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„No jab, no job“ : Lufthansa will Impfungen für alle Crews

Eine Flugbegleiterin der Lufthansa steht am Frankfurter Flughafen mit medizinischem Mundschutz. Bild: dpa

Ohne Vollschutz der Mitarbeiter sieht der Konzern Risiken für den Flugplan, weil erste Ziele Impfungen verlangen. Mit der Schweizer Swiss führt eine Konzernmarke die Impfpflicht schon ein. Andere Airlines haben bereits strenge Impfvorgaben.

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          Die Deutsche Lufthansa strebt an, dass künftig nur geimpfte Piloten und Kabinenmitarbeiter auf Flügen zum Einsatz kommen – stößt dabei aber in Deutschland auf rechtliche Hürden. „Ein internationaler Flugbetrieb ist ohne verpflichtende Corona-Impfung für Flugzeugbesatzungen künftig nicht darstellbar“, sagte eine Konzernsprecherin am Mittwoch auf Anfrage der F.A.Z. Viele Staaten würden einen Impfnachweis auch von Piloten und Flugbegleitern verlangen.

          Timo Kotowski
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          Vorreiter im Konzern ist derweil die Schweizer Tochtergesellschaft Swiss. Sie führt als erste europäische Airline eine Impfpflicht für das fliegende Personal ein. Diese soll vom 15. November an greifen. Swiss reagiert damit nach eigenen Angaben auf Einreisebestimmungen in aller Welt. So verlange Hongkong von sofort an, dass Besatzungen aus diversen Ländern nachweisen müssten, gegen Covid geimpft zu sein. Auch in Deutschland ist man mit den Vorgaben aus Hongkong konfrontiert ist. Und zum 1. September mache mit Baku in Aserbaidschan ein weiteres Ziel die Impfung auch für das Personal zur Auflage, heißt es.

          In der Schweiz warnt Swiss schon vor Störungen im Betrieb und davor, dass einzelne Ziele nicht mehr bedient werden könnten, sofern der Impfschritt nicht gegangen würde. „Die unterschiedliche Handhabung geimpfter und ungeimpfter Besatzungsmitglieder und die damit verbundene hohe Komplexität der Einsatzplanung hätten zur Folge, dass auf lange Sicht kein geordneter Flugbetrieb mehr sichergestellt werden könnte“, teilte die Gesellschaft mit. Für das deutsche Personal kann Lufthansa keine Pflicht im Eiltempo durchsetzen. Es fehlt eine rechtliche Grundlage.

          Impfschutz-Abfrage nicht erlaubt

          Mehr noch: Lufthansa darf nicht abfragen, wer einen Impfschutz hat und wer nicht. Das aufwendige Führen von separaten Personaleinsatzplänen für Geimpfte und Ungeimpfte ist somit nicht möglich. Man baut darauf, dass die Impfquote schon hoch sei. Bei der Österreich-Tochtergesellschaft Austrian Airlines habe man ermittelt, dass dort 90 Prozent des fliegenden Personals geimpft seien.

          Vorerst behilft man sich damit, von auf betroffenen Strecken eingesetztem Mitarbeitern eine allgemeine Erklärung zu verlangen, dass sie Einreisevorgaben des Ziels erfüllen. Bei diesem etwas holprigen Weg soll es aber nicht bleiben. „Daher arbeiten wir mit den Personalvertretungen an entsprechenden Vereinbarungen, die eine Coronaimpfung zur Voraussetzung für den fliegerischen Einsatz machen“, erklärt die Sprecherin. Als Vorlage gilt eine Vereinbarung zu Gelbfieberimpfungen, die verpflichtend seien.

          Impfpflicht bei Swiss „vernünftig und nachvollziehbar“

          Bei Swiss sieht man die deutschen Hürden nicht. Die Gesellschaft stützt sich auf Klauseln in den Gesamtarbeitsverträgen des Cockpit- und Kabinenpersonals, die solche Maßnahmen – auch aus Fürsorge gegenüber den Mitarbeitern – unter den gegenwärtig außerordentlichen Umständen erlaubten.

          Tatsächlich steht in diesen Verträgen, dass die Swiss ihre Mitarbeiter zur Verhütung von Krankheiten zu Schutzimpfungen und anderen Prophylaxen verpflichten kann, wie die Präsidentin der Gewerkschaft des Kabinenpersonals, Sandrine Nikolic, gegenüber der F.A.Z. bestätigte. Sie hält die Impfpflicht angesichts der Restriktionen im Flugverkehr für „vernünftig und nachvollziehbar“.

          „No jab, no job“

          Auf anderen Kontinenten haben Airlines schon strenge Impfvorgaben eingeführt. Bei Qantas in Australien heißt es ganz einfach „no jab, no job“ – ohne Impfung keinen Arbeitsplatz. „Für jene, die eine Impfung ablehnen, ist die Luftfahrt nicht die richtige Branche“, befand Vorstandschef Alan Joyce. Wie bei Swiss gilt die Frist, dass das fliegende Personal bis zum 15. November durchgeimpft sein muss.

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