https://www.faz.net/-gqe-7t3bx

Ankündigung : Lufthansa und Bahn steuern auf Streiks zu

  • -Aktualisiert am

Kein Ende in Sicht: Lufthansa-Passagiere müssen sich auf erneute Streiks einstellen Bild: Fricke, Helmut

Auf Urlauber und Geschäftsreisende kommen harte Zeiten zu: Sowohl in der Luft als auch auf der Schiene könnte der Verkehr bald lahmgelegt werden.

          Zugreisende der Deutschen Bahn und Passagiere der Deutschen Lufthansa AG müssen in Kürze wieder mit Streiks rechnen. Noch während der zweiwöchigen Ferienphase in mehreren Bundesländern drohen Europas größter Fluggesellschaft wohl erhebliche Flugausfälle an ihren Heimatbasen in Frankfurt und München, hieß es am Sonntag von Lufthansa-Managern und der Branchengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), die etwa 5400 der insgesamt 9000 Piloten im Lufthansa-Konzern vertritt. Mit den Arbeitskämpfen, die die Gewerkschaft am Freitagabend ankündigte, setzt sich die Streikwelle vom April fort: Der damals dreitägige Arbeitsausstand der Lufthansa-Piloten führte zum Wegfall von 3800 Flügen für 425.000 Passagiere und schlug mit insgesamt rund 70 Millionen Euro negativ in der Ergebnisrechnung des Konzerns zu Buche.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Gewerkschaft begründete ihre neuen Aktionen, mit denen „ab sofort“ gerechnet werden müsse, mit dem Scheitern der laufenden Tarifverhandlungen. Dabei geht es jedoch nur vordergründig um die Forderung der Lufthansa-Piloten nach 10 Prozent mehr Lohn. In Wahrheit stehen brisante Themen wie die komfortable Übergangsregelung oder die betriebliche Altersversorgung für jene Berufsgruppe zur Debatte, die mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 180000 Euro ohnehin zu den Spitzenverdienern des Konzerns zählt.

          Für aktuellen Zündstoff während der Verhandlungen sorgten die Pläne von Lufthansas-Vorstandschef Carsten Spohr, neue Billigfluggesellschaften zu gründen, um so den Siegeszug der Preisbrecher in Europa zu stoppen und die staatlich geförderte Konkurrenz aus der Golfregion auf Abstand zu halten. Die neuen Anbieter, die unter dem Dach der konzerneigenen Billigmarke „Wings-Gruppe“ gesteuert werden, sollen im Ausland starten und sind damit nicht an den Konzern-Tarifvertrag der Lufthansa gebunden, über den jetzt im Detail verhandelt wird.

          Große Bandbreite bei Pilotengehältern

          Was die Flugzeugführer der Muttergesellschaft besonders erzürnt: Die Personalkosten für die Wings-Piloten werden wohl künftig um 40 Prozent unter dem Niveau der Lufthansa-Kollegen liegen. „Das ist als Kampfansage für unsere Besitzstände zu verstehen“, wettert ein langjähriges VC-Mitglied. Ein jüngerer Kollege, der bislang als Co-Pilot auf Airbus-Maschinen innerhalb Europas pendelt, fürchtet zwar ebenfalls „schmerzhafte Einschnitte bei der Vergütung“, räumt aber ein, dass sich für Piloten mit geringer Berufserfahrung durch die neuen Billigmarken bessere Aufstiegschancen böten.

          Nicht nur mit dem „Wings“-Konzept, sondern auch mit dem Umbau der Übergangsversorgung sind Privilegien bedroht, die noch aus der Ära des ehemaligen Staatskonzerns stammen. Nach dem rund 50 Jahre alten Regelwerk dürfen Lufthansa-Piloten frühestens mit 55 Jahren in den Ruhestand gehen. Um die Versorgungslücke bis zum Eintritt ins gesetzliche Rentenalter (65 Jahre) zu schließen, spendierte der Arbeitgeber bislang einen betriebsinternen Ausgleich, der bis zu 60 Prozent des letzten Bruttogehalts beträgt. Konzernlenker Spohr will das interne Eintrittsalter wegen hoher Kosten für Verkehrspiloten möglichst auf 60 Jahre festsetzen und danach jüngere Jahrgänge bei der Finanzierung ihrer Übergangsversorgung selbst in die Pflicht nehmen.

          Weitere Themen

          Harmonie auf Zeit

          Spitzenfrauen : Harmonie auf Zeit

          Nachdem die Personalien geklärt sind, geht es politisch bald ans Eingemachte: Mindestlohn, Arbeitslosenversicherung, Rüstungsexporte. Die mächtigsten Frauen Europas – Kramp-Karrenbauer, von der Leyen und Merkel – könnten sich dabei in die Quere kommen.

          Topmeldungen

          Kandidatur für SPD-Vorsitz : Was will Stephan Weil?

          Noch hüllt er sich in Schweigen, aber bald wird sich Stephan Weil bekennen müssen: Tritt er für den SPD-Vorsitz an oder nicht? An der Entscheidung des Niedersachsen hängt viel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.