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Angebot an Thomas Cook : Lufthansa will sich Condor zurückholen

Kommt Condor zurück zur Lufthansa? Bild: AP

Die Lufthansa will Condor vom Reisekonzern Thomas Cook abkaufen. Für Condor wäre das eine Rückkehr. Die Aktionäre und die EU-Kommission haben aber Bedenken.

          Einst ging man getrennte Wege, nun will man wieder zueinander finden. Zehn Jahre nach dem Verkauf ihrer letzten Anteile an der Fluggesellschaft Condor gibt die Deutsche Lufthansa eine Offerte ab, um Condor vom Reiseveranstalter Thomas Cook wieder zurück in den Konzern zu holen. Der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr bestätigte am Dienstag vor Beginn des jährlichen Aktionärstreffens das Angebot. Damit will Europas größter Luftfahrtkonzern seine Stellung auf dem europäischen Markt weiter ausbauen.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Eine Offerte war erwartet worden, nachdem Thomas Cook seine Flugsparte samt Condor Anfang des Jahres zum Verkauf gestellt hatte, um mit dem möglichen Erlös das eigene Hotelgeschäft zu stärken. Doch nun fällt das Gebot der Lufthansa größer aus, als zuvor in Branchenkreisen spekuliert wurde, wo vornehmlich von einem Interesse am Langstreckenfluggeschäft von Condor die Rede war. „Wir haben uns entschieden, ein Angebot abzugeben und zwar für die gesamte Condor – sogar mit der Option, dieses auf alle Thomas-Cook-Airlines erweitern zu können“, sagte Spohr.

          Unter den Aktionären auf der Hauptversammlung in Bonn stieß die Ankündigung nicht nur auf Begeisterung. Michael Gierse, Portfoliomanager der Fondsgesellschaft Union Investment, beklagte, dass das „Empire-Building“ der Vergangenheit den Lufthansa-Konzern ohnehin sehr komplex gemacht habe, während klassische Billigflieger mit schlankeren Strukturen arbeiten. Zudem empfahl er, Kapital besser für den Ersatz älterer Flugzeug durch neue triebstoffsparende und somit emissionsärmere Flugzeuge auszugeben.

          Die drohende regulatorische Keule

          „Jedes Jahr ist trotz des begonnenen Erneuerungsprogramms das Durchschnittsalter der Flotte nach oben gegangen“, diagnostizierte Gierse Nachholbedarf. Auch Vanessa Golz von der Fondsgesellschaft Deka bemängelte das Alter der Flotte. Sie warnte wegen deren Kohlendioxidemissionen vor drohenden Abgaben und Zusatzkosten. „Wir sehen ein hohes Risiko, dass die Luftfahrtbranche die regulatorische Keule des Klimawandels zu spüren bekommt.“

          Spohr setzte hingegen Lufthansa als idealen Condor-Käufer in Szene. „Wir sind die einzigen, die im Interesse der Mitarbeiter die Einheit der Condor gewährleisten und keine Zerschlagung wie manch anderer durchführen wollen“, sagte er. Aus seiner Sicht sei es nach der Air-Berlin-Insolvenz ein großes Manko gewesen, dass nur über eine Zerteilung der Gesellschaft ein Konsolidierungsschritt in der europäischen Luftfahrt möglich war.

          Für die gesamte Thomas-Cook-Flugsparte mit Condor und deren Schwestergesellschaften in Skandinavien und Großbritannien hält er jedoch eine Aufteilung für wahrscheinlich. „Wenn wir ehrlich sind, wird es keinen geben, der alle Thomas-Cook-Airlines für interessant hält“, sagte er. Als mögliche weitere Bieter für Teile gelten die Billigflieger Ryanair und Easyjet, der Investor Indigo Partners, der Großaktionär des ungarischen Billigfliegers Wizzair ist, sowie der British-Airways-Mutterkonzern IAG. So absehbar die Zerschlagung der Thomas-Cook-Flugsparte damit scheint, so deutlich betonte Spohr, dass er keine Zerlegung von Condor anstreben würde.

          Bedenken der EU-Kommission

          Eine Übernahme des kompletten Condor-Geschäfts würde allerdings ein komplexes Konstrukt in den Lufthansa-Konzern bringen. Denn hinter der Marke Condor verbergen sich aktuell drei Gesellschaften mit eigenen Betriebslizenzen und teils unterschiedlichen Vergütungen.

          Zudem dürfte die EU-Kommission eine Komplettübernahme kaum durchwinken. Ihre Bedenken hatten schon dazu geführt, dass Lufthansa das Air-Berlin-Ferienfluggeschäft unter der Marke Niki nicht erhielt.

          Offen ist auch noch, wie viel Lufthansa für Condor ausgeben will. Denn noch steht eine intensive Buchprüfung aus. Die – noch nicht bindende – Offerte war vor allem deshalb zum jetzigen Zeitpunkt nötig, da am Dienstag eine von Thomas Cook angesetzte erste Bieterfrist endet.

          Lufthansa war 1955 Mitgründer der Gesellschaft Condor – damals neben der Deutschen Bundesbahn und zwei Reedereien, die später in Hapag-Lloyd aufgingen. Condor bildete später mit Neckermann-Reisen das Unternehmen C&N Touristik, das Lufthansa und Karstadt gehörte.

          Der Warenhauskonzern trieb später mit Lufthansa eine Entflechtung der Aktivitäten im Reisegeschäft samt Ausstieg der Lufthansa bei Condor voran und gliederte C&N im übernommen Unternehmen Thomas Cook ein. Nach der Insolvenz der Karstadt-Holding Arcandor 2009 wurde Thomas Cook wieder zum eigenständigen Konzern, aus dem nun Condor zur Lufthansa zurückkehren könnte.

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