwachstums sind die Gesamtemissionen aber dennoch gestiegen“, erklärt sie. Auch Lufthansa hatte lange die sinkende Pro-Kopf-Verschmutzung durch neue Flugzeuge, die weniger Kraftstoff verbrauchen, hervorgehoben, während vor der Pandemie die Passagierzahlen stiegen.

          Ein Fünftel weniger Ausstoß innerhalb von acht Jahren

          „Wir streben nun eine absolute Reduktion um 18 Prozent bis zum Jahr 2030 an“, konkretisierte Foerster den Konzernplan. Das bedeutet: Am 50-Prozent-Minderungsziel ändert sich nichts, aber ein nun bezifferter Teil davon soll nicht bloß durch Zahlungen für Ausgleichsprojekte erreicht werden. 2050 soll Klimaneutralität erreicht sein.

          Die Klimafolgen des Fliegens sind zum Dauerthema in Europas Luftfahrt geworden. Der Billigflieger Easyjet hebt hervor, Partner von Airbus bei der Entwicklung eines Wasserstoff-Passagierflugzeugs zu sein. Doch vor der Mitte des kommenden Jahrzehnts dürfte das nicht abheben. Foerster beteuert, Lufthansa wolle kurzfristiger Fortschritte erzielen. „Deshalb sind wir die erste Airline in Europa und die zweite in der Welt, die von der Science-Based-Target-Initiative validiert wurde.“

          Lufthansa setzt auf dem Weg hin zu den Emissionsminderungszielen weniger auf das Warten auf ein neues Flugzeug der Zukunft, sondern mehr auf den Einkauf von Kerosinalternativen, in der Branche Sustainable Aviation Fuels (SAF) genannt. Dazu zählt der in geringen Mengen bereits genutzte Kraftstoff, der aus Altfetten hergestellt wird. Als Nächstes steht der Einsatz von synthetischem Kraftstoff an, der aus CO2 und Wasser gewonnen wird.

          Partnerschaft bringt Sicherheit für Ölkonzerne

          Zwei Partnerschaften mit den Lieferanten OMV und Shell hat Lufthansa abgeschlossen – über mehr als 2,4 Millionen Tonnen SAF bis 2030. Das soll den Ölkonzernen auch Sicherheit geben, dass Treibstoffalternativen aus neuen Produktionsanlagen auch abgenommen werden. „In unseren Partnerschaften mit Energiekonzernen haben wir nicht nur SAF-Mengen vereinbart, sondern auch Quoten vorgegeben, um neben alternativem Kerosin aus Altfetten auch synthetisch aus erneuerbarer Energie, CO2 und Wasser erzeugten Kraftstoff der nächsten Generation zu erhalten“, sagt Foerster. Und im Flugbetrieb wäre es genug, um 28.000 mal einen Airbus A350 von München nach New York zu schicken. Da SAF bislang maximal zur Hälfte beigemengt werden darf, dürften noch mehr Flugzeuge etwas von dem neuen Kraftstoff in den Tank bekommen.

          Der Weg zur emissionsärmeren Luftfahrt hat aber auch Hürden – so beim Einsatz eines Oberflächenfilms, der Haifischhaut nachempfunden ist. Damit ließen sich Luftwiderstand und Verbrauch um bis zu 3 Prozent senken, sagte Foerster. Bislang bringt es Lufthansa auf ein Prozent an einem teils beschichteten Jet. Das Projekt soll ausgedehnt werden. „Aktuell befindet sich das Verfahren noch in der Zulassung“, erklärt sie. Dem Vernehmen nach ist für jedes Flugzeugmuster eine separate Zulassung nötig. Das dauert. Immerhin scheinen mehr Passagiere bereit, freiwillig einen Zusatzbeitrag zum Ausgleich der Klimafolgen zu zahlen. Das sei bei je nach Strecke 4 bis 9 Prozent der direkt bei Lufthansa erfolgten Buchungen der Fall, vor nicht allzu langer Zeit lag die Quote noch bei einem Prozent.

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